Band Filter

JUDGEMENT DAY - 40 Minutes to Impact

VN:F [1.9.22_1171]
Artist JUDGEMENT DAY
Title 40 Minutes to Impact
Homepage JUDGEMENT DAY
Label KARMAGEDDON MEDIA
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

Der Tag der Entscheidung ist für JUDGEMENT DAY tatsächlich gekommen. Zehn Jahre in der niederländischen Death Metal Szene führten zu einer stattlichen Zahl im Eigenvertrieb distribuierter Demos und einer beachtlichen Anhängerschaft im Untergrund, aber nur einem einzigen vollwertigen Album, nach dessen Veröffentlichung die Band in alle Richtungen zerfaserte und sich über den Zeitraum von drei Jahren nur ganz allmählich wieder zu einem funktionstüchtigen Körper zusammensetzte. Wenn man nun mit einem neuen Werk auf der Matte der Öffentlichkeit steht, dann dürfte klar sein, dass man nach den vorangegangenen Mühen endlich die noch ausstehende Belohnung für jahrelange harte Basisarbeit erhalten möchte. Und dass man nicht zum Spaß gekommen ist.

Vergessen wir einmal „Deep Impact“, vergessen wir „Armageddon“ und vergessen wir obendrein ungefähr um die tausend andere B- und C-movies, die sich mit einem auf die Erde stürzenden Asteroiden beschäftigen und tun so, als sei die für ihr Comeback-Werk gewählte Thematik originell und inspirierend. Dann wäre ihre Umsetzung leider dennoch wenig spannend und von erschreckender Inhaltsleere. Vierzig Minuten hatten die Niederländer, um vor dem geistigen Auge des Hörers ein schillerndes Panorama zu pinseln, eine Geschichte zu erzählen oder eine Kette freier Assoziationen zu initiieren. Stattdessen begnügt man sich damit, das nahende Unheil in einer Vielzahl fast deckungsgleicher Szenarien stets aufs Neue anzukündigen und streut, der guten Gesellschaftskritik wegen, gelegentliche Seitenhiebe auf Fernsehen und Egoismus ein – das hätte man sich bei einem Album, das mit den Pyramiden und den Priestern von Angkor anhebt, doch ein wenig aufregender vorgestellt. Da die hier versammelten Stücke zu einem bedeutenden Teil bereits einige Jahre auf dem Buckel haben, muss man somit davon ausgehen, dass sie mehr schlecht als recht in ein lyrisches Zwangskorsett gepresst wurden, welches ihnen regelmäßig die Luft abschnürt. Was um so bedauerlicher ist, als JUDGEMENT DAY auch in neuer Besetzung musikalisch noch einiges zu bieten haben. Gelegentliche Blast-Parts kreuzen wie brennende Meteore die ruhigen Bahnen ausschweifender Riffs, taktische Tempowechsel steuern das Schiff behutsam, doch auf stetem Kurs durch den Kometenhagel und trotz der anstehenden totalen Katastrophe scheut man auch das Experiment nicht: Man höre zum Beispiel die Hand in Hand marschierenden Bass- und Gitarrenläufe des neurotisch quängelnden „A Soul so pure“. Im Studio hat die Gruppe selbst Hand angelegt und einen extrem trockenen, doch niemals klinisch klingenden Sound kreiert, der die Vocals und Äxte eindeutig in den Mittelpunkt stellt und der eine willkommene Abwechslung zu den sehr effektbetonten und unmenschlich harten Produktionen der letzten Zeit darstellt.

Vielleicht eher eine verpasste Gelegenheit demnach als eine richtige Enttäuschung, denn wer das Booklet für die Dauer dieses Albums (vierzig Minuten, selbstverständlich) zur Seite legt, bekommt einen stellenweise eigensinnigen und fesselnden Happen Death Metal serviert, der manchmal etwas anachronistisch, niemals aber altmodisch daherkommt und gerade für frisch Infizierte einen willkommenen Einstieg ins Genre bietet. Wenn jetzt auch noch ein paar ihrer alten Fans die Treue gehalten haben, dürften JUDGEMENT DAY die Richter auf ihrer Seite haben.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu JUDGEMENT DAY