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IAMX - Dogmatic Infidel Comedown Ok

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Artist IAMX
Title Dogmatic Infidel Comedown Ok
Homepage IAMX
Label 61 SECONDS
Leserbewertung
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5.3/10 (3 Bewertungen)

“Kingdom of Welcome Addiction” von IAMX ist zweifelsohne mein Favorit und somit auch am häufigsten gehörtes Album des letzten Jahres und das bislang ohne jede Abnutzungserscheinung. Auch die schillernden Live-Performances des verschrobenen Herrn Corner empfand ich die letzten Festival-Sommer als Highlight inmitten des sich ständig drehenden Line-up–Karussells. Mit „Dogmatic infidel comedown ok“ – Reworks and interpretations of IAMX3 erfährt die dritte Full Length des aufgedrehten Rumpelstilzchens nun eine weitere Huldigung. Der krude Albumtitel ergibt sich einmal munter durchgeschüttelt aus den Buchstaben des Originals – ja so tickt er halt, der Chris Corner.

Nehmen wir zunächst die Remixe namhafter Kollegen unter die Lupe: BLACK LIGHT ODYSSEY greifen mit ihrem Remix von „Nature of inviting“ die Dynamik des Originals auf und schaffen einen pumpenden, treibenden Tanzflächenfüller für die Düsterdiscos dieser Welt – ein gelungener Auftakt. Hier wie auch bei COMBICHRIST Andy LaPleguas Bearbeitung von „You can be happy“ bleibt die Melodielinie nahezu identisch erhalten. COMBICHRIST legen in Sachen Härte noch eine Schüppe drauf, monotone Beats stehen im spannungsreichen Kontrast zu Chris Corners klagendem Falsettgesang – Geschmackssache. Düster verschleppt mit hämmerndem Bass schließt sich AESTHETIC PERFECTIONs Version von „Kingdom of welcome addiction“ an, deren Erhabenheit des Originals ein wenig unter den stampfenden Beats verloren geht. Mir zu gefällig präsentieren PULL OUT KINGS „The great shipwreck of life“ leichtfüßig verspielt und mit zuviel Pop-Appeal. „My secret friend“ hat sich OMEGA MAN Joe Wilson vorgenommen, recht nah am Original mit etlichen 80er inspirierten Electronica und sich stellenweise überlappendem Gesang – tut keinem weh. ALEC EMPIRE knöpft sich „I am terrified“ vor und bewegt sich der Urversion verpflichtet stampfend durchs Industrial-Unterholz, der Mann versteht sein Handwerk. Noch mal gibt es „Nature of inviting“, diesmal von TERENCE FIXMER bei dem es brummt, blubbert, fiept und zischt. Eine riesige Effektexplosion, teilweise entrückt, nur mit Textfragmenten versehen und oftmals verfremdet – eher nicht so mein Ding, weil zu überfrachtet.

Reworks gibt es unter dem Namen UNFALL CHOCOLATEFURWINE bzw. ART DECO oder X-Mess, davon 2 Versionen von „Tear Garden“, die eine nur am Text zu erkennen, sehr hypnotisch und mit frühen 80er-Wave-Versatzstücken, die andere eine sehr eindringliche, schwermütige Pianovariante, im Stile von Eric Saties Gymnopedies – für mich ein Highlight der Veröffentlichung. „An I for an I“ kommt zunächst ohne Text aus, eignet sich sicherlich hervorragend fürs Spinning-Training, ist mir persönlich aber stellenweise zu noisig. Eine Cover-Version von “Think of England“ steuert MISS DERRINGER in bester Underground-Krach-Manier bei, während INDEX „The stupid, the proud“ in Shoegazer-Gefilde schleifen – beides interessant und eine schöne Abwechslung zum ansonsten ja überwiegenden synthetischen Sound. Das trifft auch auf JAMES COOKs Interpretation von „Running“ mit schönem Streicher-Arrangement von Anne Marie Kirby zu. Bleiben noch 3 Hidden Tracks zu erwähnen, zum einen „Church of England“ – IAMX Acoustic – einfach nur wunderbar und ein weiteres Highlight! Noch mal „The great shipwreck of life“, noch mal OMEGA MAN diesmal knarzig, kratzig und ein bisschen krank mit jaulenden Gitarrenpassagen und zum Schluss ein sehr reduziertes „My secret friend“ Gitarren-Cover von LARRY DRISCOLL, das ich gerne mal mit der Stimme von CHRIS ISAAK gehört hätte.

An musikalischer Bandbreite ist die mit 77 Minuten Spielzeit randvoll gepackte Silberscheibe wohl kaum zu überbieten, allerdings auch bei weitem nicht so gut in einem Rutsch durchzuhören wie das Original, da wird man je nach Stimmungslage eher mal punktuell zugreifen. Der akribische Sammler wird die eine oder andere Version ja eh schon von den Single-Veröffentlichungen sein Eigen nennen. Trotzdem hier auf einem Silberling mit zahlreichen Neuinterpretationen vereint eine lohnenswerte Investition für alle Fans des „durchgeknallten“ Herrn Corner.

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