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INCANTATION - Decimate Christendom

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Artist INCANTATION
Title Decimate Christendom
Homepage INCANTATION
Label LISTENABLE
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Sind INCANTATION eine Legende? Dafür, dass sie immer wieder als eine solche bezeichnet werden, kennen eigentlich ziemlich wenige ihren Namen. Immerhin waren sie dabei, als alles anfing. „Onward to Golgotha“ erschien 1992, zeitgleich mit „Legion“, nur ein Jahr nach „Blessed are the sick“. Die Querverweise und Kreuzbestäubungen mit anderen tonangebenden Bands sind zahlreich: Ihr Gitarist spielte eine Weile bei MORTICIAN, Will Rahmer gastierte bei einer EP und in einer schweren Krise gar als Livevokalist. Kyle Severn trommelte bei NILE. KRISIUN bezeichnen die Pioniere offen als Vorbilder, INCANTATION bedankten sich mit gemeinsamen Tourneen. Und „Decimate Christendom“ hat jetzt das Zeug zum persönlichen Meilenstein.

Die letzte Minute von „Horns of Eradication“: Unbeirrbar schlagen die Musiker ein und den selben Akkord an, ein ums andere Mal. Lassen das Feedback fast gänzlich ausklingen und holen erneut aus. Schließlich geht das sich entfernende Dröhnen in einen einminütigen elektronischen Puls namens „Unholy Enpowerment of Righteous Deprivation“ über. Sichere Gewissheit: Hier denkt jemand ganz anders als die Anderen! John McEntee wollte immer schon seinen individuellen Weg gehen, war ein Missionar in eigener Sache. Beim Michigan Death Fest ging er auf Matt Jacobson („the egoistical jackass that made my life hell at Relapse”) los und INCANTATION durften sich ein neues Label suchen. In Interviews betrauert er den Verlust des einzigartigen Gefühls der Aufbruchtage der vorigen Dekade. Und bringt noch stets die selbe Musik unters Volk wie damals. Das Evangelium nach John McEntee: Virtuoser, bis zur Fassungslosigkeit technischer Death Metal mit schwerem Doom-Einschlag. Der Schwerpunkt liegt im Slow-Groove Bereich, die Übergänge sind fließend. Tempowechsel gehören zum Death Metal wie Heinz Tomato Ketchup zum Steak, doch selten gliederten sie die Musik derart einschneidend wie bei dieser Band, werden zum formbildenden Element. Zum Beispiel „Blaspheme the Sacraments“: Ein ohrenbetäubender Einstieg, dann blitzende Gitarren über rasenden Drums. Der Bass bremst in einem gummielastischem Quasi-Solo aus, die Geschwindigkeit geht ganz, ganz tief in den Keller. Nur um am Ende wieder hochzuschnellen. Der Vulkan spuckt und schleudert, die Lava fließt dickflüssig und zäh. McEntee hat den zeitweiligen Ersatz Vincent Crowley am Mikro abgelöst, grunzt ehrfurchterbietend. Und der Unterschied zwischen der Armee austauschbarer Schlagzeugroboter und Kyle Seven ist schlagend: Die Double Bass vermag er genauso stur durchzutreten, doch seine Snare- und Hihatfiguren sind ein gehöriges Maß weniger mechanisch, haben mehr Leben und mehr Finesse. Gleiches gilt für das Album als Ganzes, welches sich in unerwartete Richtungen entwickelt und nur selten (dann aber richtig!) Erwartungen bedient.

Die Distribution ist sowohl für Europa (Listenable), als auch die USA (Olympic) gesichert, ein aufregendes Tourpaket mit BEHEMOTH und KRISIUN steht an: Der geschäftliche Teil ihrer Welt war noch nie so ruhig, der künstlerische noch nie so vielversprechend. Es ist, als hätten INCANTATION gerade ihr drittes Album herausgebracht. Ihren Status als Wegbereiter des Death Metal und einflussreiche Kapelle kann ihnen niemand nehmen. Doch den einer Legende werden sie sich noch hart erarbeiten müssen.

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