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JASON ALDEAN - Highway Desperado

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Artist JASON ALDEAN
Title Highway Desperado
Homepage JASON ALDEAN
Label BROKEN BOW RECORDS
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In den USA ticken die Uhren anders, das ist hinlänglich bekannt. Irgendwie ist in dem Land alles größer, ja gigantisch. Das fängt bei den Chipstüten an, setzt sich in schwindelerregend hohen Wolkenkratzern und endlosen Highways fort und endet in der erbitterten Kontroverse zwischen Waffenbefürwortern und -gegnern. Was das alles mit einer neuen Platte von JASON ALDEAN zu tun hat? Nun, der 46-jährige macht in den USA ziemlich erfolgreich Countrymusik, ein Genre, das zumindest hierzulande gern mit konservativen Südstaatlern mit Stars’n’Stripes-Flagge im Vorgarten, einem Pick-up in der geräumigen Einfahrt und einem gut bestückten Waffenschrank in Verbindung gebracht wird. Ausgerechnet Aldeans erfolgreichste Single „Try That In a Small Town“ bringt den Mann jetzt in Erklärungsnöte. Möglicherweise ist der Song aber auch gerade aufgrund seiner unterschiedlich interpretierbaren Lyrics nicht nur an die Spitze der Country-Charts, sondern auch Platz eins der Billboard 100 geklettert.

Worum geht’s in der durchaus emotionalen Countryrock-Nummer „Try That In a Small Town“? Laut JASON ALDEAN um das Gemeinschaftsgefühl in kleinen Städten, in den Nachbarn auf einander achten und Gewalt gegen Schwächere unabhängig von Herkunft und Glauben nicht geduldet wird. Dass das Video zu dem Track allerdings ausgerechnet vor dem Maury County Courthouse in Columbia, Tennessee, gedreht wurde, zeugt mindestens von zu wenig Fingerspitzengefühl, denn dort kam es am 13. November 1927 zu einem Lynchmord. Dem 18-jährige Henry Choate, einer Person of Color, wurde vorgeworfen, ein 16-jähriges weißes Mädchen belästigt zu haben. Ein Mob aus 250 Männern entführte ihn aus seiner Gefängniszelle und brachte ihn schließlich um. Schlecht versteckter Rassismus oder einfach überhaupt nicht nachgedacht? Die Diskussion um dieses Lied macht das Hören dieses Stückes, aber auch des ganzen Albums tatsächlich etwas schwierig.

Gegen die Musik lässt sich nämlich nichts sagen, die ist handwerklich ohne Fehl und Tadel. Erstklassiger moderner Countryrock, nur wie steht es denn jetzt tatsächlich mit der Gesinnung von JASON ALDEAN? Immerhin wurden am 01. Oktober 2017, während Jason auf dem Route 91 Harvest Festival in Las Vegas auftrat, aus einem Hotelfenster heraus 60 Menschen im Publikum hinterhältig erschossen. Müsste jemand, der so etwas Furchtbares erlebt hat, nicht dafür plädieren, den privaten Waffenbesitz strikt einzuschränken? Stattdessen singt er von der Waffe, die er von seinem Opa bekommen hat und deutet an, dass er sie auch im Verteidigungsfall benutzen wird. Auch für einen Lynchmord? Oder ist das alles ein cleverer, aber extrem geschmackloser Marketing-Schachzug? Schwer zu beantworten, aber die Verantwortlichen hätten in meinen Augen gut daran getan, den Kon- und Subtext und insbesondere die historische Bedeutung des Drehortes stärker zu beachten. Ansonsten bleiben nämlich tatsächlich nur die beiden Möglichkeiten: gewollte Negativ-PR oder eine republikanische Hymne auf die scheinbare Kleinstadtidylle, die deutlich übers Ziel hinausgeschossen ist.

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