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JOHNNY CASH - Out Among The Stars

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Artist JOHNNY CASH
Title Out Among The Stars
Homepage JOHNNY CASH
Label SONY MUSIC
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Der Name CASH ist Programm, deswegen verwundert es nicht weiter, dass Sohnemann John Carter hier ein weiteres posthumes Werk unter das gierige Hipster-Volk schmeißt. Aber halt: handelt es sich bei „Out Among The Stars“ doch nicht um eine weitere Compilation, Sammelbox oder Rubinsche Leichenfledderei, sondern um ein komplettes, unveröffentlichtes Album, welches bei Katalogisierungsarbeiten im Tresor der Columbia wieder das Tageslicht erblickte. Früher nannte man diesen Umstand noch fröhlich „im Giftschrank verschwinden lassen“, aber der Name Cash sorgt heute natürlich wieder für Umsatz…

In den Achtzigern sah die Sache noch ganz anders aus, auch wenn Cash Anfang des Jahrzehnts noch in die „Country Hall Of Fame“ aufgenommen wurde, aber die Tabletten hatten Cash fest im Begriff, so dass Johnny länger bei Tante Betty in ihrer Ford-Klinik verweilte, als in irgendwelchen Aufnahmestudios. Die vorliegenden Sessions wurden 1981 sowie 1984 aufgenommen, kurz danach musste Cash bei der Columbia seinen imaginären Hut nehmen und heuerte kurz darauf bei den HIGHWAY MEN an, zu denen Urgestein WILLIE NELSON, Teilzeit-Schauspieler KRIS KRISTOFFERSEN und WAYLON JENNINGS gehörten. Letzterer ist auf „Out Among The Stars“ bei dem flotten Shuffle-Schunkler „I`m Moving On“ zu hören. Überhaupt tendiert das Album tendenziell in die HIGHWAY MEN-Richtung, so dass die „American Recordings“-Fraktion hier weniger auf ihre Kosten kommt. Es herrscht glatte Achtziger-Country-Atmosphäre, wobei natürlich nach der Digitalisierung der Aufnahmen noch vieles im Studio ausgebessert, ausgefüllt und neu eingespielt wurde. Dennoch klingt das Album kohärent, ist ohrenschmeichlerisch und beinhaltet mit den Duetten seiner ebenfalls verstorbenen Ehefrau June Carter einige Perlen in Cashs Oeuvre („Baby Ride Easy“ gehört dazu). Die Single „She Used To Love Me A Lot“ geht locker rein und wird bestimmt bald von TRUCK STOP oder GUNTER GABRIEL eingedeutscht… Als Bonustrack gibt es aber noch einen gelungenen, trippigen Remix der Nummer, der eher die Indie-Fraktion ansprechen könnte, Hipster können also doch noch zugreifen. „If I Told You Who It Was“ ist eine launische Ode an DOLLY PARTON, die in den Strophen ein wenig an „A Boy Named Sue“ erinnert. „I Drive Her Out Of My Mind“ hätte Lee Majors auch liebend gerne in „Ein Colt Für Alle“ mit Howie und Jodie im Whirlpool geschmettert. „Tennessee“ wirkt leider etwas kitschig mit seinem abschließenden Kinder-Chor, aber ein bisschen Lokalpatriotismus sei dem Mann gegönnt. Der Rest des Albums präsentiert leichte „Boom-Chikka-Boom“-Kost, solide Balladenkunst und unaufgeregtes Songmaterial. Aber eines ist unverkennbar: CASH hatte Spaß an der Sache, ist stimmlich gut drauf und wirkt nach der Drogen-Episode erlöst und arbeitshungrig.

So kann nach schlappen dreißig Jahren aus „Nicht gewollt!“ ein „Glück gehabt!“ werden, an dem das Label, Gott sei Dank aber auch die Fans heute ihre Freude haben werden. Kommt im schicken Digisleeve, sollte im Zweifel aber standesgemäß als Gatefold-LP in die Sammlung wandern!

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