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JUNESEX - So fucking chic

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Artist JUNESEX
Title So fucking chic
Homepage JUNESEX
Label POPUP RECORDS
Leserbewertung
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Jetzt wo der Hype endgültig tot ist, darf man es ungestraft sagen: Electro Clash war keine so besonders tolle Sache. Leichenblasse, auf 80’er Jahre gestylte Pseudopunks, die zu einfallslosen Beats schief schlechte Texte intonieren – schon auf dem Papier hörte sich das nie wirklich nach einer guten Idee an. In Berlin soll es angeblich noch ein oder zwei Clubs geben, in denen man dazu tanzt, doch kann man dort wohl auch weiterhin Club-Zigaretten kaufen. COBRA KILLER wurden zur Lieblingsband des jüngsten Sprosses der allmählich nervenden Kim Gordon, schütteten sich auf der Bühne mit Rotwein zu und erdrosselten Nichtsahnende mit ihren Brüsten. Das reichte noch für einen Artikel in der Intro, doch danach dürfte endgültig Schluss sein. Wenn man deshalb die Vergleiche von JUNESEX mit den CHICKS ON SPEED liest, will man bereits abwinken: Zu spät, zu spät!

Und das ist nicht einmal völlig falsch, denn die noch immer Spuren nach sich ziehende EFA Pleite überrollte auch diese Band und zwang Pop Up Records, die Aufnahmen ein gutes Jahr verschlossen im Keller liegen zu lassen (oder wo auch immer sie die aufbewahren). Doch verdammt schick ist die Platte trotz Verzögerung. Was natürlich daran liegt, dass sie aus Frankreich kommt. Dem Akzent der Beteiligten hört man das (leider!) gar nicht an, doch der ganze Rest stimmt, nämlich das mit der Liebe, dem Herzflattern, der Feinsinnigkeit und der Melodik. Cliches, na klar, aber von der Sorte, die begeistert. Der Sache nicht abträglich ist darüber hinaus, dass man nicht erneut den bizarren und offengestanden stinkend langweiligen Ausgeburten des süßen kleinen Kopfes einer MISS KITTIN lauschen muss, sondern hier die volle kreative Ladung zweier Pariser Pärchen bekommt. Frisches Schublädchen, öffne Dich: SwingerClash! Für die unbedarften und noch unter 16-Jährigen unter den Lesern sei kurz erklärend angemerkt: Das bedeutet, dass es hier ausschließlich ums Vögeln geht (mit der Ausnahme des Openers „Burger Gravity“, denn der beschäftigt sich mit dem schnellstmöglichen Umdrehen von Buletten). „I raise my head to watch your eyes, considering the things you do/ Right there, right in between her thighs, right in her sweet spot“ gelüstet es die Sprecherin in “A Finger or Two” und ein Track heißt gleich “Bodily Fluids on the Carpet”. Doch so eindeutig die Worte, so sinnlich die Musik. Die Hibbeligkeit und Hypernervosität ist hier niemals billiger Selbstzweck, sondern dient der Herausstellung von Trance und Versenkung. Und zu „Gets close to mine“ kann man sogar tanzen! PEACHES dürfte ganz schön eifersüchtig werden, denn obwohl JUNESEX bedeutend subtiler und lockerer zu Werke gehen, ist die Wirkung deutlich erotischer und energetischer. „I know what boys like“? Das glaubt man sofort!

So funktioniert „So fucking chic“ auf mehreren Ebenen, auf jeden Fall aber zum entspannten Mitwippen im Club und zum konzentrierten Hören zuhause. Auch kommt das Album herrlich breit gefächert und in alle Richtungen offen daher: „Ride my Ghost“ geht als Statement zu eiskaltem, maschinoidem Techno durch, während die Band gegen Ende beweist, dass es auch gänzlich ohne Beats geht. Es gehört schon eine gehörige Portion üblen Willens dazu, das als Opportunismus oder schnelles Abkassieren abzustempeln. Es ist noch Platz in JUNESEX’ Schlafsack. Wer jetzt nicht dazukriecht, ist selbst schuld.

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