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JIM JAMES - Regions Of Light And Sound Of God

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Artist JIM JAMES
Title Regions Of Light And Sound Of God
Homepage JIM JAMES
Label COOPERATIVE
Leserbewertung
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4.6/10 (5 Bewertungen)

Ein weiterer Morgen, die nächste Bestätigung, dass ich trotz zwei Räumen voller Platten keine Ahnung von Musik zu haben scheine, respektive davon, was sich heutzutage so verkauft. Im Idealfall unter Vortäuschung falscher Tatsachen oder zumindest groben Unfugs. Hätte wohl nach den Zwanzigern mal die Hasskappe absetzen sollen. So versicherte mir ein freundlicher Pressetext just, dass die Band MY MORNING JACKET nach 15 Jahren kreativen Tobens legendären Status innehabe. Nun, bis in die einsame Berghütte des Rezensenten hatte sich dieser Nimbus von Donnerhall noch nicht vormäandert aber glücklicherweise gibt es Recherchemöglichkeiten. MMJ formierten sich Ende der 90er aus den Gerippen diverser Bands ihrer Heimat Louisville, Kentucky, weiland Hochburg der zweiten Welle so genannter Emo-Core-Bands, die damals noch ohne asymmetrische Frisuren und Ersatz-Metal auskamen. Meist verliefen die anschließenden Karrieren dieser Formationen ähnlich: Man ließ sich die Haare wachsen und begann, Musikrichtungen vergangener Jahrzehnte zu missinterpretieren. Schlicht formuliert: Man brachte langweilige Sechs-Minuten-Songs zur Aufführung und gerierte sich als Progressivrock-Kapelle. Alternativ ging der Trend zum kapitalen Vollbart, dem Sprung ans nächste Lagerfeuer und der Simulation von Folk. Besonders in unseren Gefilden, verehrte Leserschaft, konnte man unter den Schreiberkollegen manchen Freund akustischer Prätentiösität zu besudelten Schlüpfern verhelfen.

Bezeichnend, um die Diffamierung der Morgensakkos zum Abschluss und das Soloalbum ihres Sängers JIM JAMES zur Einleitung zu schaffen, sei erwähnt, dass MMJs populärster Song eine die Füße einschläferndes Cover von ELTON JOHNS nicht gerade überschäumender Kokshymne „Rocket Man“ ist. Jetzt jedenfalls schenkt uns der Fronter mit „Regions Of Light And Sound Of God“ erwähntes Emanzipationswerk vom bisherigen Dasein als Zahnrad. Uninteressant ist die Sache nicht. Der Titel kommt von einem 90 Jahre alten Avantgardecomic im Holzschnittdesign und James gefällt sich eigenwerberisch sehr in der Rolle des Retrofuturisten, was natürlich Unsinn ist. Viel mehr legt er das Derivat eines offenbar sehr eklektischen und gar nicht mal so geschmacklosen Musikgeschmacks vor. Im ersten Song finden wir ätherische RADIOHEAD-Momente, die sich zum Glück in CURTIS MAYFIELD-artiger Menschenrechtsfunkyness auflösen und nur von larmoyantem COLDPLAY-Genöle zerstört werden. Weiter geht’s mit akustischer, fast folkloristischer, ja New Age beeinflusster Gitarrenmusik, immer wieder Spaß am Benutzen veralteter Synthesizer wie einem feinen Minimoog oder auch mal String-Synths. James’ liebste Zeit dürften die 70er gewesen sein, was in guten Momenten an urgewaltige Soloplatten von SOFT MACHINEs Robert Wyatt, in geradezu gruseligen aber auch an Scheißrock-Terrororganisationen wie SUPERTRAMP gemahnt.

Wenn Jim aufs Gaspedal geht, zeigt sich seine Liebe für amerikanischen Rock, den er bei MMJ offenbar, den Ton verfehlend, auf der Opferbank der Co-Komposition liegen lassen musste. Springsteen zu kreativen Zeiten, etwa „Born To Run“ kommt dem Hörer in den Sinn. Immer wieder geht’s zurück zum erwähnten Curtis-Anklang, nicht selten versaut durch Streicherteppiche und eine Vorliebe für Überinstrumentierung. Und dann kommt wieder ein Geistesblitz, Voice-Synthesizer, Jesustexte und beinahe DEAD CAN DANCE beeinflusste Melodieführung, wie im achten Song „All Is Forgiven“. Wie gesagt, nicht uninteressant.

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