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JESUS AND THE GURUS - Wut + Zorn = Revolution

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Artist JESUS AND THE GURUS
Title Wut + Zorn = Revolution
Homepage JESUS AND THE GURUS
Label BLACK RAIN
Leserbewertung
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7.6/10 (12 Bewertungen)

Das Schweizer Jesuiten-Kommando hat mittlerweile auch schon einige Szene-Jährchen auf dem Buckel, wird aber nicht müde, sämtlichen Autoritäten den musikalischen Mittelfinger zu zeigen. Die Eidgenossen machen bereits mit dem Artwork ihres neuesten Flakgeschützes klar, dass man weiter voll auf der Provokationsschiene fährt, dieses Mal übrigens biologisch abbaubar, denn die Verpackung wurde ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Feine Sache das, was sich durchaus auch über das Song-Material sagen lässt. Die Eidgenossen praktizieren eine Art trashige Variante von Vorbildern wie RAMMSTEIN, LAIBACH oder auch MINISTRY, das Ganze immer mit einem Augenzwinkern serviert und voller kleiner Tritte in den Unterleib von Politik, Religion und Spießertum.

Da wird das „R“ gerollt wie in den „besten“ Zeiten, die abgehackten E-Gitarren Riffs holzen stumpf durchs Gebälk und garniert wird das Oeuvre von Electronica und ein paar ungewöhnlichen Sound-Zitaten. So weist der Opener „Sag mir wo du stehst“ einige Mittelalterklänge auf, kann aber noch nicht vollends mitreißen. Das folgende, sehr RAMMSTEINige „Golgahta“ zeigt dann eher auf, wo der Gekreuzigte den Most holt. Kopfnicken und Bangen sehr wohl erlaubt – „Always look on the bright side of life“ im perfiden GURU-Stil. Auch im weiteren Verlauf der Tracklist wird deutlich: Son ov David und Co. werden sich niemals anpassen, „In Sünde geboren“ und glücklich dabei. Wider die Kriegstreiber, die religiöse Doppelmoral, raffgierige Politiker und verdummende Fernseh-Shows. Wobei die Kritik an Casting-Sendungen mittlerweile ein wenig arg ausgelutscht ist und die Verwendung von Fäkalworten nicht zwingend die Wirkung erhöht. Nach dem sinnlosen „Verdun“ folgt mit der „Herrenrasse“ der gleichermaßen treibendste wie diskutabelste Track. Der Refrain wird einem im Maschinengewehr-Stakkato ins Gehirn getrieben. Dennoch ist hier auch feinsinniges Lesen zwischen den Zeilen angesagt. Nett auch noch die bei MINISTRYs „Psalm 69“ abgekupferten (oder gesampelten) Gitarrenparts von „Der Rausch“, bevor das Trio auch schon auf die revolutionäre Zielgerade einbiegt.

Trotz aller vordergründigen Großspurigkeit und mancher Plattheiten geht das neueste „Jesus“-Werk nach ein paar Durchgängen doch erstaunlich gut ins Gebein. Ironie und Zynismus in diesem Ausmaße können auch nicht verkehrt sein in einer Welt, in der katholische Würdenträger in immer mehr Skandale verwickelt sind. Von den Erfolgen der Schweizerischen „Volks“partei mal ganz abgesehen. Hintergründiger Edeltrash at its best mit Abmosh-Garantie und ohne jedwede Gefälligkeit im Gestus.

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