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HURTS - Happiness

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Artist HURTS
Title Happiness
Homepage HURTS
Label FOUR MUSIC/ SONY
Leserbewertung
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7.8/10 (44 Bewertungen)

Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Dem Zeitgeist entsprechen. Nirgends ist das so wichtig als in der Populär Musik, zumindest wenn es darum geht, neue Stars und Sternchen aufzubauen. HURTS aus Manchester sind so ein Fall und besser noch… Theo Hutchcraft und Adam Anderson besitzen auch die künstlerische Substanz, der aufgebauten Erwartungshaltung standzuhalten. Am Anfang war der Song: „Wonderful Life“ schien zwar zunächst nur ein weiteres Cover von BLACKs 1987er Melo Hymne gleichen Namens zu sein, doch entpuppte sich diese Ode an ein zerbrechliches Leben als eigenständiges Werk. Wenngleich durchaus ein Bruder im Geiste, was Athmo und Sounddesign angeht. Also nun endlich das 80er Revival? Werden wir End-30er/ Anfang 40-er mit adäquaten Nachfolgern von TEARS FOR FEARS, OMD, A-HA und Co. versorgt? Dürfen wir unsere Karottenhosen wieder entstauben, die Schulterpolster auflegen und mit stolzer Vokuhila Frisur durch die Straßen poppe(r)n? Es wäre zu einfach und auch recht billig, HURTS nur in diesem Kontext zu sehen. Dazu besitzen sie eindeutig zu viel songwriterische Klasse, die mit einem ausgeprägten Stilwillen Hand in Hand geht.

Kommen wir noch einmal zum Ausgangspunkt zurück. „Wonderful Life“ besticht neben der einprägsam melancholischen Melodieführung (hier kommen mir u.a. TALK TALK in den Sinn) auch durch die Videoästhetik des zugehörigen Clips. ROBERT PALMER, BRYAN FERRY und Co. lassen grüssen. HURTS leben von Widersprüchen. Cover vs. Titel, Bilder vs. Texte, (Neue) Romantik vs. Schmerzhafte Realität. Oft geht es in der Lyrik um Sehnsüchte, unerfüllte Liebe, die Einsamkeit des Individuums in einer übertechnisierten Welt. Es sind eben NICHT mehr die 80er, wo Magnum und A-Team für eine simple Welt-Ordnung sorgen, auch wenn es uns das Kino aktuell anders suggerieren will. Aber betrachten wir doch mal die übrigen 10 Titel, die meines Erachtens stilistisch nicht ganz zum „wunderbaren Leben“ passen, nichtsdestotrotz aber restlos überzeugen. Etwas weniger Kälte, etwas mehr Pathos Pop garniert mit einem Schuss Boygroup. So ist „Stay“ die große Hymne, der Refrain überhöht sich selbst in ein orgiastisches Flehen. „Sunday“ der Song, den die SIMPLE MINDS seit Jahren wieder gerne schreiben würden. „Illuminated“ schlängelt sich mit zartem Kopfstimmen-Refrain unaufhaltsam in die Gehirnwindungen. Auch nach hinten raus geht den Briten, vormals bei den DAGGERS aktiv, die Puste nicht aus. „Better than Love“ (die 2. Single) und „Devotion“ kriechen wie flüssiger Honig direkt ins Ohr und warten geradezu auf eine Bühnenpräsentation, die im Herbst 2010 auch Deutschlands Konzertstätten erreichen wird. Die ersten Gigs wurden bereits in größere Hallen verlegt…

„Happiness hurts?“ Im Falle dieser bittersüßer Pop-Electro-Hymnen profitieren alle davon, die gelernt haben, dass Liebe auch immer Verletzlichkeit bedeutet. Die manchmal stundenlang den Regen beobachten, wie er gegen die Fensterschreibe prasselt und das Licht auf wundersame Weise bricht. Oder um es mal weniger prosaisch auszudrücken: Die diese ausgezeichnete Verbindung aus Retro und Moderne als bestmögliche Ergänzung gängiger Ü40-Standards in ihr persönliches Repertoire aufnehmen wollen. Happy-Go-Lucky…

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