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KEVIN COSTNER & MODERN WEST - Untold Truths

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Artist KEVIN COSTNER & MODERN WEST
Title Untold Truths
Homepage KEVIN COSTNER & MODERN WEST
Label UNIVERSAL SOUTH
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Wenn Schauspieler anfangen zu singen, ist das häufig so eine Sache… Aber da Mister Costner in „Der mit dem Wolf tanzt“ bewiesen hat, wie schön er ums Feuer fegen kann, wollen wir mal annehmen, dass ihm die Musik im Blut liegt und die musikalischen Fähigkeiten des Schauspielers, Produzenten und Regisseurs mal näher unter die Lupe nehmen. Und siehe da: Als Kind hatte der Frauenschwarm Klavierunterricht, sang im Kirchenchor und hatte Anfang der Neunziger sogar eine Nummer-Eins-Single in Japan! Zu diesem Zeitpunkt war er allerdings schon in Hollywood ein gefragter Mime, so dass die Musik immer mehr in den Hintergrund rückte. In den letzten Jahren ist es eher ruhig geworden um den 54-jährigen und die ganz großen Kinoerfolge liegen auch schon ein paar Jahre zurück, weshalb er jetzt dem Drängen seiner deutschen Frau Christine Baumgartner nachgab und die Leinwand gegen die Konzertbühne tauschte.

Für seine „Untold Truths“ trommelte Costner seine Band von damals wieder zusammen und gemeinsam wurden zwölf Songs zwischen Country und Rootsrock aus der Taufe gehoben. Was soll ich sagen? Gleich der Opener, mein Favorit „Long Hot Night“ zerstreut meine anfänglichen Bedenken, auch wenn ich mit der Gesangsstimme erst einmal warm werden musste. Irgendwie bleibt im Hinterkopf doch immer die deutsche Synchronstimme von Frank Glaubrecht, die man nun einmal aus dem Kino kennt. Aber der Song macht wirklich Laune, sofern man denn amerikanischer „Volksmusik“ etwas abgewinnen kann. Die Platte könnte nämlich problemlos in einer Endlosschleife in jeder Kneipe irgendwo im ländlichen Teil der USA laufen. In diesem Genre ist KEVIN COSTNER jedoch gut aufgehoben und seine Americana-Liebeserklärungen an schnelle und alte Autos („90 Miles An Hour“ & „Backyard“) sind wirklich ordentlich gemacht. In „Down In Nogales“, einer Romanze an der mexikanischen Grenze, kann man die Luft Arizonas regelrecht riechen und dank seines Prominentenbonus sollte sich das Album in der Heimat auch verkaufen lassen. Hierzulande wird die Fiedel beim flotten „Hey Man What About You“ oder dem emotionalen „Superman 14“ wohl nicht ganz so viele Leute begeistern können und auch die eingängigen Mundharmonikaklänge von „Every Intention“ werden es trotz der unermüdlichen Bemühungen von Bands wie TEXAS LIGHTNING und THE BOSSHOSS nicht bis ins Herz des deutschen Mainstreams schaffen. Dazu bleibt der Sound für unsere Ohren zu speziell, wobei KEVIN COSTNER und MODERN WEST durchaus solides Handwerk abliefern. Etwa das gut gelaunte „5 Minutes From America“, bei dem die Geige von Bobby Yang wieder zu Ehren kommt oder den Schmachter „The Sun Will Rise Again“. Überhaupt sind auf „Untold Truths“ allerhand Balladen vertreten, die der Vermutung Nahrung geben, dass besonders weibliche Käufer vom blauäugigen Akustikgitarristen angesprochen werden dürften. Damit die Herren der Schöpfung sich jedoch nicht langweilen, gibt’s zum Schluss mit „Gotta Get Away“ noch mal etwas mit mehr Drive und ein wenig „Gejaule“, das an den Wolf „Socke“ aus Costners größtem Kinoerfolg denken lässt.

Eine Goldene Himbeere muss Costner diesmal wohl nicht fürchten. Stilistisch bleibt er seinem Lieblingsgenre verbunden und beweist damit auf jeden Fall Authentizität. Die Songs auf „Untold Truths“ versprühen zudem Spielfreude und bringen die nötige Portion Professionalität mit, die beim einen oder anderen Schauspielkollegen leider fehlt, wenn der oder die sich ans Mikro wagt.

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