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JOHN CARNEY - Once (2-DVD)

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Artist JOHN CARNEY
Title Once (2-DVD)
Homepage JOHN CARNEY
Label ARTHAUS
Leserbewertung
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Zusammen mit Deutschlands wichtigstem Musikmagazin „Rolling Stone“ (Deutschlands Teenager schreien an dieser Stelle wütend auf und skandieren lauthals „Bravo ist wichtiger!“) präsentieren die Leipziger Kinowelt über ihr Unterlabel „Arthaus“ (dessen Sortiment m. E. uneingeschränkt zu empfehlen ist) einen rockigen Querschnitt durch die Musikgeschichte mit 12 fesselnden Dokumentar- und Spielfilmen (wahlweise einzeln erhältlich in aufwändig gestalteten Digipaks oder auch vereint in einer schicken Box). Angefangen von den 60er-Jahren (z.B. „The Doors“), über die 70er („24 Hour Party People“) und 80er-Jahre („This is Spinal Tap“) bis hin zu den 90ern („Year of the Horse“) und dem Nuller-Jahrzehnt (etwa „8 Mile“) hat man stellvertretend über diese Filme die Möglichkeit, sich einen Eindruck über die jeweilige Epoche zu verschaffen. Neben den bereits genannten Filmen präsentiert die Box noch folgende Werke:

Shine a Light, USA 2007
The Filth and the Fury, Großbritannien / USA 2000
Lou Reed’s Berlin, USA / Großbritannien 2007
Ray, USA 2004
Control, Großbritannien / USA / Australien / Japan 2007
Once, Irland 2006
The Blues Brothers, USA 1980

Wenn man sich mein Profil auf dieser Seite durchliest, müsste ich eigentlich „The Blues Brothers“ oder auch „The Doors“ besprechen. Da aber über diese Filme bereits genug geschrieben wurde, möchte ich lieber den unbekannteren Independent-Sachen eine Chance geben. Dies hat zur Folge, dass ich mich zuerst mit „Once“ auseinander setze, eine „simple“ Romanze im Irland unserer Tage (abgedreht in nur 2 Wochen). Der Film startete anfangs nur in zwei New Yorker Kinos, erhielt jedoch über Nacht derart gute Kritiken (Steven Spielberg soll ein Fan dieses Films sein), dass seine Auswertung kurzerhand auf 150 Filmtheater in den USA ausgeweitet wurde. Später gewann „Once“ noch den Publikumspreis auf dem berühmten Independent Film-Festival „Sundance“, welches alljährlich von Robert Redford ins Leben gerufen wird. Hier spiegelt sich erstmals der internationale Erfolg des Filmes wider.

„Once“ beginnt mit dem Auftritt von THE FRAMES- Bandleader Glen Hansard, wie er in Dublin seine Versionen bekannter Gassenhauer intoniert. Zwischendurch versucht ein armer Schlucker noch seine kargen Einnahmen zu stehlen, was unser Hauptdarsteller aber zu verhindern weiß. Am Ende schenkt er ihm aber doch noch aus Mitleid 5 Euro. Szenenwechsel: Wir sehen unseren irischen Mariachi, wie er noch spät abends in der Fußgängerzone nun seine eigenen Kompositionen zum Besten gibt. Beobachtet wird er dabei von einer tschechischen Einwanderin, welche ihm 10 Cent schenkt und ihn prompt anspricht. Sie steht anscheinend auf seinen Gesang und lässt es ihn wissen. Da unser Gitarrenspieler im weiteren Berufsleben Staubsauger repariert, bietet er seinem Fan in der weiteren Konservation gütig an, ihr defektes Gerät zu reparieren. So ergibt sich dann eine erneute Möglichkeit für ein Aufeinandertreffen. Man freundet sich an, findet zaghaft zueinander und erkennt nach und nach, dass man den richtigen Menschen vor sich hat, es aber für eine Beziehung zu spät ist, da beide schon gebunden sind: Sie ist verheiratet und hat eine Tochter – er hat eine Freundin, welche momentan in London wohnt.

Einzig die Musik ist in diesem Film die beispiellose Verständigung der beiden Hauptfiguren untereinander, sie ist das alles bindende Element, welches die Liebenden vorantreibt. In diesem Fall ist sie die bedeutendste Art und Weise des Filmes, die Story zu erzählen und anzutreiben. Im weiteren Verlauf jammen beide in einem Musikgeschäft (sie ist eine begabte Pianistin und Sängerin) und erkennen, wie gut sie musikalisch miteinander harmonieren. Folglich gabeln die Beiden so etwas wie eine Band in den Strassen Dublins auf, suchen ein Tonstudio auf, produzieren eine CD auf und trennen sich voneinander. Er geht nach London zu seiner Freundin und sie empfängt ihren Mann, der nun auch zu ihr und ihrer Tochter zieht. Davor gibt es noch ein zaghaftes Techtelmechtel (man fährt zusammen Motorrad und tauscht intime Details beider Leben aus).

Und dann ist der Streifen auch schon nach knapp 80 Minuten vorbei. Die Musik ist hierbei die eigentliche Bildsprache, weil sie das Filmgefüge zusammenhält, zu 80 Prozent der Laufzeit die Unterhaltungen ersetzt (die Figuren teilen dem Zuschauer in ihren inbrünstig intonierten Songs Ihre Gefühle mit und erklären den Sinn und weiteren Verlauf der Handlung). „Once“ ist somit ein modernes Musical, welches allerdings nicht aus kitschigen Ami-Evergreens besteht, sondern aus eigens komponierten Rock- und Folkgesängen. Oftmals verwendet der Regisseur eine Mitleid erregende, grobkörnig digitale Bildsprache und man fragt sich, ob dieses Absicht war oder ob er überhaupt keine Ahnung vom Filmemachen hat, denn das hier benutzte Stilelement und deren „Kompositionen“ wirken auf den Betrachter oftmals befremdlich und man hinterfragt den tieferen Sinn des hier verwendeten Funktionsmittels. In seiner Schauspielgestaltung wirkt der Film oft unbeholfen, er ist einfach in Szene gesetzt, aber letzten Endes ein genügsamer, ungewöhnlicher, sich seiner selbst auferlegten Verpflichtung durchaus bewusster Film.

Diese Art und Weise der Filmgestaltung ist im weiteren Verlauf des Filmes bald vergessen, da der Regisseur sich ganz der Geburt, der Bedeutung und der Kraft der Musik verschreibt. Er zeigt uns mit einer geradezu unverfälschten Leidenschaft, wie das spontane Jammen bzw. letztendlich die eigene Kraft, entstehend aus der eigens komponierten Musik und deren daraus resultierenden Lebensfreude den Protagonisten den Mut und den Willen verleiht, die Dinge wieder in die Hand zu nehmen und das Leben wieder sinnvoll zu gestalten. Sicherlich ist vieles unglaubwürdig (z.B. beherrscht die gerade eben aufgegabelte Band nach 1-2 Proben perfekt die selbst geschriebenen Songs unseres Protagonisten) oder man fragt sich, was die eine oder andere Szene denn soll (z.B. ein munterer Sängerwettbewerb in einer irischen Kneipe) aber man darf nicht vergessen, dass wir es hier mit einem Low-Budget- Movie zu tun haben, dass (wie oben schon erwähnt) innerhalb von 14 Tagen mit bescheidenen Mitteln entstanden ist. „Once“ könnte daher auch auf manchen Zuschauer etwas einfältig wirken, denn in einigen Szenen legt er eine gewisse Oberflächlichkeit an den Tag. Ich hätte mir z.B. mehr irisches Lokalkolorit gewünscht (Alan Parker hat das in „The Commitments“ wunderbar gezeigt, jetzt, mehr als eine Generation nach diesem Film, wäre es an der Zeit gewesen, die Dinge zu zeigen, wie sie dort heute sind).

Zur Rezension lag die einfache Ausgabe des Filmes aus der o.a. Box in singulärer Form vor. Sie enthält den Film im anamorphen 16:9-Transfer im Bildformat 1,78:1. Gesprochen wird englisch und deutsch. Ich empfehle den Konsum im Original mit deutschen Untertiteln (so kommt viel mehr irisches Flair herüber). An Extras gibt es einen Audiokommentar des Regisseurs und der beiden Hauptdarsteller, eine Fotogalerie, mehrere Trailer, sowie den Teaser. Weiterhin hat man die Möglichkeit die einzelnen Songs aus dem Film direkt anzuwählen (was ich nicht direkt als Bonus bezeichnen würde). Für den vermögenderen Fan hält Arthaus zudem eine kostspieligere 2-Disc-Variante parat für die ein größeres Bonus-Paket geschnürt wurde: Es gibt ein Making of, eine Dokumentation über die Hintergrundgeschichte, den im Jahre 2008 Oscar prämierten Song „Falling Slowly“, eine kurze Featurette, Interviews mit den beiden Hauptdarstellern, einen knapp halbstündigen Bericht über die Filmpremiere in Berlin, sowie die obligatorische Kinowelt-Trailershow.

Fazit:

Ist man ein Jerry Bruckheimer Fan und man erwartet den nächsten „Transformers“-Blockbuster, ist dieser Film natürlich nicht das Richtige. Diese Gattung Kinogänger hat kein gutes Haar an diesem Werk gelassen (mehrere Besprechungen im Internet geben hierüber Aufschluss) und auch meine Frau (eine Mainstream-verwöhnte Zuschauerin) konnte damit nichts anfangen. Ist man aber dem Independent-Bereich nicht abgeneigt und offen für das etwas andere Kino mit musikalischen Einschüben, sitzt man bei diesem Film in der ersten Reihe und wird bestens unterhalten (vorausgesetzt man diese Art von Musik…).

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