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INNERES GEBIRGE - Schlafender König

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Artist INNERES GEBIRGE
Title Schlafender König
Homepage INNERES GEBIRGE
Label EDITION ROTER DRACHE/ DEGGIAL RECORDS
Leserbewertung
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5.4/10 (68 Bewertungen)

2012 scheint ein gutes Neofolk-Jahr zu werden. SOLBLOT etwa haben bereits vorgemacht, was es braucht, heutzutage noch ein überzeugendes Werk abzuliefern. Am Horizont werfen außerdem Acts wie OSTARA und DARKWOOD bereits ihre Schatten voraus und lassen Größeres erahnen. Quasi aus dem Hinterhalt kommt da die deutsche Formation INNERES GEBIRGE empor, die mit ihrem Debütalbum „Schlafender König“ für eine positive Überraschung in diesem zeitweise doch eher spannungsarmen Genre sorgt. Strippenzieher ist hier in erster Linie ein gewisser Sepp Funkel, der sich neben seiner Sangesleistung und einigen Instrumenten vor allem als Hauptkomponist und -texter hervortut. Eingeweihte werden ihm bereits auf AELDABORNs „Fountain Of Darkened Fire“ begegnet sein, zu denen INNERES GEBIRGE eine starke Bande pflegen. Denn abgesehen von einem gemeinsamen Probe- und Aufnahmeraum wirkt nun im Gegenzug auch Thomas Lueckewerth bei seinen Kollegen mit und hat vorliegend nicht nur Teile des Schlagwerks und Gesangs beigesteuert, sondern auch zwei Liedtexte sowie die Aufnahmeleitung übernommen.

Musikalisch hat man sich einer romantisch geprägten, recht traditionellen (Neo)Folk-Variante verschrieben, die aber durchaus einen Schuss Dramatik als auch eine latent melancholische Note aufweist. Das obligatorische Grundfundament aus Gitarre und Schlagwerk wird durch reichhaltige Instrumentierung ergänzt: Geige oder Flöte betätigen sich leitmotivisch, ebenso verfeinern gelegentlich Akkordeon und sanfte Harfenklänge das Soundgeflecht, wobei die einzelnen Songs jedoch eher dezent und nicht überfrachtet arrangiert worden sind. Tonangebend sind in jedem Fall die emotional-melodischen Vocals, die von Sepp mit heller und klarer Stimme prägnant vorgetragen werden. Für die Lyrik bedient er sich dabei auch einiger Fremdadaptionen von Dichtern wie Emanuel Geibel oder Uwe Lammla. Gerade in der ersten Albumhälfte wird sprachlich zudem ins Englische (William Blakes „The Tyger“) und mit einem mittelhochdeutschen Text Walthers von der Vogelweide variiert – und siehe da, auch das funktioniert wunderbar.

Diese griffige Melange sorgt für einen audiblen Genuss mit einer Vielzahl an stimmungsvollen Höhepunkten, die sich wirkungsvoll und nachhaltig entfalten. Gerade in der ersten Albumhälfte halten die Stücke ein nahezu gleichhohes Niveau, daher sei beispielhaft hieraus nur „Kretische Worte“ genannt, das, genauso wie viele andere Lieder, mit ausgeprägter Leidenschaft dargeboten wird. Perkussion kommt vorrangig punktuell bzw. gezielt zum Einsatz, in manchen Passagen brummt überdies auch ein E-Bass etwas kräftiger. Aus dem zweiten Durchgang sticht dann neben dem wehmütig-fragil inszenierten „Ludwig im Schnee“ besonders das eindringliche „Diefenbach“ hervor und trägt mit dazu bei, dass die insgesamt 16 Tracks respektive ca. 75 Minuten zu einem kurzweiligen und für ein Debüt wirklich außerordentlich gelungenen Vergnügen geraten.

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