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JOACHIM WITT - DOM

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Artist JOACHIM WITT
Title DOM
Homepage JOACHIM WITT
Label SONY MUSIC
Leserbewertung
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3.2/10 (53 Bewertungen)

Erst einmal Zeilen schinden…

„Ein Opus wie «DOM» mit all seinen erhabenen Melodien, opulenten Arrangements und filigranen Zeilen wird einem Künstler nicht einfach so geschenkt. Joachim Witt hat, ohne es wissen zu können, sein ganzes Leben lang darauf hingearbeitet. Es ist ein Album über die ewige Abfolge von Untergang und Neuanfang; ein Kreislauf, den Witt im Laufe der Jahre nicht nur einmal in allen Facetten erlebt hat. «DOM» zeigt die emotionale Kompetenz eines Musikers, der heute dem Zynismus seiner NDW-Jahre und den kompromisslosen Kommandos der «Werkreihe Bayreuth» mit romantischer Festlichkeit begegnen kann. Witt hat sich einen prachtvollen «DOM» gebaut, eine feierlich geschmückte Kathedrale der Popmusik.“

Normalerweise schenke ich ja Promozettel nicht sonderlich viel Beachtung, aber der literarische Künstler, der sich hier verewigt hat, ist gerne eingeladen, unsere Redaktion zu verstärken. Die Wahrheit ist natürlich deutlich weniger pathetisch, wenngleich der „DOM“, den uns der Joachim hier errichtet hat, sich schon zu einer „Hörenswürdigkeit“ entwickeln könnte. Seine Errungenschaften in den 80er Jahren sind ja über jeden Zweifel erhaben, die spätere NDH-Phase eher umstritten bis belächelt, obgleich man da schon ein paar Perlen finden kann. Zudem hat Herr Witt den LEICHTMATROSEn protegiert und ein sehr schönes Duett mit PURWIEN abgeliefert („Alle Fehler“). Sein 13tes Album nach immerhin 63 Lebensjahren gibt sich nun relativ ruhig und introspektiv, ohne auf das gewohnte Pathos zu verzichten.

Bereits der Opener/ die Vorabsingle „Gloria“ (mit Gastsänger Felix Räuber von POLARKREIS 18) setzt im Refrain zur großen Geste an, Melancholie gepaart mit religiösen Metaphern. Losgelöst vom elektronischen Unterbau durchaus auch etwas für den nächsten evangelischen Kirchentag. Das folgende „Jetzt geh“ dürfte ebenfalls für keine Höchstwertung bei laut.de sorgen, dabei wird auch hier die Spannung bis zum erlösenden Refrain recht geschickt aufgebaut, inkl. der Streicher-Arrangements. „Tränen“ fällt trotz des Gitarrenspiels von SELIGs Christian Neander ins Tal der Beliebigkeit, „Blut“ hingegen profitiert von der romantischen Stimme Nadja Sägers, wahrlich kein Neuling im WITT-Kosmos. Mein persönliches Highlight ist allerdings ein Stück namens „Königreich“, das sich schnell zum Ohrwurm entwickelt, hier kommt etwas mehr Dynamik ins Spiel als beim Durchschnitt der Platte, bitte ebenfalls auskoppeln. Das Strickmuster ändert sich auch mit den weiteren Songs nur unwesentlich, plüschige Elektronik, oftmals „female vocals“ und ganz viel EMOTION. Besonders interessant: „Komm nie wieder zurück“ mit dem Sprechgesang und dem ungewöhnlichen Songaufbau.

Synthetischer Pathos-Pop mit vielen Gästen, sprachlichen Bildern zwischen Poesie und Allgemeinplätzen sowie des Meisters eindringlicher Stimme. Dürfte deutlich weniger polarisieren als die späteren Bayreuth-Werke, die doch hin und wieder ins Lächerliche abglitten. Und meistert zudem recht geschickt den Spagat zwischen Schwarzer Szene, düsterem Schlager der Marke ALEXANDRA und Radiotauglichkeit. Ich bin zwar Nihilist, doch diesen „DOM“ betrete ich hin und wieder ganz gerne…

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