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JÄGERBLUT - Tannöd

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Artist JÄGERBLUT
Title Tannöd
Homepage JÄGERBLUT
Label UMB
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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5.3/10 (4 Bewertungen)

Die Oberpfälzer Formation JÄGERBLUT konnte bereits mit ihrem Debüt „1896-1906“ einiges an Land gewinnen und sich mit ihrer neuen Art der Volksmusik etablieren. Das ganze hat jedoch herzlich wenig mit schunkelnden Fettärschen aus dem Musikantenstadel zu tun, sondern viel mehr mit dem, was man heute in Denglisch „Bayrische Traditionals“ nennen würde. Gleichzeitig ist die Komposition keinesfalls an vorgefertigte Schemata und die Reproduktion tradierter Texte oder Melodien gebunden. Elemente von der soundorientierten Herangehensweise des Post-Industrial und ein ungewöhnlichen Liedaufbau, sowie der Einsatz von Samples, Synthesizern etc. ließen schnell erahnen, was das Booklet schließlich preisgab: Hinter JÄGERBLUT verstecken sich die Musiker Genevieve Pasquier, Anton Knilpert (THOROFON, THE MUSICK WRECKERS, KOMMANDO), Giuseppe Tonal (TONAL Y NAGUAL, THE MUSICK WRECKERS) und Tikki Nagual (TONAL Y NAGUAL). Stammtischmuff und CSU-Wimpel, goodbye.

Nun melden sich JÄGERBLUT mit „Tannöd“ zurück, einem Soundtrack zur einzigen autorisierten Bühnenfassung des erfolgreichen, gleichnamigen Buches von Andrea Maria Schenkel. Ihr Kriminalroman basiert auf einem Mordfall im oberbayrischen Hinterkaifeck aus dem Jahr 1922, die Handlung wurde von der Autorin jedoch in die 1950er verlegt. Die Tragödie um den Mord an sechs Menschen auf einem Hinterhof wird hier psychologisch aufgearbeitet, man bekommt einen Einblick in die wertkonservativen, bayrisch-traditionell geprägten Sozialstrukturen der damaligen Zeit.

„Houst das g’heart? Houst das g’seng? Drüm in Tannöd, dau is wos g’scheng.“ Was mit dem verhallten Getratsche hinter vorgehaltener Hand seinen atmosphärischen Anfang nimmt, übergibt sich zusammen mit in Schieflage befindlichen Fiedeln in einen sehr schönen „Titelsong“, der mit weiblichem (Pasquier) und männlichem Gesang (Nagual) auf das zu Geschehende einstimmt. Danach beginnt der eigentliche Soundtrack. Trotz immer wieder vordergründig mit Akkordeon und Gitarre vermittelter Idylle brodelt es im Hintergrund, Brutalität zeichnet sich in Rhythmus Sequenzen ab. Die Musik wird zu einem weiteren Teil des Bühnenbildes und man kann sich das Setting auch ohne gesprochenen Text lebhaft vorstellen. Zwischen fiesen, Angsteinflößenden Post-Industrial-Nummern und atmosphärischen Gitarren-Intermezzi ist alles dabei. Die Sound-Vielfalt ist extrem hoch, so bleibt „Tannöd“ auch ganz ohne Theaterstück spannend und vermittelt unterschiedlichste Stimmungsmuster und Eindrücke. Egal ob emotional oder räumlich.

Ohne eigene Namen gehen die Stücke im Geflecht des Soundtracks auf, der ähnlich endet wie er angefangen hat. Dieses Mal jedoch fast ohne lieblichen Frauengesang, dafür von einem brutal klingenden Herren (auch Tikki Nagual) gesungen. Hat auch dieses Lied aufgehört, fühlt man sich wie beim Abspann eines guten Films. Man will ihn noch einmal ansehen. Eine zu recht überall gelobte Veröffentlichung, die es in sich hat.

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