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JAANI PEUHU - Tear Catcher

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Artist JAANI PEUHU
Title Tear Catcher
Homepage JAANI PEUHU
Label PLAYGROUND MUSIC SCANDINAVIA
Leserbewertung
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9.0/10 (2 Bewertungen)

„Tear Catcher“ ist das erste offizielle Soloalbum des Sängers und Komponisten JAANI PEUHU, der seine Ideen und Soundkonzepte bisher im Rahmen des Bandprojekts ICONCRASH verwirklicht hat. Der düsteren Elektronik seiner früheren Band ist er dabei treu geblieben, passend zu den Texten, die von den dunklen Stunden des Lebens erzählen, von Einsamkeit und Isolation, von der Bitte, nichts mehr fühlen zu müssen und von der Sehnsucht nach tiefer Verbundenheit.

Dementsprechend ist „Tear Catcher“ getaucht in warme Melancholie, unterfüttert von überwiegend wuchtigen Drums und fest umschlossen von dicken Soundwällen – die perfekte musikalische Verstärkung der tiefen Gefühle und der Eingeschlossenheit in sich selbst, die sich in den Texten offenbart. PEUHU ist ein Getriebener, der einerseits den Ausweg aus der inneren Düsternis sucht, andererseits die Lust am eigenen Leid mit wunderbarer Melodramatik zu inszenieren weiß. Der Albumtitel ist daher perfekt gewählt: Als „Tear Catcher“ bezeichnet man die kleinen Fläschchen zum Auffangen von Tränen, die bei den Römern und Persern, aber auch im viktorianischen Zeitalter noch sehr beliebt waren, um die sichtbaren Spuren seelischer Qualen zu zelebrieren und konservieren.

Allerdings steckt in den meisten Songs, so dunkel sie auch sein mögen, ein Hoffnungsschimmer, die Aussicht auf Erlösung, wiederum perfekt musikalisch umgesetzt in den mitreißenden Refrains. PEUHU ist ein ausgezeichneter Songschreiber, der ein gutes Gespür für die Balance zwischen Schmerz und Schönheit besitzt: Beinahe fühlt man sich beim Falsett-Refrain der ergreifenden Balladen „Unspoken Loss“ oder „Did You Ever“ an die großen Achtziger-Herzschmerz-Songs erinnert, deren Süße hier allerdings gelungen neutralisiert wird, wenn die kuschelweichen Synthesizerbögen auf kantige Industrial-Anleihen wie in „Mercy Kiss“ treffen oder von der dunklen Wucht in die Tiefe gerissen werden, die Titel wie der Abschlusstrack „Desire“ verströmen.

Am besten ist PEUHU allerdings immer dann, wenn Strophen und Refrains gleichermaßen hart, melodiös, dicht und eckig arrangiert sind, wie beim packenden Titelsong oder den beiden Highlights „Follow Me“ und „No Regrets“, die trotz der poppigen Zugänglichkeit mit anspruchsvollen Melodien punkten. Und so ist „Tear Catcher“ ein idealer Begleiter für die dunklen Stunden, in denen man sich wundgerieben an der Welt im eigenen Zimmer verbarrikadieren möchte, ohne den Blick für mögliche Auswege zu verlieren.

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