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IN THE NURSERY - Blind Sound

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Artist IN THE NURSERY
Title Blind Sound
Homepage IN THE NURSERY
Label ITN CORPORATION
Leserbewertung
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8.3/10 (7 Bewertungen)

„Era“, das letzte eigenständige Album von IN THE NURSERY, liegt schon wieder fünf Jahre zurück. Nach dem Stummfilmsoundtrack „The Passion Of Joanne D’Arc“ und der Compilation „Aubade“ haben sich Nigel und Klive Humberstone nun aber wieder ein freies Thema gesucht, das man vielleicht mit dem Zusammenwirken von Optik und Akustik umschreiben könnte. Bei der starken cineastischen Komponente, die der Sound von ITN schließlich schon immer hatte, ist das keine Überraschung, und auch musikalisch bleibt „Blind Sound“ bewährten Mustern verhaftet. Schwere, orchestrale Arrangements, unterfüttert von harten Militärtrommeln und eingefasst von dunklem Gesang. Nicht neu, aber wieder einmal richtig gut.

Wenigen Bands gelingt es, Melancholie und Düsternis so klischeefrei und berührend zu kombinieren. Ineinander verschachtelte Streicher bauen bei der Ouvertüre „Artisans Of Civilisation“ eine klamme Spannung auf, die von den Trommeln weiter gesteigert wird, und dazu erfolgt eine nüchterne, dunkle Bestandsaufnahme: „Receive no help from without, need help from within… recast our foundations by the need to create.“ Schöpferische Kraft, die notfalls auch die eigenen Grundfesten erschüttert, um sich zu verwirklichen, und die nicht auf äußere Hilfe vertraut, sondern sie in sich selbst sucht – damit sind die Grundideen von „Blind Sound“ vorgegeben. Und auch, wenn es sich hier um kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinn handeln mag, ist der innere Zusammenhalt dieser Platte doch ausgesprochen deutlich und die Songs sorgfältig so angeordnet, dass ein perfekter Spannungsbogen aufgebaut wird. Besonders schön gelungen ist der Titelsong, der weniger orchestral ausfällt, sondern atmosphärisch wieder einmal stärker auf den Gothic der frühen Achtziger zurückgreift – ein Hauch von JOY DIVISION weht ja seit den Anfangstagen durch das Werk von ITN, aber hier werden auch Erinnerungen an die frühen SISTERS OF MERCY wach, an deren erste, hypnotische Maxisingles, die mit eigentümlich hohlem Schlagzeug karge Landschaften zu zeichnen verstanden. Wenn die Marschtrommel einmal schweigt, baut sich, wie bei „Trial By Error“, eine sanfte, bittersüße Melancholie auf, ohne dass die Spannung nachlässt, die das ganze Album durchzieht. Die leisen Töne lassen Platz für Cello und Harfe und geben den tiefen Stimmen der Humberstones (und dem helleren, aber ebenso eindringlichen Flüstern von Dolores Marguerite C.) einen anderen Rahmen, lassen aufhorchen, zuhören.

Es ist Musik, die bewegt, mitreißt, emotional angreift. ITN sind nach nun fast schon dreißig Jahren immer noch eine Ausnahmeerscheinung im Bereich düsterer Sounds, und sie haben ihre Ausdruckskraft noch immer nicht verloren. Ein Fest für dunkle Sinne.

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