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JOHN GRANT - Pale Green Ghosts

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Artist JOHN GRANT
Title Pale Green Ghosts
Homepage JOHN GRANT
Label COOPERATIVE
Leserbewertung
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9.5/10 (2 Bewertungen)

Als ich das Angebot zur Rezension des neuen Solo-Albums von JOHN GRANT bekam, konnte ich erst einmal gar nichts damit anfangen. Hat sich hier jemand nach einer Scotch-Sorte benannt? Und wer ist dieser Kerl auf dem Cover, der wie Grizzly Adams in einem Anzug aussieht?

Fragen über Fragen, die mich erst einmal schmunzeln ließen, aber der erste Song „Pale Green Ghosts“ vom gleichnamigen Album schaffte es auf Anhieb, mein Interesse zu wecken, denn mit analoger Wärme und viel Bauchgefühl pulsieren einem die Sounds um die Ohren. Als dann auch noch die Vocals einsetzen, ist es um mich geschehen, JOHN GRANTs Gesang wispert mit einer verletzlichen und gefühlsvollen Stimme, die sich wie ein Eisbrecher durch das Lied kämpft und die gesamte Aura des Tracks ausfüllt. Meine Bewunderung steigert sich sogar im Laufe des Stückes, die emotionale Vielfalt sprengt die normalen Strukturen eines Songs, der hier interessante Wendungen und einen einzigartigen Aufbau erlebt. Dieser Ex-Sänger der CZARS macht es mir nun im weiteren Verlauf nicht einfach, denn während „Blackbelt“ noch ein wenig nach SWEDISH HOUSE MAFIA klingt, verlässt er danach umgehend die elektronische Bahn und springt auf einen sehr persönlichen und intimen Akustikgitarren-Zug auf, der dank seiner Stimme an die sanften Seiten von alten DAVID-BOWIE-Nummern erinnert. Die große gemeinsame Komponente bleibt sein trauriger und emotionaler Gesang, der den Hörer in seinen Bann zieht und ihn regelrecht an die Hand nimmt, um ihn durch seine Welt der Musik zu führen und mitfühlend seine Geschichten erzählt. Ab „Why Don’t You Love Me Anymore“ wird wieder das behutsame kalte Elektro-Flair angewandt, das sich größtenteils konstant hält, aber durch organische Elemente wie Gitarre oder Saxophon gerne durchbrochen wird bzw. dies kunstvoll ergänzt. Um es klar zu sagen, hier wird nicht geholzt, vielmehr erzählt JOHN GRANT gemächlich seine Geschichten – vielschichtig und mit jeder Menge Pathos und innerer Tiefe. Alle gewählten Elemente unterstreichen seine gewollte Ausdrucksform, um der Bedeutung der Stücke die perfekte Plattform zu bieten. Im Mittelpunkt steht allein die Bedeutung, die aber durch die Musik ins richtige Licht gerückt wird.

Vielleicht macht er es dem geneigten Hörer nicht immer leicht, wenn er irgendwo zwischen minimalem Electro und Folk wechselt, aber wenn man sich auf das Experiment einlässt, erkennt man die Größe dahinter und besinnt sich eventuell einer Zeit, in der es wichtiger war, auf den Inhalt der Texte zu achten. Wenn man sich seinem Gesang unterworfen hat, wird die Musik nur noch im Augenwinkel wahrgenommen, die aber die ganze Erscheinung mit ihrer Präsenz perfekt ausfüllt. Die Musik ist gewaltig, zerbrechlich, kalt und gefühlvoll zugleich… und eine Erfahrung, die ihresgleichen sucht. Hört euch das Album in Ruhe an und erkennt dessen innere Ruhe und Qualität, für mich war es jedenfalls ein besonderes Geschmackserlebnis.

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