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KAGEROU - Kurohata

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Artist KAGEROU
Title Kurohata
Homepage KAGEROU
Label GAN-SHIN-RECORDS
Leserbewertung
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4.0/10 (3 Bewertungen)

Musik aus Japan ist wohl für die meisten von uns ein Buch mit sieben Siegeln – irgendwie schwebt vor meinem geistigen Auge immer ein zierliches Mädchen, das sentimentalen Singsang unters Volk verbreitet. Die mir vorliegende CD von KAGEROU, was übersetzt „kurzlebiges Insekt“ bedeutet und die außerdem mit Daisuke einen Herzkranken, der im Booklet wie Ville Vallo für japanische Schuluniformkids wirkt, am Mikro haben, scheint ja bereits beste Voraussetzungen für emotional zerbrechliche Musik zu bieten. Bei emotional und zerbrechlich liegt man durchaus richtig – jedoch verarbeitet Daisuke diese Adjektive anders als erwartet, mit rockigen Klängen in den unterschiedlichsten Bandbreiten von bluesigen Poprockern („Lily“) und melodischen Rockballaden („Shizumu sora“) über rumpelnde Stonerrocker („Tonarimachi no kanojo“) bis hin zu brutal schmetternden, an NINE INCH NAILS erinnernden CoreRiffs („Seisai to hangyaku“). Dank des deutschen Vertriebs von Gan-Shin Records muss man nicht mal des Japanischen mächtig sein, um des Fronters emotionale Labilität zu erfassen – eine Übersetzung der Untiefen seiner Seele in Deutsch und Englisch liegt dem Silberling bei.

Hierbei dreht es sich vorrangig um die Schmerzen der Liebe, die Daisuke in formelhafte Lyrics verpackt und dabei viele Fragen stellt. Wird aber auch deutlich, wenn er beim Punkklotzenden „Baito no yuuutsu“ plärrt: „Ich trage nur modische Sachen von Kopf bis Fuß und wandle unsicheren Schrittes – Nirgendwo gibt es mehr Echtheit und ich will das nicht einmal“. Durch Daisukes emotionale Entgleisungen gerät das Album zu einem äußerst abwechslungsreich gestalteten, oftmals in chaotische Passagen ausbrechenden Prunkstück. Ob man nun im Speedmetalgewitter von „Shitsuren toiu na no mujou“ den Trennungsschmerz verarbeitet, das Gehör an die in gängigen Emocore-Hooks watenden Refrains von „Rakka suru yunne“ hängt (und dabei erhobenen Hauptes den Mittelfinger streckt) oder die saugenden Bässe von „Aka no Kyoshoku“ inhaliert – die rockende Vielfalt der 13 Songs auf „Kurohata“ begeistert. Daisukes gesangliche sowie die stimmig packende instrumentale Umsetzung seiner Texte lässt letztendlich nicht nur einmal mitleidend die Faust gen Himmel recken.

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