Band Filter

JULI - In Love

Artist JULI
Title In Love
Homepage JULI
Label ISLAND/ UNIVERSAL
Leserbewertung

Gegenüberstellung. Warum ich JULI mag und SILBERMOND vehement ablehne. Beide Weiblich-frontierten Bands fingen einmal auf derselben Basis an, die sich radiokompatibler Pop Rock nannte. Nun, radiokompatibel sind beide Combos zweifelsohne immer noch, doch während die Bautzener sich immer mehr in Richtung stampfender Parolen und breitbeiniger hohler Phrasen entwickelten, entdeckten die Hessen eine Art leiser Melancholie und nunmehr auch die Welt der Elektronik. Somit verweilt man irgendwo zwischen der eigenen Herkunft, MIA. und KLEE, ein Bermudadreieck der durchaus angenehmen Einflüsse. Ein Schuss Avantgarde in Punkto Cover und Songgestaltung, fertig sind 12 nette kleine Befindlichkeitslieder ohne falsches Pathos.

Mit dem Opener „Immer wenn es dunkel wird“ gibt man die Marschrichtung vor: Treibend und gefühlvoll zugleich, nette Soundspielereien, nur selten eckt man wirklich mit beliebiger Lyrik oder merkwürdigen Metaphern an. „Süchtig“ gibt sich kantiger, kann aber nach ein paar Durchläufen ähnlich überzeugen. Auf dem Fuße folgt mein absoluter Liebling – „Eisenherz“ hat zum Glück nichts mit JOACHIM WITT zu tun, dafür sehr viel mit emotionalem Songwriting nah an der Perfektion. Eine Melancholie, die schon weitab des Mainstreams zu verorten ist, fast etwas zu mutig für die „normale“ Hörerschaft, ohne dass ich überheblich klingen will. Im Gegensatz dazu steht die Vorab-Single „Elektrisches Gefühl“, die zwar die neue „Marschrichtung“ bereits im Titel trägt, mir aber zu sehr im Fahrwasser von LENA MEYER-LANDRUT schwimmt, die Rhythmik in den Strophen ist geradezu anbiedernd. Kommerziell verständlich, aber das haben JULI heutzutage eigentlich nicht mehr nötig. Ansonsten hält man die Balance aus Optimismus und Schwermut, aus Rock und jetzt hätte ich fast gesagt Wave, nun nennen wir es Elektro Pop. Auch wenn man mittels „Jessica“ auf die Schattenseiten des Show Business hinweist.

Eva Briegel klingt selbstbewusster und variabler denn je, 4 Jahre haben Sie und die Band – Achtung Floskel – reifen lassen, menschlich wie künstlerisch. Natürlich ist das hier noch nicht Arthouse, hin und wieder wird es auch mal beliebig, aber wer auf emotionale und gleichsam eingängige Musik mit etwas Tiefgang steht, wird möglicherweise ein kleines Liebesverhältnis mit dieser sehr gelungenen Scheibe eingehen.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu JULI