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KID ROCK - Rebel Soul

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Artist KID ROCK
Title Rebel Soul
Homepage KID ROCK
Label WARNER MUSIC
Leserbewertung
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5.2/10 (5 Bewertungen)

Vor langer, langer Zeit, als GUNS N’ROSES gerade ihren Siegeszug antraten, prägte irgendein Kollege beim MusikExpress, dessen Name mir leider nicht mehr einfällt, den schönen Spruch, Axl Roses Gesang höre sich an „wie eine Ziege, die in einen Blecheimer pinkelt“. Komischerweise fällt mir dieses Zitat auch immer ein, wenn KID ROCK ans Mikrofon tritt. Hier übrigens bei Album Nummer neun, das nach eigenem Bekunden „wie eine Art Best-Of von KID ROCK klingt, nur mit neuen Songs“. Das stimmt insofern, dass jeder Song tatsächlich genau so klingt, wie man erwartet hätte.

Will heißen: Der Junge aus Detroit macht das, womit er in den letzten Jahren auch schon recht erfolgreich Geld verdient hat – er stöbert die Rockgeschichte nach narrensicher erprobten Elementen durch, bedient sich bei Country und Südstaaten-Rock, kramt für die Texte jedes noch so abgehangene Rockklischee raus, von Honkytonk über den Good time Rock’n’Roll bis zur Sweet Sixteen, und haut dann noch eine ordentliche Portion Muscle-Shoals-Sound über das Ganze. Dass sowas funktioniert, weiß er spätestens, seit er für „All Summer Long“ LYNYRD SKYNYRD verwurstete und damit einen Mainstream-Radiohit verbuchen konnte. Wobei ja grundsätzlich gar nichts gegen einen Griff in die Retro-Kiste zu sagen ist, wenn man ein kleines Bisschen ironische Distanz walten lässt. Ironie geht Mr. ROCK allerdings völlig ab: Er will „echt“ sein, von wegen, „if it’s real, you’ll feel it“, wie es im Booklet heißt. Und er ist eben echt gerne Redneck, weil die echten Rednecks nämlich auch total „real“ sind, wie er in „Redneck Paradise“ völlig ironiefrei singt. Das hört man leider auch.

Handwerklich ist das natürlich alles gut gemacht, keine Frage – wobei der Vocoder-Einsatz bei „Let’s Ride“ oder „The Mirror“ den Nachweis bringt, dass so ein Effektgerät den Ziegenblecheimer zwar verändert, aber nicht verbessert. „The Mirror“ zeigt zudem, dass KID ROCK keine Balladen kann, woran allerdings neben der allgemeinen Gefühlsbefreitheit vor allem das grottige Gitarrensolo schuld ist. Ansonsten ist „Rebel Soul“ immer dann ganz nett, wenn die Classic-Rock-Anleihen einigermaßen ungefiltert rausgehauen werden und eher in RICHTUNG STONES zurzeit von „Let It Bleed“ gehen und weniger in Richtung AEROSMITH meets RUN DMC. Richtig klasse sind dabei die Backing-Sängerinnen, die zeitweise für ein wirklich schönes Old-School-Feeling sorgen. Ansonsten besteht die Platte aus einer extrem vorhersehbaren Sammlung von Standard-Rocksongs und radiotauglichen Popnummern wie „Midnight Ferry“, ergänzt um Quoten-Blueser wie „Cocaine And Gin“ und die eine oder andere Ballade. Aufregend geht anders.

Aber trotzdem, laut Albumtitel versteht sich der Künstler ja offenbar als rebellische Seele. Eine, die sich im CD-Booklet im gediegenen Plüschsessel neben einem Damhirsch abbilden lässt. Lieber KID ROCK, Rebellion geht auch anders.

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