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JOHNNY CASH - Live Around The World – Bootleg Vol. III (2-CD)

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Artist JOHNNY CASH
Title Live Around The World – Bootleg Vol. III (2-CD)
Homepage JOHNNY CASH
Label COLUMBIA/ LEGACY
Leserbewertung
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10.0/10 (3 Bewertungen)

Die Vermächtnisverwalter von JOHNNY CASH haben wieder einmal ins Archiv gegriffen und einen neuen Stapel Live-Aufnahmen ausgebuddelt/ restauriert. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei besondere Auftritte: CASHs Konzert beim legendären Newport Folk Festival 1964 und seine Show im Weißen Haus 1970 vor Präsident Nixon.

Aber die Rückschau beginnt früher, 1956, mit einem Gig in Dallas, und das ist gut gewählt, denn diese ungeschliffenen, ruppigen Songs, bei denen der Rock’n’Roll trotz allem Chicka-Boom nicht fern ist, verorten CASH nicht nur in der Tradition des Country, sondern zeigen ihn als Kind der Fünfziger, der zeitgleich mit ELVIS und JERRY LEE LEWIS seinen Durchbruch hatte. Hier, wie auch beim nächsten vertretenen Auftritt von 1962, wird auf der Bühne noch viel herumgewitzelt, und das vermittelt einmal ein anderes Bild als das des legendären Man In Black oder des gebrochenen „Hurt“-Interpreten.

Aber es sind die neun Songs vom Newport Folk Festival, die auf der ersten CD dieses Doppelpacks am meisten aufhorchen lassen. CASH spielt hier vor Leuten, die seine Folk-Wurzeln bestens kennen, und vielleicht zerpflückt er deswegen das Traditional „Rock Island Line“ mit so viel Genuss. Natürlich verbeugt er sich vor BOB DYLAN, dessen „Don’t Think Twice“ er schon zuvor gecovert hat, und wenn er DYLAN als den größten Songschreiber bezeichnet, dann hört man die aufrichtige Anerkennung eines Mannes, der mit DYLAN auf Augenhöhe ist. Aber besonders besticht dieser Auftritt durch die Geschichten, die CASH hier so eindringlich und klar erzählt wie selten, sei es die Suche nach der verlorenen Geliebten in „Big River“ oder die tragische „Ballad Of Ira Hayes“. Naturgemäß ist die Qualität dieser frühen Aufnahmen über weite Strecken weit weg von Dolby Surround, und man hört ihnen ihr Alter an, aber dennoch ist der Mix überwiegend klar und frisch.

CD 2 beginnt mit dem Konzert im Weißen Haus, und natürlich ließ sich Präsident Nixon es nicht nehmen, den legendären Star selbst anzukündigen und auch gleich für die USA – und implizit für sich – zu vereinnahmen: „He belongs to the whole country, and the music that he plays, Country music, is American music, it speaks to all of us.“ CASH war nun zeitlebens kein linker Rebell, aber die subtile Art, wie er den versammelten Würdenträgern den moralischen Spiegel vorhält, zeugt von Charakter: Wenn Nixon ihn schon zur Stimme Amerikas macht, dann spricht diese Stimme vom Elend der Farmer am Mississippi und beschwört lieber Menschenwürde und Nächstenliebe in einer Auswahl Gospels, statt Amerika zu preisen. Und dann spielt er „What Is Truth“, indem er offen Partei für die amerikanische Jugend ergreift, die man ernst nehmen sollte, auch wenn sie lange Haare trägt. Die geladenen Gäste klatschen hier etwas betont höflicher als bei den anderen Songs, wie sich denken lässt. Es gibt Auftritte, bei denen der Funke besser überspringt, aber allein für die Haltung, die CASH hier vermittelt, ist diese Aufnahme ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument.

Anschließend folgen kürzere Ausschnitte aus den Siebzigern. „City Of New Orleans“ in seinem braven Country-Gewand zählt zu den wenigen CASH-Covers, die vielleicht nicht hätten sein müssen. Auf die letzten Meter schleicht sich auch ein wenig mehr Pathos ein, als wirklich gut tut, der dann allerdings noch gerade eben vom augenzwinkernden „One Piece At A Time“ neutralisiert wird.

Für CASH-Fans ist diese Doppel-CD natürlich sowieso ein Muss. Sie taugt aber auch als Ergänzung für alle, die schon die eine oder andere Best Of im Regal haben, aber gern mehr über die facettenreiche, widersprüchliche Persönlichkeit des Man In Black erfahren wollen.

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