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KASSETTE - Far

VN:F [1.9.22_1171]
Artist KASSETTE
Title Far
Homepage KASSETTE
Label VITESSE RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.5/10 (2 Bewertungen)

Ein Blick auf das düstere Album-Cover genügt, um sich vorzustellen, dass Laure Betris nicht unbedingt auf radiotaugliches Feelgood-Pop-Geträller abonniert ist. Tatsächlich verliebte sich die Schweizerin mit irakischen Wurzeln bereits mit 15 in die Rockmusik und brachte zunächst mit ihrer Girlband SKIRT die zwielichtigen Clubs des Landes zum Brodeln. Irgendwann entdeckte die Dame schließlich, dass es hinter den massiven Gitarrenwänden auch noch subtilere Melodien zu entdecken gab und begann eigene Stücke zu komponieren.

„Far“ ist inzwischen das dritte Solo-Album von Laure Betris aka KASSETTE, das elf dunkle, spannungsgeladene Songs enthält und innerhalb weniger Tage gemeinsam mit verschiedenen Künstlern live aufgenommen wurde. Bei den anfänglich reduzierten Klängen des Openers „Lost Hills“ mag man noch denken, hier würde nur ein wenig akustisch rumgeklampft, doch dieser Eindruck täuscht. Schon bald kommt es zu ersten eruptiven Ausbrüchen. Dem schließt sich „Dream Again“ mit grummelnden Sechssaitern und Assoziationen von nächtlichen Autofahrten auf menschenleeren Highways an, bevor „Visit Me“ zum nächsten wuchtigen Rundumschlag ausholt. Der Titeltrack „Far“ pumpt Heartbeat-Klänge und halligen Gesang in Slow Motion durch die Boxen – für meinen Geschmack hätte der Spannungsbogen hier etwas ausgeprägter sein dürfen, aber zu diesem Zwecke kommt dann das druckvolle „Dead End“ wieder ins Spiel, bevor „Under Cover“ in verstörende Untiefen entführt. „By The Sea“ setzt auf Orgelsounds und ein reduziertes Tempo, das sich auch bei We Go“ wiederfindet, wenngleich hier im leicht dissonanten Chorus mitunter auch aufs Gas gestiegen wird. „Big Sur“ besinnt sich wieder auf die krachenden Kernkompetenzen des KASSETTE-Kosmos, während das scheppernde „Questioning“ noch einmal eine kleine Akustik-Verschnaufpause einlegt und das finale „Imori (Tell Me)“ auf Chaldeanisch – ein nordirakischen Dialekt – performt wird.

Laure Betris ist immer dann am besten, wenn sie etwas Geheimnisvolles umweht. Die Dame braucht außerdem unüberhörbar nach wie vor die lauten Gitarren, Stillstand scheint nicht wirklich ihr Ding zu sein. „Far“ ist abwechslungsreich und von einer instrumentalen Schlichtheit, die Platz lässt für die dichten Soundstrukturen der Musik. Eine gewisse Nähe zu PJ HARVEY ist nicht von der Hand zu weisen, aber auch da gibt es definitiv schlimmeres.

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