Band Filter

HONIGDIEB - Seelentropfen

VN:F [1.9.22_1171]
Artist HONIGDIEB
Title Seelentropfen
Homepage HONIGDIEB
Label IDIOTS RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
6.0/10 (1 Bewertungen)

Bei NEW MODEL ARMY waren sie schon als Support dabei und inzwischen legen sie mit „Seelentropfen“ ihre dritte Langrille vor. Die Rede ist von der Dortmunder Combo HONIGDIEB um Mastermind Sir Hannes, die 13 neue Songs raushauen, bei denen sie vorsichtshalber gleich mal aufs Cover schreiben, dass Risiken und Nebenwirkungen garantiert sind.

Nun ist man als Terrorverleger so einiges gewohnt und lässt sich von solchen Aussagen in keiner Weise schrecken. Der Opener „Verkehrt“ startet auch, ohne der Gesundheit zu schaden. Musikalisch schlägt das Sextett eher raue Töne ein, die von Anca Pop auf der Querflöte einen leichten JETHRO TULL-Anstrich bekommen. Auch das unterkühlte „Augenöffner“ wird mit ihrem Flötenspiel und den damit verbundenen abstrakten Tönen veredelt, während Carsten Risch am Kontrabass und Mathias Bonheger-Kadel an den Drums für den nötigen Rhythmus sorgen. Weiter geht’s mit dem Titelsong „Seelentropfen“, die man nach der Verordnung von Sir Hannes täglich dreimal einnehmen sollte. Musikalisch sticht Raimund Alfons Gitsels heraus, der die besungenen Regentropfen vermittels Geige auf die Glatze des Vokalisten tropfen lässt. Für melancholische Momente sorgt „Immer für Dich da“, bevor „Hallo Neider“ südamerikanische Folklore bemüht. Mit Ska und Reggae setzt sich die Medikamentation mit „Smarties“ fort, nicht zu vergessen die etwas gewöhnungsbedürftigen Texte: „Zickezacke Schweinebacke“ und „Hast Du Lust auf Gummibärchen-Parties? Die Gummis hab ich schon, fehlen nur noch die Smarties.“ lassen sich da noch recht harmlos an – sieht man mal von den 50 kreischenden Mädels ab, die den Backgroundchor bilden. Aber es soll noch schlimmer kommen: „Pille(n)mann“ bietet Schlagworte wie „…ich heiße Arschperin, was ich suche ist kein Spleen, denn ich suche eine nette adrette Schlaftablette… Geiz ist geil und Scheiße hat Profil… ich bin der Pipa-Pille(n)mann…“. Dazu gibt es schrägen Folkrock, auf Dauer leider insgesamt etwas zu anstrengend, ganz egal, ob hier bewusst mit gängigen Slogans gespielt wird oder nicht. „Dumm ist, wer Dummes tut“ klingt nach auf Mittelalter getrimmte Kirchentagsmucke. Das Mittelalterthema kommt auch bei „Bevor Du gehst“ noch mal zum Tragen, dann folgt mit „Mädchen mit den roten Haaren“ eine Ablösung, die sich anfangs mitschunkel- und singfähig gibt, zwischendurch aber auch mal ins schnelle Schrammeln abgleitet. Der Song gehört vermutlich auf die Bühne, vor der das Publikum dazu wild pogen kann. Eine härtere Gangart erwartet den geneigten Hörer bei „Wenn schon, denn schon“, die aber zwischendrin auch mal in ganz andere stilistische Gefilde abdriftet. „All das, was ist“ versucht sich mit gutgelaunten Melodien und dem dynamischen Gitarrenspiel von Stefan Göbel, wohingegen die Texte in den Hintergrund treten. Fehlt noch „Fischstäbchen“, dessen Lyrics mir wohl für immer ein Rätsel bleiben werden. Warum möchte man jemandes Fischstäbchen sein? Wer es weiß, möge sich bei mir melden.

Vielleicht mangelt es mir auch am künstlerisch-intellektuellen Zugang zu „Seelentropfen“, mir ist das Werk auf jeden Fall etwas zu wirr geraten. Stilmix ist ja gut und schön, aber in der dargebotenen Form wirkt das Ganze manches Mal etwas überfrachtet. Zudem ist der Grat zwischen bitterbösen Texten und billigen Zoten verdammt schmal und hier findet sich leider nicht jede Textzeile auf der richtigen Seite. Live nimmt das beim HONIGDIEB ganz andere, teilweise wirklich herausragende Dimensionen an, diese Wirkung wusste die Konserve jedoch überwiegend nicht zu vermitteln. Ob die „Seelentropfen“ was taugen, muss da in letzter Konsequenz wohl der Selbstversuch beweisen.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

HONIGDIEB - Weitere Rezensionen

Mehr zu HONIGDIEB