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INA MÜLLER - Die Schallplatte – nied opleggt

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Artist INA MÜLLER
Title Die Schallplatte – nied opleggt
Homepage INA MÜLLER
Label 105 MUSIC
Leserbewertung
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7.4/10 (11 Bewertungen)

INA MÜLLER ist zweifelsohne das Zugpferd des Norddeutschen Rundfunks, wo sie nicht nur erfolgreich bäuerliche Singles verkuppelt hat, sondern auch mit ihrem Late Night-Talk „Inas Nacht“ diverse Preise abräumte. Zwischendrin präsentiert die 44-jährigeLandwirtstochter immer wieder auf ihre unnachahmlich schnodderige Art norddeutsche Kleinode und ihre Bewohner, wenn sie nicht gerade als Autorin oder Musikerin unterwegs ist. Dabei war die gelernte PTA immer schon der plattdeutschen Sprache sehr verbunden, wovon diverse Bücher, Hörbücher und Platten (sic!) Zeugnis tun. Mit „Die Schallplatte – nied opleggt“ präsentiert die schlanke Hälfte des 2005 aufgelösten Kabarett-Duos QUEEN BEE zwölf neue Songs auf platt, für die größtenteils bekannte Rocksongs neue Arrangements und vor allem neue Texte erhalten haben, aber auch drei eindrucksvolle Eigenkompositionen sind auf dem Silberling vertreten.

Mit dem Opener „De Klock is dree“ haut das sympathische Nordlicht gleich einen grandiosen Schmusesong raus, ehe zur Melodie von „Lemon Tree“ (FOOL’S GARDEN) der groovige „Dörp Reggae“ ausgerufen wird. Nach einer gefühlvollen Liebeserklärung an ihre Mutter klingt „Mama“, bevor INA MÜLLER aus BOB DYLANs „Knockin’ On Heaven’s Door“ ein erstklassiges musikalisches Statement zu lockigem und vollem Männerhaar abgibt, das bei ihr den Titel „Lockiget Hoor“ trägt. Es bleibt auch mit „Nees im Wind“ und „Blots de Nacht“ (nach SEALs „Love’s Devine“) melancholisch-schön. Bei „Buten Kluten“ geht’s zu den Rhythmen von „What’s Up“ (4 NON BLONDES) mit einem Schmunzeln und wippenden Füßen weiter. Das reduziert instrumentierte „Min Jehann“ genießt im Norden Volkslied-Status, ist jedoch ganz weit von bierseliger Schunkellaune entfernt und bringt stattdessen Inas wunderbar-kratzige Stimme ganz hervorragend zur Geltung. R.KELLYs „I Believe I Can Fly“ mutiert zum hawaiianisch angehauchten Feelgood-Song, während „Veel to olt” (STING – „Fields of Gold”) erneut in Slow Motion für eine wohlige Gänsehaut sorgt. Da setzt das autobiografische „De Wind vun Hamburg („I’ve Never Been To Me“ von RANDY RAWFORD) locker noch eins drauf, um schließlich mit „Schnell fallt bald“ nach dem oft kopierten „Autumn Leaves“ einen jazzig-lateinamerikanischen Schlusspunkt zu setzen.

Auf ihrem fünften Musik-Album schlägt INA MÜLLER überwiegend ruhige Töne an, während die Texte vermutlich nicht in allen Gegenden Deutschlands zu verstehen sind, aber die fantastische Atmosphäre der Songs spricht im Grunde schon Bände. Außerdem gibt es auf der Homepage die hochdeutsche Übersetzung neben den mundartlichen Lyrics zum Nachlesen. Ob „Die Schallplatte – nied opleggt“ an die Charterfolge der Vorgänger („Liebe macht taub“ ist im vergangen Jahr bis auf #6 geklettert, „Weiblich, ledig, 40“ schaffte es 2006 bis auf Position 26) anknüpfen kann, bleibt abzuwarten. Mich als Nordlicht hat die sonst so vorlaute Wahl-Hamburgern auch mit ihren durchweg emotionalen Liedern auf ganzer Linie überzeugt.

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