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IN EXTREMO - Sängerkrieg

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Artist IN EXTREMO
Title Sängerkrieg
Homepage IN EXTREMO
Label VERTIGO
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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8.3/10 (12 Bewertungen)

Zwei Jahre nach dem Best of-Album „Kein Blick zurück“ fechten die sieben Mittelalter-Rocker von IN EXTREMO ihren persönlichen Sängerkrieg aus. Das Ergebnis dieses eher friedlichen Disputes sind 14 neue Songs, die in bekannt bewährter Weise harten Rock mit mittelalterlichen Dudelsäcken und Schalmeien kombinieren, die Metaller, Gothics, Biker und Mittelalter-Freaks in gleichem Maße gefallen dürften. Wobei die (harten) Gitarren anno 2008 klar tonangebend sind. Aufschlussreich ist auch die Liste der Gastkünstler, mit denen IN EXTREMO über die Jahre zusammengearbeitet haben. Sie reicht von THOMAS D. über GÖTZ ALSMANN bis zu TOMMY VICTOR von den Metal-Core-Urvätern PRONG, der zum Song „Sängerkrieg“ kraftvolle Hintergrundgesänge beisteuert. PRONG zählen übrigens genauso zu den IN EX-Einflüssen wie PRIMUS, RUSH, RED HOT CHILI PEPPERS, TOOL, HELMET, BEATLES, TON STEINE SCHERBEN, OUGENWEIDE, LINDENBERG, TURBONEGRO, diverse Reggae-Größen und Klassik-Komponisten.

Doch kommen wir zur aktuellen Langrille: Den Anfang macht „Sieben Köche“, ein Song der mit treibendem Schlagzeug und groovendem Bass daherkommt, wobei die besagten Sackpfeifen natürlich nicht zu kurz kommen. Inhaltlich steht „Sieben Köche“ für das neue Gruppengefühl der Mannschaft, die aus den verschiedenen Ideen der einzelnen Mitglieder ein rundes Ganzen schafft. Der Titelsong ihres neunten Albums steht stellvertretend für die neue Arbeitsweise des Berliner Septetts, das anno 2008 stärker auf Vernetzung und Vielschichtigkeit setzt. Der Text von „Sängerkrieg“ verknüpft Historie und Heute, den geschichtlichen Barden-Wettstreit aus der Zeit Walther von der Vogelweides mit den Unabwägbarkeiten des Musikgeschäfts der Gegenwart. „Neues Glück“ zählt zu den eingängigen Mitsing-Stücken, während „En Esta Noche“ wieder mehr Tempo macht und die Reibeisenstimme von Micha Rhein (aka Das Letzte Einhorn) wirken lässt. „Mein Sehnen“ schaltet anfangs einen Gang zurück, um im Refrain druckvoll aufzuspielen. Mit „Die Flaschenpost“ liefert das Septett einen harten Kracher, dessen Lyrik, so Dudelsack-Experte Dr. Pymonte augenzwinkernd „Sexualität, Lebenslust und Männlichkeit feiert“. Mit „Requiem“ nehmen sich die wilden Vaganten einmal mehr eines Textes des französischen Dichters Francois Villon aus dem 14. Jahrhundert an, aus dessen Feder auch der Originaltext zu „Erdbeermund“ vom 2003er Erfolgsalbum „7“ stammt. Nach diesem Ausflug in den Minnegesang, kehren Das Letzte Einhorn und seine Mannen mit der Vorabsingleauskopplung „Frei zu sein“ in rockigere Gefilde zurück. Lyrics und Melodie erinnern an den Kinderreim „Froh zu sein bedarf es wenig“, musikalisch setzt das Septett allerdings auf fette Gitarrenriffs, treibende Drums und packende Mittelaltersounds. Mit dem estländische „Zauberspruch“, dessen beschwörende Worte gegen Krankheiten helfen sollen, begibt sich der Siebener nochmals auf traditionelles Terrain, dann folgen mit „In diesem Licht“ und „Tanz mit mir“ wieder zwei knackige IN EXTREMO-Eigengewächse. Dass die Herrschaften aber auch gutem Indie-Rock nicht abgeneigt sind, zeigt das EDITORS-Cover „An End Has A Start“, wobei ich es irgendwie verwirrend finde, bei IN EX englische Texte zu hören. Beim gitarrenbetonten „Mein liebster Feind“ siegt dann auch die deutsche Muttersprache, bevor das finale „Auf’s Leben“ eher sanfte Töne anschlägt.

Was 1995 als zwei getrennte Projekte aus einer namenlosen Mittelaltercombo und einer Rockband begann, ist inzwischen zu einer festen Genre-Größe geworden, die auf so ziemlich allen nationalen und internationalen Bühnen zuhause ist. IN EXTREMO haben auf nahezu jedem namhaften Festival überzeugt, von Rock am Ring bis zum Wacken Open Air, von Roskilde bis zu Clubs wie dem verschwitzten Berliner Knaack und dem Whiskey a Go Go in Los Angeles, in dem einst Jim Morrison und die DOORS ihren hypnotischen Rock-Kult zelebrierten. Auch mit „Sängerkrieg“ werden Das Letzte Einhorn, Der Lange (Gitarre), Der Morgenstern (Schlagzeug), Die Lutter (Bass), Dr. Pymonte (Sackpfeife & Harfe), Flex der Biegsame (Sackpfeife & Drehleier) und Yellow Pfeiffer (Sackpfeife & Nyckelharpa) wieder auf Tour sein. Mit den neuen, noch deutlicher rockorientierten Songs haben sie bestes Material dabei, zu dem es bestimmt auch den ein oder anderen Pyro-Effekt geben wird.

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