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ISENBURG - Erzgebirge

VN:F [1.9.22_1171]
Artist ISENBURG
Title Erzgebirge
Homepage ISENBURG
Label BLACK ATTAKK
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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Wenn Dr. König recht hat, dann gibt es ISENBURG gar nicht. Als Professor für Informatik an der Uni Frankfurt hatte dieser vor fünf Jahren die damals gewagte These aufgestellt, dass wer ohne Internetauftritt auskomme, nicht existiere. Heute scheint das bereits zu einer Banalität geworden. Und so muss man sich, mangels einer funktionsfähigen Band-URL, die Geschichte und Entstehungshistorie hinter dieser Scheibe weitestgehend selbst zusammenreimen, was der von Fernsehdauerberieselung und stumpfem Arbeitsalltag arg gebeutelten Fantasie zu gute kommt und „Erzgebirge“ mit einer leicht mysteriösen Aura umgibt.

Das Geheimnisvolle, Unausgesprochene ist hier im übrigen ohnehin eines von zwei zentralen Themen. Verbundenheit mit Natur und Tradition das andere. Man fühlt sich sofort ein wenig unangenehm berührt bei solchen Hymnen auf die Heimat, auf Wald und Wiese, die Sippen und Sitten, doch hat bereits Hesse (dem man nur wirklich als Letztem Sympathien für die radikale Recht vorwerfen dürfte) seinen „Knulp“ auf die Reise durch Deutschlands spirituelle Ader geschickt: Auch wenn Heino, Herzbuben und Co. uns den Spaß an der landschaftlichen Schönheit gründlich verdorben haben – der Berg ruft tatsächlich. Und er ruft mit heiserer, blutspuckender Stimme. Als Pagan Metal haben viele Kritiker diese Scheibe im ersten Anlauf bezeichnet, doch wo sind die Flöten, die Vikingergesänge, die Pauken und Hörner? Dass man eine andere als die reine Black-Gesinnung vermutet, liegt höchstens daran, dass ISENBURG auch Wert darauf legen, dass man am Ende der Fahrt nicht nur erschlagen zwischen Tannenzapfen und Tautropfen liegt, sondern vielleicht auch noch eine Melodie mitpfeifen, ein Riff gedanklich mitschrubben kann. „Erzgebirge“ ist knallhart, wütend und unerschrocken, aber zugleich verdammt eingängig und musikalisch. Die Band kann ja, wenn sie will, genauso die Werte klassischen Black Metals bedienen, drischt zum Beispiel in „Wave of Weakness“ ordentlich in Felle und Saiten. Doch stets bleibt das Bedürfnis, sich dem Neuen zu öffnen (der Doom-Trip „The Return“), die Pforten des Bewusstseins zu durchstoßen (die Derwisch-Meditation „Pandemoniac“), Progressives zuzulassen und die schönste Seite der Folklore neben die hässlichste, aber auch überwältigendste des Metal zu stellen (das beinahe zehnminütige, in Collagentechnik erstellte Titelstück). Keyboards sind Teil des Gepäcks, doch liegt ihre Aufgabe weniger im Zukleistern, als im Andicken des Klangspektrums. Und gerade im Tastenspiel wird erkennbar, dass sich hier jemand nicht einfach mit dem Abgreifen von Klötzchen aus dem Baukasten zufrieden gibt, sondern ein echtes Gespür für die Wirkung besitzt, die sich aus dem Kontrast zwischen sphärischen Flächen und roher Gewalt ergibt.

Nach soviel Geheimniskrämerei darf man wohl auch verraten, wer sich hinter diesem Projekt verbirgt: Stefan, Sänger von ANDRAS und PERSECUTION. Obwohl alleine im Studio erstellt klingt das Album dennoch nie mechanisch oder eigenbrötlerisch. Ähnlich wie die Italiener ELIGOR liegt die Stärke weniger im perfekten Abklopfen des bereits Bekannten, sondern im beharrlichen Wandern des individuellen Weges. „Erzgebirge“ koppelt sich von der Szene komplett ab und nimmt einen auf eine ganz eigene Reise.

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