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JULIA - Songs about Decay

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Artist JULIA
Title Songs about Decay
Homepage JULIA
Label MONKEY MUSIC
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Österreich steht Kopf! Wie in vielen kleinen Ländern reicht schon die Aussicht auf einen neuen Nationalstolz vollkommen aus, um einen Sturm der Begeisterung auszulösen. Am Beispiel der Niederlanden kann man trefflich beobachten, wie sich eigentlich mediokre Formationen wie die Post-Grunger und U2-Adepten KANE in millionenschwere Sensationen verwandeln, deren morgendliches Rasieren zur Schlagzeile in den Abendnachrichten aufsteigt. JULIA scheint nun in und um Wien das selbe zu passieren. Nicht genug, dass die großen Radiosender die aktuelle Single umgehend auf Rotation setzen und sich die Indiepresse mit Lobeshymnen zu überbieten trachtet, hat auch schon die Boulevardpresse erstes Interesse angemeldet. Obwohl wir unseren Nachbarn in Sachen Geschmack angesichts von Kaiserschmarrn, Sachertorte und einer zünftigen Melange eigentlich trauen, dürfte ein gesundes Maß an Skepsis angesichts einer derart geballten Euphorie angebracht sein.

Dieses um so mehr, als sich die Songs wieder einmal aus dem großen Baukasten vom EmoCore und Pop-Punk zu bedienen scheinen. Selbst für die eigentlich selbstbewussten SPARTA oder talentierte Neulinge wie A HARD DAY’S WORK wird die Luft in der Presse- und Publikumslandschaft dünn und der Abnutzungseffekt der ewiggleichen Riffs und Schemata macht sich allmählich bemerkbar. Der erste Eindruck wird zusätzlich noch durch einen Sänger mit einer wenig charakteristischen Stimme geschmälert, dessen Organ in den einleitenden Stücken auch noch äußerst präsent in den Vordergrund gemischt wurde – wohl, um die Gitarrenbreitseiten nicht all zu hart aufprallen zu lassen. Dunkel genug, um nicht zu Zuckerwatte zu gerinnen, doch hart genug für den Indietanzschuppen mutet die Produktion zunächst wie ein weiterer lauwarmer Kompromiss an. Doch daran, dass andere sich gleicher Mittel bedienen, sind JULIA nicht schuld und daran, dass man sich die Ohren erst mal von dem ganzen mittelmäßigen Schund und der Hintergrundbeschallung für schlechte amerikanische Teeniekomödien freipusten lassen muss, auch nicht. Die ersten beiden Titel biedern sich zumindest nicht an und schon das mit schönen Akustikgitarren ausstaffierte „Estelle“ deutet bereits auf das Gute, das noch kommen soll: Hypnotische Saitenarbeit in den Strophen, die sich in niemals zu plakative Eruptionen entladen sowie abwechslungsreiche und stromlinienförmig arrangierte Songs. „Miosis“ kommt sogar fett aufgebrezelt daher und ist mit magnetischem Metronom und einem krachenden Refrain der Höhepunkt der Scheibe und der Hit, den sich die Plattenfirma nicht als Single auszukoppeln trauen wird. An viele der anderen Chorusse muss man sich erst gewöhnen, doch hat man sich erst einmal auf sie eingelassen, geben sie einen nicht mehr frei. Das gilt zum Beispiel für „Distance“, das man schon als missglückten Versuch in Sachen Metal abstempeln möchte, ehe einen die Hooks doch noch gefangen nehmen. Lediglich die letzten drei Nummern gehen dann nicht mehr so richtig ab und die pflichtmäßige und hölzerne Medienkritik in „Bulletproof“ hätte man sich getrost schenken können.

Doch die vielen Glücksmomente, die dieser vorangehen, kann auch das etwas unbefriedigende Ende nicht wieder auslöschen. „Songs about Decay“ ist ein verdammt starkes Debüt mit der richtigen Menge an starken Songs und einigen gewagten Experimenten, welche die Zukunft angenehm undefiniert und spannend erscheinen lassen. Soll die Band demnächst doch Interviews mit der Bild geben, bei Stefan Raab auftanzen und im Media Markt Autogramme verteilen! Wenn dies der neue Mainstream sein könnte, verdienen JULIA unsere vollste Unterstützung.

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