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ICHOR - The Siege

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Artist ICHOR
Title The Siege
Homepage ICHOR
Label BASTARDIZED
Leserbewertung
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7.5/10 (15 Bewertungen)

„ICHOR“, das „Blut“ der Götter! Ob dieses auch in Adern der Deathcore-Kombo aus Trier fließt und sie somit zu dem erlesenen Kreis der Genre-Titanen gehören, will uns das Debüt-Album „The Siege“ beweisen.

Und auf das Eröffnungsplädoyer braucht man nicht lange zu warten. „Suffocate In Ecstasy“ nimmt einen nach einem kurzen Sprachsample am Anfang umgehend ins Blast-Kreuzfeuer. Gnadenlose Stakkato-Einschläge und Schlachtgegrowle aus einem Schützengraben, tief bis zum Mittelpunkt der Hölle. Und schon fängt man an zu überlegen: „Mensch, heißen die nicht eigentlich DESPISED ICON oder zumindest DESPISED ICHOR??“. Doch den Namenszusatz der verachteten Ikone aus Kanada hat das deutsche „quasi Pendant“ gar nicht nötig; ICHOR können durchaus für sich alleine stehen. Vocal-Tieftöner Erik shoutet und growlt mal eben alles in Grund und Boden, so dass man sicher sein kann, dass darauf bestimmt nichts mehr wachsen wird, was auch nur ein Fünkchen Leben in sich trägt. Dabei geht er sehr abwechslungsreich zu werke: Von fiesem Gekreische bis hin zum kehligem Todes-Odem dient (I)CHOR der Apokalypse. Untermalt wird dieser von eben erwähnten Blastattacken und immer überfallartigen Breaks wie bei „This is my will to kill“ oder „A tiny flavour of hatred“, wie sie wohl die Protagonisten bei den Schlachtszenen in „Braveheart“ gehört haben – ähnliche Bilder werden sich dabei sicher bei ICHROR-Liveauftritten in diversen Pits abspielen. Das Songwriting wirkt recht souverän und ist in den allermeisten Fällen sinnvoll; die Tempowechsel zwar nicht immer gerade unvorhersehbar, allerdings münden sie in allerlei gelungenen Passagen wie Breakdowns oder stoßen einen brutalen Groove an. Dazu gesellen sich eine Vielzahl gelungener Riffs und auch mal Soli wie bei „Cut off their limbs“ oder dem Opener. Alles in allem bedient man damit so also genau den Boom, den Formationen wie SUICIDE SILENCE ausgelöst haben. Und genau da liegt der Knackpunkt: Besonders im Bereich der Extrem Musik ist es nicht allzu leicht, durch große Variationen zu glänzen. Deshalb erinnert vieles an „alte“ Genrehaudegen wie ENTOMBED, besonders wenn man das deathmetalische Grundgerüst wie etwa bei „Man without a face“ noch deutlicher heraushört als bei den moderner angelegten Stücken. Um hier wirklich aus der Masse der recht ähnlich klingenden Trend-Kapellen hervor zu stechen, muss man vor allem mit technischer Versiertheit glänzen – etwas, das bei dem stark triggerverdächtigen Druming vielleicht zum Scheideweg führen könnte.

Doch an und für sich bietet „The Siege“ ein mit zehn Schuss bestücktes Großkaliber, dessen Feuerkraft für weit mehr reicht als die fast 37 Minuten Gesamtspielzeit. Für eine Debüt-Scheibe lässt das ICHOR-Werk wirklich aufhorchen, vor allem da man technisch einiges an Potential aufblitzen lässt, gleichzeitig aber auch nicht überfordern will. Über eventuell fehlende Eigenständigkeit kann man sich natürlich immer streiten – einig dürfte man sich aber darüber sein, dass die Mischung genau das trifft, was die Szene momentan hören will (was in diesem Fall und Bereich ja wohl nicht ernsthaft als Kommerz angesehen werden kann). Bleibt abzuwarten, inwieweit man noch an seiner Ausrichtung arbeitet, immerhin besteht die Truppe ja auch erst seit April 2008. Kompositionen wie der Titelsong oder auch „Cut off their limbs“ bleiben jedenfalls hängen und dürften auch reichlich Anklang finden. Im Auto vor einer roten Ampel bis zum Anschlag aufgedreht ist man mit dieser Scheibe garantiert bei jedem sich in Hörweite befindlichem Autofahrer, Fußgänger oder Anwohner Gesprächsthema. Und auch wenn das exzessives Kopfschütteln der einzelnen Beteiligten unterschiedliche Gründe und Bedeutungen hat: Der Grund ist in jedem Fall derselbe!

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