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JOY - The Spell Of Joy

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Artist JOY
Title The Spell Of Joy
Homepage JOY
Label TEE PEE RECORDS
Leserbewertung
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6.0/10 (1 Bewertungen)

JOY, das sind drei Jungspunde aus San Diego, Kalifornien, die mit “Under The Spell Of Joy” ihr Debütalbum vorlegen, für das sie auch direkt auf prominente Unterstützung in Form von Gastauftritten u.a. der Herren Nik Turner (HAWKWIND) und Parker Griggs (RADIO MOSCOW) zurück greifen konnten.

Die genannten Namen lassen es schon vermuten: Hier regiert der Vintage-Sound der frühen Siebziger, wenn nicht gar noch ein wenig früher. Das ist ja momentan sehr angesagt, genau wie der in diesem Zusammenhang oft benutzte Terminus „Retro-Rock“. Eigentlich mag ich diesen Begriff nicht besonders, muss aber zugeben, dass er auf JOY definitiv passt wie Platte auf Teller. Hier wird der Vergangenheit nicht nur gehuldigt, hier wird sie förmlich herauf beschworen, gelebt und inhaliert. Leider gilt dies auch weitestgehend für die Produktion des Albums, die ebenfalls die letzten 40 Jahre konsequent zu ignorieren scheint und dabei insgesamt, auch für damalige Verhältnisse, etwas zu dumpf und intransparent ausfällt. Das ist zwar authentisch und nach einigen Minuten der Eingewöhnung ja auch irgendwie charmant, nimmt den durchaus vielschichtigen Kompositionen der drei Spaßmusiker (sic!) jedoch zuweilen ein wenig den Druck und die Durchschlagskraft, besonders dann, wenn die generell stark an JIMI HENDRIX erinnernden Songs in elegische Jam-Sessions abgleiten und man ohnehin Gefahr läuft, sich im Dickicht der sich überlagernden Feedbackspuren zu verhedderrn. Das doch reichlich versponnene „Confusion“ ist hierfür ein gutes Beispiel. Der Song basiert auf einem simplen aber coolen Riff, steigert sich merklich ins Wahnhafte und verweigert sich schlussendlich jedweder arrangierten Struktur. Besser sind JOY, wenn sie sich etwas näher am klassischen Bluesschema halten, wie in „Evil“ oder dem famosen Rocker „One More Time“. Da zeigt sich dann, dass spielerische Hysterie (im positiven Sinne) und eine gewisse kompositorische Stringenz (a.k.a. Eingängigkeit) keinen Gegensatz darstellen, sondern, gekonnt dargeboten – und das ist hier definitiv der Fall – eben genau dieses Feuer der Leidenschaft entfachen können, das Retro-Rock braucht, um wirklich cool zu sein. Kracher wie „Driving Me Insane“ oder die lässige Ballade „Death Hymn Blues“ sind genau das: Cool. Leider kann nicht das komplette Album diesen Standard halten, aber im Großen und Ganzen geht „Under The Spell Of Joy“ schon sehr in Ordnung.

Wer also etwas mit HYPNOS 69, BLUE CHEER oder den schon erwähnten RADIO MOSCOW und JIMI HENDRIX anfangen kann, darf hier ruhig mal ein Ohr riskieren. Ich persönlich bin gespannt auf eine hoffentlich anstehende Tour. Retro-Rock ist und bleibt nun einmal in erster Linie Live-Musik.

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