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KELLERMENSCH - s/t

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Artist KELLERMENSCH
Title s/t
Homepage KELLERMENSCH
Label VERTIGO
Leserbewertung
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7.8/10 (16 Bewertungen)

Warum nennt sich eine dänische Band KELLERMENSCH? Weil es einen Roman von Dostojewski gibt, der „Aufzeichnungen aus einem Kellerloch“ heißt, aber auch unter dem Titel „Kellermensch“ bekannt ist. Den Originaltitel kann man am besten mit ”Notizen aus dem Untergrund” übersetzen und das trifft es für die Musik der KELLERMENSCHen eigentlich wirklich gut – mal ganz abgesehen davon, dass das Buch für die 2006 in Esbjerg gegründete Band nach eigenem Bekunden sehr wichtig war und ist.

Stilistisch lässt sich das Sextett kaum in irgendeine Genre-Schublade packen. Da vereinen sich Doom-Metal, Sludge, Industrial und folkig angehauchter Rock – gespielt gleich mit zwei Gitarren und zwei Stahlsaitern, wobei natürlich auch ein Schlagzeug nicht fehlen darf und bisweilen auch zarte Geigen und treibende Orgelklänge auf stramme Gitarrenriffs und drängende Basslinien treffen. Gesanglich changiert das Ganze zwischen Metal-Gegrowle und Indierock-Lässigkeit – eine Bandbreite, die auch schon mal schwindelig machen kann. Nicht so bei KELLERMENSCH, denn die wissen die unterschiedlichen Einflüsse geschickt aufzunehmen und so findet sich in ihrem Sound die Traurigkeit von JOY DIVISION, die Coolness eines NICK CAVEs, die Erhabenheit NEIL YOUNGs, die Avantgarde der EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN oder auch die manische Getriebenheit von NEUROSIS wieder. Als Beispiel sei hier das fantastische „Moribund Town“ genannt, das sich unausweichlich ins Hirn frisst und umgehend gefangen nimmt. Mit dem druckvoll-eingängigen „Army Ants“ konnte der Sechser bereits einen kleinen Hit verbuchen, während „Nothing Left“ wieder eine dieser Nummern ist, die sich langsam, aber unaufhaltsam entwickeln. „The Day You Walked“ gefällt mit düsteren Streichern, die auf dunkle Vocals und stoisch-reduzierte Harmonien treffen, die sich am Ende eruptiv entladen und im brachialen Midtempo von „Dead End“ fortsetzen. Einer meiner Favoriten ist die leise Pianonummer „Narcissus“ – ein weiterer Beweis für die Wandlungsfähigkeit der KELLERMENSCHen, die auch beim groovenden „Black Dress“ bestens zum Ausdruck kommt. „All Time Low“ beginnt zunächst sehr zurückhaltend, um dann mit viel Geschrei und Getöse in die Vollen zu gehen, während „Rattle The Bones“ von Anfang an Druck macht. Massive metallische Gitarrenwände gibt’s schließlich noch bei „Don’t Let It Bring You Down“, ehe das finale „30 Silver Coins“ noch einmal versöhnlichere Töne anschlägt.

KELLERMENSCH sind wie eine musikalische Sonnenfinsternis: Kalt-warm im Wechselspiel, dunkelschön, aber strahlend zugleich – eine absolute Rarität halt. Denn nur selten passiert es so wie im Falle der sechs Dänen, dass sich Sound, Style und Attitüde zu einem perfekten Ganzen zusammenfügt. So richtig blühen die Herrschaften übrigens live auf, das Spektakel sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen!

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