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ILLDISPOSED - To Those Who Walk Behind Us

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Artist ILLDISPOSED
Title To Those Who Walk Behind Us
Homepage ILLDISPOSED
Label MASSACRE
Leserbewertung
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8.4/10 (9 Bewertungen)

Nicht nur die Bundesliga ist nun seit kurzem in eine weitere Saison gestartet – auch die Major League des Metals geht in eine neue Runde. Sich im Jahre 2004 mit dem Knaller „1-800 Vindication“ selbst in selbige Klasse gehoben, haben ILLDISPOSED auch mit „Burn me wicked“ (2006) und „The Prestige“ (2008) mehr oder weniger souverän die Klasse gehalten. Doch um wieder so richtig oben anzugreifen, lassen die Dänen nun ihr mittlerweile elftes Album „To those who walk behind us“ auflaufen.

Und was da auf einen zugestürmt kommt, kann man als wahres Allstar-Team aus den letzten 10 Jahren ILLDISPOSEDscher Entwicklung bezeichnen. Die verrückten Dänen richten sich für diese Spielzeit nämlich taktisch einmal mehr anders aus und besinnen sich auf ihre Wurzeln aus den Neunzigern, was sie allerdings mit dem Erfolgsrezept der letzten Werke gekonnt kombinieren. Dabei heraus kommt ein gnadenloser Bastard aus Groove und Melodie, aber auch zertrümmernder Wucht und kontrollierter Härte. Hämmernde Death Metal Drums ringen mit den sägenden Riffs, für die sich in der letzten Zeit der Bandname „Illdisposed“ als eigenes Prädikat schon etabliert hat. Dazu kommt natürlich noch Tieftöner Bo Summer, dessen furchteinflößendes Organ auch diesmal wieder jeden Schiedsrichter vom Platz jagt. Insofern also eigentlich alles wie gehabt – und doch anders.

Denn das, was besonders auf „1-800 Vincication“ noch als perfekt ineinandergreifendes Uhrwerk skandinavisch-modernen Todesbleis für Laola-Wellen sorgte, gestaltet sich nun als sorgfältig aufgebautes und kontrolliertes Stückwerk. Anstatt alles miteinander verschmelzen zu lassen, stellen die verrückten Fünf diesmal lieber die einzelnen Spielzüge deutlicher heraus und lassen sie so viel intensiver wirken. Haben sich Jacob Batten und Franz Hellboss beispielsweise wieder einmal einen unnachgiebigen Ohrwurm-Riff wie „If all the world“ einfallen lassen, wird dieser auch dem Rezipienten direkt dargeboten, ohne dass die elektronischen Elemente davon eventuell ablenken könnten. Überhaupt sind die synthetischen Klänge im Vergleich zu Scheiben wie „Burn me wicked“ deutlich reduziert worden und nehmen so eher die Position als Abräumer ein, als die des Spielmachers. Trotzdem sind die Arrangements für manchen Übersteiger oder Hackentrick immer noch gut und gerne zu haben, das Ein- und Ausfaden gehört nach wie vor zu den Spezialitäten des Quintetts. Auch das eine oder andere Sample findet seinen Platz, wie der aufheulende Motor in „Sale At The Misery Factory“, die Marschgeräusche im Opener „Blood on your parade“ oder das Sprachsample am Anfang in selbiger Komposition.

Doch vor allem lässt der gute Herr Summer natürlich seine Stimme erklingen: wie immer böse, wie immer fies – allerdings diesmal auch manchmal in ungewohntem Rhythmus. Könnte man ihm mangelnde Varianz unter Vorbehalt schon das eine oder andere Mal unterstellen, schimpft er nun bei Stücken wie „Come and get me“ oder „Seeking Truth – Telling Lies“ fast schon Hardcore-like durch die Strophen. Ungewohnt, aber nicht unwillkommen. Gemeinsam mit den bekannten Shouts und dem wieder vermehrt auftauchenden Gekreische ist die Bank da schon gut besetzt. Das Spiel als solches zieht man überwiegend im schleppendem Midtempo auf, woran man sich dann doch erst einmal gewöhnen muss. So wirklich drauf los scheppern wie zu Zeiten des genialen Brechers „Dark“ ist diesmal eher weniger, stattdessen setzt man mehr auf punktuelle Brachialität und schonungslosen Groove wie in dem grandiosen Titelsong oder „Johnny“, das sehr an „Johnny Come Home“ von den FINE YOUNG CANNIBALS angelehnt ist, welches zum Ende des Songs auch noch einmal eingespielt wird – verrückt sind sie halt immer noch, die Jungs. Vielleicht ist man auch deshalb auf die Idee gekommen, mit „Nu Gik Det Lige Sa Godt…“ (zu deutsch etwa „Es hätte alles so schön sein können…“), ein Song komplett auf Dänisch, das Album nach gut 44 Minuten beenden zu lassen; schließlich bewies man ähnliche Absicht schon auf dem Vorgänger „The Prestige“ mit dem deutsch betitelten „Ich bin verloren in Berlin“. Doch lassen wir die Sprache mal Sprache sein – das Ding knallt mächtig rein!

Und damit steht es beileibe nicht alleine da: Die insgesamt elf Kompositionen zeigen die Kombo aus Århus in Höchstform. Aus dem musikalischen Teil der vergangenen zehn Jahre Bandgeschichte erschaffen sich ILLDISPOSED einmal mehr ihren eigenen Stil, der zwar anfänglich schon ein paar Aufwärmrunden drehen muss, dann aber unaufhaltsam in den Gehörgang sprintet und dort für reichlich Freude sorgt. Äußerst abgeklärt geht man bei dem Liedgut vor und schmettert nicht einfach bedingungslos nach vorne, sondern scheint sich genau überlegt zu haben, was man dem Hören genau zu welchem Zeitpunkt vermitteln will, schließlich ist das Album mit dem Titel „To those who walk behind us“ auch all jenen gewidmet, die die Band über all die Jahre treu begleitet haben. Technisch auf ganz hohem Niveau, dafür aber auch ungewohnt midtempo-lastig, zumindest auf das ganze Album gesehen. Da zündet der Fünfer vielleicht für manchen Geschmack ein wenig zu selten voll durch, worunter wohl am meisten Thomas Jensen am Schlagzeug leidet – der packt sein ganzes enormes Können meiner Meinung nach nämlich dann am besten aus, wenn er richtig Gas geben kann. Doch darauf ist das ganze Album nicht ausgelegt – und das ist auch gut so. Denn wenn man erst einmal begriffen hat, wie dieses Spiel zu lesen ist, entpuppt sich das ganze Werk als überaus intelligente Taktik, die mit Hits wie dem stampfenden „To those who walk behind me“, dem kraftvollen „For The Record“ oder dem Groove-Monster „Blood on your parade“ vollends aufgeht. Zu diesem Zweck hat man auch Fredrik Nordström das Teil mixen lassen, der den Klang und die dominanten Passagen sehr schön herausgearbeitet hat. Was dem VFL Wolfsburg sein Magath ist (war), ist den Skandinaviern eben der Nordström. Und was der FC Bayern für die Bundesliga ist, sind ILLDISPOSED eben für die Major League des Metal. „Finest Metal Quality“ – wieder einmal!

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