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IN THIS MOMENT - The Dream

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Artist IN THIS MOMENT
Title The Dream
Homepage IN THIS MOMENT
Label CENTURY MEDIA
Leserbewertung
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8.0/10 (3 Bewertungen)

„Maria im Wunderland oder wie ich den verrückten Hutmacher becircte“ könnte wohl die alternative Tagline des neuen Albums der Ex-Metal-Coreler IN THIS MOMENT sein. Ex-Metal-Core, da auf „The Dream“ (wenn man einmal von dem einzigen Schrei-Track „The Great Divide“ einmal absieht) kaum noch Metal oder Core zu finden ist (was per se natürlich nichts schlechtes heißen muss), „Maria im Wunderland“ da das Grundthema eindeutig an Lewis Carrolls drogengeschwängertes Werk von 1865 angelehnt ist (wurde das Intro doch auch gleich passend mit „The Rabbit Hole“ betitelt. JEFFERSON AIRPLANE freuen sich eine mittelgroße Tüte)…

Nachdem Maria in die Kaninchenhöhle gekrochen ist, wühlt sich die Ex-Scream-Queen mit „Forever“ im Gepäck auf der „anderen Seite“ hervor und liefert damit einen makellosen Power-Rock-Track ab, der auf den alternativen Tanzfluren für tänzelnde Mädchen und wild gestikulierende Jungens sorgen wird. „All for you“ schlägt in die gleiche Kerbe, kommt aber noch melodiöser ums Eck und verfügt (Überraschung!) über ein lupenreines PINK FLOYD Instrumental. So wird der Track zwar ausgebremst und verspielt sein Radio-Potential (was ihn für Musikliebhaber wiederum um einiges interessanter werden lässt), bietet der Sechs-Seiten-Fraktion aber Raum, um zu glänzen. Trotzdem wird der geneigte Fan spätestens jetzt etwas ratlos aus der Wäsche schauen, ob der unverblümten Poppiness. Das folgende „Lost at Sea“ versprüht noch mehr Melancholie in der Strophe ,um im Refrain treibend zu rocken (Note to myself: Der dritte Hit in Folge). „Mechanical Love“ (Double-Bass und Sehnsuchtsmelodie treffen aufeinander), „Her Kiss“ (JANES ADDICTION und MELISSA AUF DER MAUR feiern zusammen eine Party – inklusive orgiastischen Gestöhne – und kauen dabei Bubblegum-Punk), „Into the light“ (lupenreine Pop-Ballade ohne jeglichen Anspruch, mit Synthie-Streichern „veredelt“), bilden den wahrlich nicht schlechten Mittelteil, während „You always believed“ zu den Eingangskrachern gezählt werden darf. „The Great Divide“ fällt wie gesagt völlig aus dem Rahmen und darf überraschenderweise auch zu den schlechtesten Songs des „traumhaften“ Albums gezählt werden, zu eindimensional die Screams, zu kalkuliert der Rhythmus (auch wenn der instrumentale Zwischenteil durchaus gelungen ist). „Violet Skies“ „verstört“ mit QOTSA-artigen Beginn, fällt aber schnell wieder in gemäßigte Bereiche zurück (spätestens jetzt könnte man den leicht überzuckerten Säusel-Refrains ein wenig überdrüssig sein). Aber halt: Mit dem Titel-Song, der gleichzeitig als Rausschmeißer fungiert, zeigen ITM, wohin die Reise zukünftig hingehen könnte und lassen mich, nach diesem Selbstfindungsalbum, positiv in die Zukunft blicken. Atmosphärische Gitarrenarbeit, kleine Soundspielereien und Madame Brinks Vocals lassen einen wirklich träumen und das gesamte Album in einem ganz anderen Licht erscheinen. Wäre dieser Mut konsequent angewendet worden, hätten die alten Fans aber wahrscheinlich noch mehr Zeter und Mordio geschrieen, als sie es wahrscheinlich sowieso schon tun werden.

Nachdem das Debüt „Beautiful Tragedy“ durchaus noch Verwandtschaft zu WALLS OF JERICHO erkennen ließ, sind IN THIS MOMENT auf „The Dream“ nur noch durch Maria Brinks Stimme zu identifizieren: Screams und Breakdowns sind ad acta gelegt, Drums und Bass bleiben blass, Power-Pop und Radio-friendly-Chorusses bestimmen hingegen den Trip zur Grinsekatze und zur Herzkönigin… Da hat der einschlagende Erfolg in Us of A und die damit einhergehende Medienpräsenz wohl einen guten Teil dazu beigetragen Ob man diesen Weg nun gutheißen mag, muss jeder selbst entscheiden… Ein guter Song, bleibt aber ein guter Song. Und davon sind auf „The Dream“ einige zu finden… Ein wenig ratlos bleibe ich dennoch zurück.

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