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HILTRUD HECKE - Herdplatte

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Artist HILTRUD HECKE
Title Herdplatte
Homepage HILTRUD HECKE
Label SKIPPYTRONIC/ KERNKRACH
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HILTRUD HECKE – Ein Name wie in Stein gemeißelt oder besser in eine Herdplatte. Der Aufschrei aller gequälten Hausfrauen im Kollektiv. Geknechtete Seelen, allenfalls geduldet für ein schön zubereitetes Mahl nach der Heimkehr des Liebsten. Wer weiß schon, was in diesen Kochlöffel schwingenden Wesen wirklich vorgeht, die ihr Weltbild aus Lesezirkel-Frauenzeitschriften adaptieren müssen. Wie viel Poesie steckt in einer einzelnen Schürze, einer Pantolette, einer weiblichen Gehirnhälfte? HILTRUD HECKE aus Ostwestfalen wird all diese Fragen beantworten: Unumstößlich, unwiderlegbar, auf der Meta-Ebene. Wer kennt sie nicht, als Anhängsel des berühmten SÜTTERLIN, der vor kurzem auf den Kernkrach Festivals vor vollen Häusern spielen konnte. Dort stand sie ein wenig verschämt im Hintergrund, obschon der Kenner doch erkannte, wo wirklich die Musik spielte. Und so taucht nun auch der dort vorgestellte Topf-Hit „Mach kein Käse“ hier wieder auf, die Hiltrud hat’s also erdacht! Aber keine Angst: Der Heinz ist auch wieder dabei und bedient alle (elektronischen) Instrumente, hin und wieder macht er auch den Mund auf.

Das Ergebnis nennt sich „Herdplatte“ (natürlich ceran!), enthält 6 Tracks und 22 Minuten Spielzeit. Dass es hier in Richtung Minimal Elektro mit ironisch-erbrochenen Texten geht, war von vorneherein klar, dass es aber teilweise richtig hittig klingt, eher weniger. So ist der Opener „Keine Nieten“ mit seiner lässigen Chilligkeit gar nicht so weit von der Industrie (2RAUMWOHNUNG, GROSSSTADTGEFLÜSTER) entfernt, wie man vielleicht denken mag. „Größenwahn“ hätte in der 80er NDW-Zeit einen veritablen Dancefloor-Hit abgegeben. „Putzteufelswild“ spielt gekonnt mit Ragga-Elementen, und der bereits angesprochene Käsehit dürfte alle Freunde volkstümlich-pervertierter Musik zum Tanzen bringen (aber musste denn die Fäkalsprache sein, meine Herren und Damen?). Gouda-Trance aus der heimlichen Hauptstadt des Kernkrachs, das gleichnamige Label vertreibt den Silberling übrigens auch. Mit der nicht gerade lebensbejahenden Ballade „Depression“ geht es weiter, hier wird dann mal eine Akustikgitarre eingesetzt. Auch eine Hausfrau geht zum Weinen in den Keller. Aber im Ernst: Mit dem Text können nachdenkliche Seelen (zu denen ich mich auch zähle) erstaunlich gut „per du“ gehen. „Rattenkalt“ zum Schluss tendiert dann in Richtung Schlager/ Chanson, der Arbeitstag der Küchenhilfe ist beendet, nach 14 Stunden darf auch sie das Bett aufsuchen…

Eine musikalisch erstaunlich reife Retro-/ Minimal Electro-Scheibe, die geschickt zwischen Wahnsinn und Perfektion pendelt. Weit entfernt vom Mainstream, aber voller kleiner charmanter Hits. HILTRUD HECKE – Ein Name, den man sich merken sollte!

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