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JINGO DE LUNCH - Land of the Free-ks

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Artist JINGO DE LUNCH
Title Land of the Free-ks
Homepage JINGO DE LUNCH
Label NOISE-O-LUTION
Leserbewertung
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9.0/10 (3 Bewertungen)

Während „Rock statt Rente“ auf dem televisionären Abstellgleis landete, haut das Motto im reellen Leben ungleich besser hin! Kaum eine Band, die nicht reuniert (fantastisches Nicht-Wort). Und: hoppla! Die eine oder andere zieht sich recht beachtlich aus der Affäre und sorgt für ein seliges Lächeln auf den mittlerweile nicht mehr ganz so fältchenfreien Gesichtern der Old-School-Fans.

Nun also ein neues Album der Berliner Institution JINGO DE LUNCH (welche dem Rezensenten Ende der Achtziger sein erstes richtiges Konzerterlebnis bescherten!), die fast zeitgleich mit einer anderen Instanz des deutschen Punks (im weitesten Sinne), reüssiert. Gemeint natürlich die unkaputtbaren SPERMBIRDS, die gerade ihr „Columbus Feeling“ entdeckt haben. Passt hier natürlich wie die Faust aufs Auge, da Frontfrau Yvonne Ducksworth gemeinsam mit Lee Hollis das famose „Stronger“ auf dem Klassiker „Common Thread“ eingeraunzt hat. Und was diese neuen Alben gemeinsam haben, soll auch nicht lange verschwiegen werden: Sie gehören zu den Sahnehäubchen der jeweiligen Diskografien, wobei JINGO DE LUNCH sogar noch eine Schippe mehr drauf legen können! „Land Of The Free-ks“ ist ohne Zweifel, das eingängigste, spielerisch eindrucksvollste und durchgängig gelungenste Album, das je von Frau Ducksworth eingesungen wurde! Eine verdammt gute Figur macht zudem der neue Gitarrist Gary Schmalzl, der von fingerbrechenden Solis, geschmeidigen Riffs bis hin zu Drei-Akkord-Brechern, alles locker aus der Hüfte schüttelt und den Sound der Berliner sicherlich um einiges offener und treibender gemacht hat. Denn geschnarcht wird kaum, das Tempo befindet sich meist oberhalb des gemächlichen Mid-Tempos und sorgt so für beschwingte Autofahrten über verlassene Landstraßen.

Dabei setzen die JINGOS nicht an den schwer hardrockigen Tagen der Major-Label-Zeit an (damals unerhört!), sondern an dem kaum fassbaren Crossover aus Punk und Metal, der auf den ersten beiden Longplayern der Anfangszeit zelebriert wurde. Doch hat man neuerdings keine Angst mehr vor greifbaren Songstrukturen, mitsingtauglichen Refrains und man muss es sagen: richtigen Hits! Sei es die politisch motivierte Titelnummer, die mit Groove-Einlage und Fast-Forward-Break punktet oder das folgende Bass-gestriebene „Room 101“ mit erster Ohrwurm-Garantie: gleich zu Anfang reibt man sich Augen und Ohren, denn so schnell wickelten die Berliner den Zuhörer noch nie um ihre Finger! Und verdammt! Yvonnes Stimme ist um keinen Fingerbreit gealtert, klingt wie anno dunnomal, nur besser! Dabei steht natürlich immer noch außer Frage, dass man ihren quäkigen Gesangsstil mögen muss. Hier heißt es immer noch: Lieben oder Hassen, dazwischen gibt es nichts! Aber wer um Himmels Willen kann einen Pogo-Bringer wie „Mass/acre“ nicht gut finden?! Einen Schweden-Rocker à la „Motherfon“ nicht abfeiern?! Vor allem da der Refrain das Gehirn die nächsten 10 Jahre nicht verlassen wird? Wer liebt nicht einen kaputten Blueser wie „The Job“? Wer will sich den Kopf nicht zu „Spineless In Gzza“ verrenken? Oder nicht die Finger während „Miss Demeznor“ gen Himmel strecken? Wer will nicht den Schweiß des Nachbarn von der Stirn wischen, während „Move“ aus dem Boxen schmettert? Nicht seine BLACK SABBATH Gedenk-Matte zu „Land Of The Doom“ schwingen, um anschließend sein „Street Cred Heart“ abzufeiern? Die Antwort? Alle! Dabei fällt es kaum mehr ins Gewicht, dass das Artwork gegen all die musikalische Freude wie die Arbeit einer Schülerband aussieht und der Titel ein wenig zu gewollt klingt… Damit werden sicherlich keine Spontankäufe geweckt.

Wer JINGO DE LUNCH neu entdeckt, wird seine helle Freude haben, während alte Fans demütig einen Altar für Yvonnes Cowbowhut erbauen und alte „Metalla“-Mitschnitte in Endlosschleife abspielen werden! Ein weiteres Herzblut-Release auf dem famosen Noise-O-Lution Label! Ein Resümee, das lange nicht mehr gezogen wurde: Absoluter Kaufbefehl!

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