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KETTCAR - Gute Laune ungerecht verteilt

Artist KETTCAR
Title Gute Laune ungerecht verteilt
Homepage KETTCAR
Label GRAND HOTEL CAN CLEEF
Leserbewertung

Marcus (Gesang & Gitarre) und Lars (Keys & Gesang) Wiebusch, Christian Hake (Drums), Erik Langer (Gitarre & Gesang) sowie Reimer Bustorff (Bass & Gesang) haben sich lange Zeit gelassen mit „Gute Laune ungerecht verteilt“, der sechsten KETTCAR-Platte. Sieben Jahre sind vergangen seit „Ich vs. Wir“ erschienen ist. In der Zwischenzeit ist vieles passiert. Corona ist über uns hereingebrochen, Querdenker sind aus ihren Löchern gekrochen, ein unheimlicher, oft anonymer Hass scheint allgegenwärtig. Genauso wie der Krieg, der jetzt schon seit mehr als zwei Jahren in der Ukraine tobt und seit Oktober letzten Jahres auch die Menschen im Nahen Osten im Griff hat. Da ist es kaum zu erwarten, dass die 2001 gegründete Indie-Kapelle sich mit Allgemeinplätzen und netten Melodien aufhält.

Ein Eindruck, den gleich der Opener „Auch für mich die 6. Stunde“ unterstreicht. Die Musik ist vielschichtig, die Texte von Marcus Wiebusch sind nachdenklich. Mit der Single „München“ kehrt ein wenig Post-Punk und BUT-ALIVE-Vibe ein, für den Chris Hell von FJØRT mit hinterm Mikro stand. Es geht um Alltagsrassismus, die Lyrics stammen aus der Feder von Reimer der neben Marcus zum zweiten Songwriter avanciert ist und 2002 zusammen mit ihm und THEES UHLMANN das Label Grand Hotel van Cleef gegründet hat. Das beschwingte „Doug & Florence“ erzählt von der Machtübernahme der Pflegerinnen und Paketzusteller, bevor „Rügen“ mit viel Temperament vom Elterndasein berichtet. Treibender Sprechgesang begleitet „Kanye In Bayreuth“ und die Frage, ob man zwischen dem (bösen) Menschen und seiner (guten) Musik trennen kann, ob Cancle Culture tatsächlich der richtige Weg ist. „Blaue Lagune, 21:45 Uhr“ ist weit von einem Ort entfernt, an dem Wellness an erster Stelle steht, sondern erinnert in bester KETTCAR-Manier an falsche Entscheidungen. Gleiches gilt auch für „Wir betraten die Enterprise mit falschen Erwartungen“, nur das hier einer zerbrochenen Beziehung gedacht wird. THEES UHLMANN hat einen Song über „Das Mädchen von Kasse 2“ gemacht, bei KETTCAR gibt es das nachdenkliche „Einkaufen in Zeiten des Krieges“: ein Blick in den Supermarkt als Mikrokosmos der Gesellschaft. „Was wir sehen wollten“ steckt ebenfalls voller Melancholie, aber auch einer guten Portion Hoffnung, während bei „Bringt mich zu eurem Anführer“ die Schwermut überwiegt und „Zurück“ sich auf akustischen Minimalismus beschränkt. Gefolgt vom erstaunlich schwungvollen Closer „Ein Brief meines 20-jährigen Ichs (Jedes Ideal ist ein Richter)“, das sich mit den Idealen und Ambitionen auseinandersetzt, die sich womöglich in zweieinhalb Jahrzehnten abgenutzt haben.

„Gute Laune ungerecht verteilt“ ist ein Album, das die volle Aufmerksamkeit seines Hörers/seiner Hörerin verlangt. Die Texte sind eindringlich und der KETTCAR-Sound abwechslungsreich. Hier ist ein Band am Start, die keinerlei Abnutzungserscheinungen zeigt und die Zeit ganz offenkundig gut genutzt hat. Im April geht es auf Clubtour und den Sommer will der Fünfer mit seinen Fans auf diversen Open-Air-Bühnen verbringen. Das wird großartig!

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