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JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE - Hardcore aus der ersten Welt

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Artist JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE
Title Hardcore aus der ersten Welt
Homepage JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE
Label BASTARDIZED RECORDINGS
Leserbewertung
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8.3/10 (3 Bewertungen)

Es ist komisch, dass JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE es noch nicht in die „Süddeutsche“ und die „Zeit“ geschafft haben. Mit ihrem slogangerechten Sozialhumor, ihrem eklektischen Stil und dem Einsatz der deutschen Sprache, wo man sie zuletzt erwartete, böte dieser aus einem Kern-Duo hervorgegangene Sechser doch ideales Futter für Feuilletons und Sonntagsbeilagen. Alles ist witzig, aber auch gegen sich selbst gerichtet und aus bewusst gewählter Hässlichkeit entsteht bekanntlich gerne mal Kunst. Bis dahin darf sich jeder seinen Teil dazu denken, Musikredakteure von WebZines die Band als ihre neuen Lieblinge in den Himmel loben und sogar die englischsprachige Presse applaudieren.

Nur eins sollte man niemals glauben: Dass dies nur Spaß sei. Denn obwohl Klaus Nicodem und Christoph Kather in Interviews immer ganz locker rüberkommen, nehmen sie ihr Baby sehr, sehr ernst. Nicht umsonst sprechen sie gerne mit (berechtigtem) Stolz davon, einen ganz eigenen Stil entwickelt zu haben, basteln auf ihrer Homepage eine wahre Fundgrube mit einem brunnentiefen Archiv und haben die „Nur für Freunde“-Mentalität der frühen Jahre gegen ein professionell gestaltetes Produkt eingetauscht. Recht so, denn die Entwicklung ihres überdurchschnittlichen Talents sollte nicht durch Szenedenken gebremst oder an einen flüchtigen Kultstatus gefesselt werden. Trotzdem scheint dieses Album in gewissem Sinne zu rigide an die eigenen Erwartungshaltungen gebunden zu sein. Man kommt nicht umhin zu vermuten, dass sie zwar heutzutage in einem richtigen Studio stehen, dabei aber immer noch so klingen wollen, wie damals, als man auf verrauschten Tapes aufnahm. Diesen Spagat hätte auch PRINCE nicht hinbekommen. Dabei ist „Hardcore aus der ersten Welt“ alles andere als ein mediokres oder gar austauschbares Werk geworden und gibt es eine Stange fieser kleiner Brecher zu bestaunen. „Koscher“ ist mit seinem spendablen Groove, vielen eingeworfenen klaren Gitarren und krachenden Shouts ein Höhepunkt im letzten Drittel und bei „Du warst mein Ritalin“ verhindert nur die Totalverweigerungshaltung im mit Plattenknistern, Cellofragmenten und Klaviergeklimper gefüllten Mittelteil einen waschechten Hit – gerade in dem Moment, wo man sie schon auf der Titelseite des „Hammers“ sah. Durch das insgesamt recht gemäßigte Grundtempo und die unentwegten Breaks erhält die Musik außerdem wahrhaftig eine progressive Note und den Mut zu den schier endlosen Löchern zwischen den Riffs von „es lernt sich von selbst“ muss man auch erst mal aufbringen. Doch die Aufbruchsstimmung des Beginns ist schnell verflogen und die Scheibe pendelt sich lediglich im oberen Mittelfeld ein, nicht mehr und nicht weniger.

Ein ordentliches, ja sogar ein gutes Grind-Death Album ist „Hardcore aus der ersten Welt“ geworden. Aber gleichzeitig nichts, was für die Band den entscheidenden Schritt vorwärts bedeuten könnte – dies ist ein Akt der Stabilisierung, statt eines Schreis nach Revolution. Etwas Gutes hat das aber dennoch: Man wird vorerst einer hanebüchenen Berichterstattung in der „Süddeutschen“ und der „Zeit“ entgehen können.

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