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HI-JACK - Not The End Of The Road

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Artist HI-JACK
Title Not The End Of The Road
Homepage HI-JACK
Label ÖTTEMUSIC
Leserbewertung
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„Hi Jack“!

Nein, das ist weniger eine persönliche Begrüßung für all diejenigen unter euch, die Jack heißen, sondern vielmehr der Bandname der vier Jungs aus Heinsberg (bei Aachen), die sich für die Musik auf dem mir hier vorliegenden Tonträger „Not The End Of The Road“ verantwortlich zeigen. Mit diesem veröffentlichen HI-JACK, die dieses Jahr schon acht Kerzen auf ihrem Bandgeburtstagskuchen auspusten dürfen, auf dem kleinen Label „Öttemusic“ ihren ersten Longplayer, dem bereits einige EPs, Split-CDs oder auch Veröffentlichungen auf diversen Samplern vorausgingen.

Etwas überraschend für eine als „Emocore“ angekündigte Band wird man mit einem durch ein Sprachsample eingeleitetes Intro („23 inches pain“) aus elektronischen Beats zu dem ersten Song „Revenge on the world“ hingeleitet. Dieser startet dann allerdings umgehend mit Metalriffs und Schlagzeug, so dass man sich doch sicher sein kann, die richtige CD aus der Hülle genommen zu haben. Verdeutlicht wird das durch den Stimmeinsatz von Shouter und Gitarrist Markus, dessen gefauchte, in Richtung Death Metal gehende Shouts sich gut mit dem Drumming und den Gitarren vereinbaren lassen. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich ihm nach Betrachtung des sich auf der CD-Hüllen-Rückseite befindlichen Bandfotos eher für den „Emo-Anteil“ verantwortlich gehalten, was aber wiederum beweist, dass Vorurteile nur fehl am Platz sind. Den angesprochenen Part übernimmt nämlich Sänger/ Bassist Tim, der aber ab und an auch mal selbst kurzzeitig ins Shouting übergeht. Dieser gesangliche Wechsel gepaart mit dem mal punkig, mal Death Metal-mäßgen, mal irgendwo-dazwischen-liegenden Schlagzeugrhythmus und den Metal-lastigen Gitarren gelingt es dem Quartett, einen sehr gelungenen Opening-Track aufzubieten. Die gleichen Eigenschaften weist auch „Your last chapter“ auf – inklusive dem sehr an BOYSETSFIRE angelehnten „Rise! Rise! Rise! Rise!“. Mit dem folgenden „Never together“ repräsentiert man dann die Bezeichnung „Emocore“ schon recht gut; der überwiegend cleane Gesang und das gegen Ende aufkommende Geigenspiel sorgen für die dem Text entsprechenden verzweifelte Atmosphäre, während die Shouts und ein kurzer abschließender Breakdown die gewisse Härte einbringen. Mit „Lay me to rest“ verhält es sich ähnlich, wenngleich die Nummer ein wenig flotter daher kommt und statt des Breakdowns einige nette Gitarrenleads enthält. Der sechste Titel „You know the wounds“ gehört zu einem meiner High-Jacks… – äh, Verzeigung – Highlights dieses Albums, was hauptsächlich an dem sehr coolen Klavierpart mit den gehauchten Lyrics liegt, der sich nach mehrmaligem Hören als echter Ohrwurm entpuppen kann. Aber auch ansonsten bietet der ziemlich eingängige Titel die Richtige Mischung aus Kraft und Gefühl. Am nun folgenden Titeltrack gefällt mir besonders die Gitarrenarbeit, ansonsten zeigt dieser Song leider auch, dass es für die Jungs stimmlich noch nicht reicht, ganz oben mitzuspielen. Gerade Tims cleane Vocals erreichen oft hörbar ihre Grenzen und so nett der Wechselgesang auch ist, über das ganze Album gesehen langweilt er irgendwann dann schon ein wenig und bietet zu wenig Abwechslung. Kaum hab ich diesen Gedanken zuende gesponnen folgt Titel Acht: „Amber“. Wer Abwechslung wollte, bekommt sie hier in Form einer wirklich ausgesprochen guten „Sommer-Regen-Ballade“, wie ich’s an dieser Stelle mal nennen will. Akustikgitarre und durchgehender, klarer Gesang serviert mit reichlich Gefühl; ich bin positiv überrascht – ein echter Geheimtipp. Weiter geht die Abwechslung mit dem kurzen, elektronischen Zwischenstück „1-9-13“, das nochmal kurz Verknüpfung zu dem Intro schafft und auch wohl in gleicher Funktion für „Sense of life“ steht. Dieser Track ist von der Struktur her wieder seinen Vorgängern wie „Your last chapter“ sehr ähnlich, genau so wie die noch folgenden „Broken wings“ und „The merciless process“. Für sich alles ganz ordentliche Kompositionen, jedoch ähneln sie sich teilweise einfach schon zu stark. Als Abschluss dient „I desiccate“, wiedermal ein elektronisches Stück, allerdings mit weiblicher Stimme und ein paar düsteren Shouts, womit der Longplayer genau so überraschend endet, wie er begann.

Insgesamt handelt es sich bei HI-JACKs „Not the end oft he road“ um einen wirklich ordentlichen, ziemlich gut produzierten ersten Longplayer. Mit Songs wie „Revenge on the world“, „Never Together“ und „You know the wounds“ ist man auf der richtigen Seite und man beweist zudem mit „Amber“ und den elektronischen Stücken auch Mut zu Experimenten. Diese Experimentierfreudigkeit sollte man meiner Meinung nach noch ein wenig ausbauen, vielleicht die elektronische Schiene auch ein wenig in die Songs einfließen lassen, damit sie nicht so wie ein Fremdkörper wirkt und gleichzeitig noch ein wenig mehr Abwechslung einbringt. Wenn ich auch den Stil eher als „Emo Metal“ denn „Core“ bezeichnen würde, sei „Not the end oft he road“ einem jeden Fan dieses Genres ans Herz gelegt, der sich Shouttechnisch auch mit den Growls anfreunden kann. Dadurch heben sich HI-JACK ein wenig von der immer größer werdenden emotionalen Konkurrenz ab und es bleibt abzuwarten, was in Zukunft von den Jungs zu hören sein wird. Interessante Ansätze liefert die Scheibe jedenfalls einige.

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