Band Filter

JASMIN WAGNER - Die Versuchung

VN:F [1.9.22_1171]
Artist JASMIN WAGNER
Title Die Versuchung
Homepage JASMIN WAGNER
Label UNIVERSAL
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.6/10 (5 Bewertungen)

„Ich bin wieder hier (bei dir)“ sang einst das BLÜMCHEN, und wer hätte gedacht, dass irgendwann mal das ernsthafte Feuilleton darauf anspringen würde? 8 von 10 Punkten bei Spiegel Online, unübliche Verdächtige feiern JASMIN WAGNERs Solo-Debüt ab. Der Terrorverlag wusste es ja schon immer: In der unschuldigen Kindfrau steckt Potenzial, auch als BLÜMCHEN schon konnte sie unsere Herzen mit treibendem Trash-Trance erweichen. Unvergessen der Live-Auftritt in Osnabrück vor einigen Jahren, als der Chefredakteur im CANNIBAL CORPSE-Shirt an der Kasse für einen geistig Verwirrten gehalten wurde, während ein heutiger Kollege beim Bühnenaufbau mithalf. Viele Sonnenwenden sind seitdem vergangen, Menschen haben sich verändert, sind gereift, „erwachsen geworden“, wie es so schön heißt. Dass in Jasmin eine echte Rockerin steckt, ist seit ihren verbrieften Besuchen bei Metal Konzerten und der Teilnahme am TURBONEGRO-Tribute Album (neben HIM und SATYRICON!) bekannt. Dass sie solo auch als sinnlich-leichte Geschichtenerzählerin taugt, beweist sie nun. Dabei zeigt sich schnell, wie sehr die Dame von ihren jeweiligen Songwritern abhängig ist. Nach Frank & Rale Oberpichler (das NDW-Duo PASO DOBLE) nun also Bernd Begemann (aus Bad Salzuflen) und Michel van Dyke, dazu Elke Brauweiler (PAULA) im Chor. Alles verbriefte Könner und Indie Lieblinge. Doch wie funktionieren Begemann-Texte aus dem Munde von Frau Wagner?

„Entschuldigen Sie, ich bin nicht mehr die, die ich damals war…“ klingt wie eine späte Abrechnung mit den musikalischen Jugendjahren, die erste Single „Männer brauchen Liebe“ verbindet kongenial weibliche Ironie mit männlicher Sehnsucht. Musikalisch noch nicht mal einer der besseren Songs auf diesem luftig-leichten Sommeralbum. Passend zum Cover 60ies Charme in Verbindung mit Hamburger Schule und zärtlicher Koketterie. Streicher, Bläser, dezente Gitarren, warme Arrangements. Mal ganz zart zwischen TONI KATER und ANNETT LOUSIAN („Ein zerbrechlicher Moment“, „Ein neues Gefühl“), mal etwas mehr Uptempo für die Fahrt mit offenen Fenstern (das wunderbare „Morgen, wenn ich weg bin“). Die Worte sind klar und schnörkellos, dennoch nie billig, das ist eben züchtiger ostwestfälischer Charme. JASMINs Stimme passt perfekt, zwar ist sie nicht die größte Sängerin vor dem Plattenteller, doch bringt sie Versuchung und Unschuld in den richtigen Kontext. Und sie war eben so klug, sich die richtigen Mitstreiter auszusuchen, in Zeiten, wo andere mit lauen 70ies Interpretationen comebacken wollen. Doch wird es überhaupt DAS Comeback? Ist das hier nicht schon zu gut für das Radio? Gefangen zwischen der alten Klientel und der neuen, Nase rümpfenden Zielgruppe? Egal, JASMIN WAGNER hat ein beeindruckendes Statement abgeliefert, das ihr niemand mehr nehmen wird. Jetzt warte ich noch auf ein krachiges Rockalbum mit Bela B….

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu JASMIN WAGNER