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INFERNÄL MÄJESTY - One who points to Death

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Artist INFERNÄL MÄJESTY
Title One who points to Death
Homepage INFERNÄL MÄJESTY
Label BLACK LOTUS RECORDS
Leserbewertung
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INFERNÄL MÄJESTY wissen wie wichtig es ist Freunde zu haben. Ihre Kollegen haben sie schließlich am Leben gehalten. Wenn eine Band in 20 Jahren nur drei reguläre Alben veröffentlicht und die Welt vor dem vierten dennoch gespannt den Atem anhält, funktionieren die Mechanismen des Geschäfts offensichtlich anders. EIDOLON und THANATOS singen gerne das Loblied auf die Urgesteine, KATAKLYSM nahmen sie mit auf Tour und W.A.S.P. entschieden sich nur aus einem Grund gegen das geplante Doppelpaket: Weil die Kanadier einfach zu hart für sie seien!

Was wohl auch stimmt. Es war sicherlich der gleiche Grund, aus dem sie stets zwischen die Stühle fielen, aber auch aus den unterschiedlichsten Lagern Bewunderung ernteten. Mit einem fest im Thrash verankerten Debüt durfte man sie zunächst in die Gefolgschaft von METALLICA oder früher SLAYER einreihen, ehe alle Sicherungen rausflogen. Schon der Albumtitel des aktuellen Werks ist ein starkes Indiz dafür, dass Brüderchen Tod einen festen Platz im Bandgefüge besitzt. Dieser Mix mag heute nicht mehr zur direkten Speerspitze der Avantgarde (im Sinne einer Vorhut) gehören, wenn er so überzeugend dargeboten wird wie hier spielt das wirklich gar keine Rolle. Vor allem – und das ist das Bemerkenswerteste – haben INFERNÄL MÄJESTY vollkommen darauf verzichtet, den Staub der alten Tage aufzuwirbeln. Keine Spur von Nostalgie oder historischem Narzismus: „One who points to death“ rumpelt und rockt wie es das neue Jahrtausend verlangt, ohne sich dabei zu verleugnen. Spritzigkeit, Virtuosität und Aggression sind der Zeitmaschine dabei in jugendlicher Frische entstiegen, während der musikalische Wein zum edlen Tropfen mit einer leicht progressiven Note reifte. Den Beleg für die erste Behauptung erhalten die ungläubigen Thomasse (und Tanjas) in „Angels and Acid“: Diesem sauber tickenden Uhrwerk könnte man stundelang lauschen, wenn man nicht um sein Gehör und die Beziehung zu den Nachbarn fürchtete. Bass und Schlagzeug ätzen wie Salzsäure, die Gitarren sägen brennend und beißend und Chris Bailey droht derweil wie der Scharfrichter des letzten Gerichts: „Make your last wish!“. Die zweite These wird mit „Hysterion Proteron“ zur Gewissheit: Bevor die Vocals einsetzen, könnte es sich hierbei gut und gerne auch um DREAM THEATER handeln. Angst um eine langweilige Platte hatte wohl keiner der Beteiligten, aber das Bemühen um Abwechslung und Andersartigkeit ist unverkennbar: Die schön blecherne Snare im Intro von „Honey Tongue of Satan“, das verspielte Solo in „Virgin Blood tastes purest at Night“ sowie das gelegentliche Agieren in niedrigeren Geschwindigkeitsregionen drücken dem Album eine ganz eigene Duftmarke auf: Schwefel und Pech, gepaart mit Zimt, Schmieröl und Pergament.

Freunde haben INFERNÄL MÄJESTY selbstredend auch unter den Journalisten. Denn diejenigen, die nun die Seiten der Gazetten füllen, standen damals mit schwarzem Shirt matteschwingend im Nachtlokal, warteten mit schwitzenden Händen auf ein Lebenszeichen ihrer Helden. Vor allem aber haben sie Freunde unter vielen tausend Anhängern harter Musik. Deren gnadenlose Geduld und zu Tränen rührende Treue wird nun mit einem Comeback-Album belohnt, das einen locker durch die nächsten paar Jahre tragen wird.

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