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JOSIAS ENDER - Schlafanzug im Wind

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Artist JOSIAS ENDER
Title Schlafanzug im Wind
Homepage JOSIAS ENDER
Label UNSERALLEREINS
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JOSIAS ENDER wuchs zwischen Ackerfurche und Waldrand im baden-württembergischen Nirgendwo auf, zog dann zum Studieren nach Freiburg und später zum Leben nach Berlin. Dort haust er nun und belehrt ahnungslose Heranwachsende über das Leben. Seine Musik vereint feinsinnige Texte mit kleinen und großen Melodien, vorgetragen von jungenhaftem und zugleich kratzig-sanftem Nebelgesang. „Schlafanzug im Wind“ ist das Langspiel-Debüt des Singer-Songwriters.

Der Mann dürfte Mitte/Ende Zwanzig sein und überrascht mich damit, dass in seinem Song „Lucky Strikes“ auf der Reise mit einem alten Ford Fiesta eine Frankreich-Karte auseinandergefaltet werden muss. Benutzt tatsächlich noch jemand Straßenkarten? Wobei ja bei diesen Falk-Patent-Dingern weniger das Auseinander-, sondern das Zusammenfalten eine Herausforderung war. Meinen Lieblingssatz, der mich an so manche WG-Küche erinnert, folgt allerdings in dem Stück „Es wird nicht passieren“: „…und du hoffst, dass die Bakterien die Schimmelpilze eliminieren…“! Derweil dürfte das Titellied „Schlafanzug im Wind“ ziemlich genau widerspiegeln, wie sich JOSIAS ENDER in dem Moment gefühlt hat, als er diesen Song geschrieben hat; „Und ich vergesse, was ich gelernt hab. Ich verspiel eine Handvoll Talent. Ich verliere, woran ich glaube. Ich steh mit meinem Schlafanzug im Wind.“ – und so ist der Erstling ein Album über Leben und Tod, Abschied und Aufbruch, Straucheln und Aufstehen. Meistens trägt der Mann seine Geschichten eher leise vor; eine Ausnahme macht das beschwingte „So wie es ist, kann es nicht bleiben“, das dafür wirbt, die taumelnde Erde in ihre Bahn zurückzulenken – mit allen Konsequenzen, die sich daraus für uns ergeben. „Herzemoticon“ erzählt mit munteren Melodien von einer unerwiderten Liebe und die Claphands auf „Ich packe meinen Koffer“ bilden das Grundgerüst für den rhythmusbetonten Track über den Auszug in die Welt. Am reduziertesten kommen „Himmelskörper“ und „Falten“ daher – gleichzeitig die intensivsten Nummern des Silberlings.

„Schlafanzug im Wind“ erzählt vom Auf und Ab des Lebens und vertont dazu Gedichte zu lyrischen Popsongs, bei denen akustische und elektrische Gitarren auf den Plan treten. Bisweilen von einer uralten Hammond-Orgel und zahlreichen elektronischen Zauberklängen begleitet. Darin steckt jede Menge Melancholie, aber JOSIAS ENDER versinkt nicht in Trübsinn und Wehklagen, sondern changiert mit seinen zehn Liedern zwischen bedeutungsschwer, poetisch und federleicht, genauso wie die Tracks zwischen Liedermacher, Singer-Songwriter und Indie-Pop mäandern.

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