| Artist | JAN PLEWKA |
| Title | Eine Art Soloalbum |
| Homepage | JAN PLEWKA |
| Label | CLOUDS HILL |
| Leserbewertung |
JAN PLEWKA kennt man natürlich als Sänger der Hamburger Band SELIG, die Mitte der Neunziger erfolgreich war und sich nach zehn Jahren Pause 2008 nicht minder erfolgreich wiedervereinigte. Daneben war der bald 55-jährige auch als Schauspieler tätig und immer wieder mit seinem Programm „Jan Plewka singt Rio Reiser“ auf Tour. „Eine Art Soloalbum“ markiert jetzt einen wichtigen Schritt in seiner künstlerischen Weiterentwicklung, denn das Album verbindet Musik, Sprache und bildende Kunst. Letzteres spiegelt die limitierte PlewCard-Art-Edition wider. Neben Doppel-LP und CD wird es den Longplayer nämlich physisch auch als individuell handgemaltes Raw-Art-Kunstwerk in Form einer aufwendig gestalteten Klappkarte, einer sogenannten PlewCard, die Songtextzeilen des Albums zeigt, sowie einer CD im schlichten Pappschuber geben. Das einzigartige Sammlerstück wird nicht im regulären Handel zu haben sein, kann aber auf der Label-Homepage vorbestellt werden.
Musikalisch erzählt JAN PLEWKA auf „Eine Art Soloalbum“ vom Kreislauf des Lebens im Rausch der Jahreszeiten, von Liebe, Sehnsucht, Schmerz und Abschied. Allein durch Jans prägnante Stimme wird der rhythmusbetonte Opener „Rauch steigt auf“ unverkennbar zum JAN-PLEWKA-Song, doch unterscheiden sich die zwölf Nummern zum Teil sehr deutlich von den SELIG-Stücken. Was möglicherweise auch an den Gästen liegen könnte, die man bei den Grunge-Veteranen eher nicht erwarten würde. Ganz vorn MARIANNE ROSENBERG, die beim chansonesken „Nur wenn du bleibst“ mit von der Partie ist. Ein wenig erinnert mich dieser Track an ELEMENT OF CRIME, was auch an der zauberhaften Gitarrenarbeit liegen könnte. MIEZE KATZ von MIA. ist beim melancholisch-reduzierten „Hundertprozentig“ am Start, während das sachte groovende „Die schlaksige Win Din“ von LINA MALY stimmlich unterstützt wird. Jans schwedische Frau Anna begleitet ihren Mann beim opulent instrumentierten „Luxus“ in ihrer Muttersprache, bevor „Wer stirbt am schönsten“ mit munteren Melodien übernimmt. So viel Beschwingtheit ist eher die Seltenheit, doch auch die Auskopplung „Ein neuer Tag“ bringt einen gewissen Schwung mit und könnte auch Teil der SELIG-Diskografie sein. Ein Titel wie „Herbstbeginn“ impliziert im Grunde bereits einen Hang zur Schwermut und so kommt der Song dann auch mit viel Tiefgang rüber. Auch in der sanften Vorabsingle „Bald sind wir zu Haus“ steckt jede Menge Gefühl, was in gleichem Maße für „Was mir bleibt“ gilt. „Der Wind“ kommt als zarte Brise daher, ehe der finale „Tornado“ weit weniger rasant aus den Boxen fegt als man dies von so einem Luftwirbel erwarten könnte. Vielmehr handelt es sich um eine reduzierte Klaviernummer, die für einen nachdenklichen Abschluss mit einem fulminanten Ende sorgt.
Es sind sinnlich-verzaubernde Lieder, tief verankert im ganz eigenen Plewka-Sound, die es auf „Eine Art Soloalbum“ zu hören gibt. Die Musik steckt voller Intensität und JAN PLEWKA beweist, dass ein enormes Energielevel nicht unbedingt mit lauten Gitarren und viel Tempo einhergehen muss. Im April 2026 kann man sich davon auch live überzeugen.

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