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KILLING JOKE - Hosannas from the Basements of Hell

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Artist KILLING JOKE
Title Hosannas from the Basements of Hell
Label EDEL
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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9.7/10 (3 Bewertungen)

Es war mal wieder eine Freude, Jaz Coleman Galle spucken zu sehen: Miesepetrig an seiner Selbstgedrehten lutschend geiferte der alte Giftzwerg über die zunehmend von der Wirtschaft gelenkten Massen, über „Corporate Festivals“, über Dummheit und Ignoranz. Und über die Vorzüge der tribalen Demokratie Neuseeland, in der er seit Jahren wohnt, die großen Philosophen studiert und Symphonien schreibt. Als Fan hört und sieht man so etwas gerne, weil sich in einer Welt des ewigen Konsens’ und der Vernunft doch niemand mehr die Welt derart in Schwarz und Weiß einzuteilen traut. Und, vor allem, weil die Wartezeiten zwischen den musikalischen Verlautbarungen so lang sind.

Was kann man schon über „Hosannas“ schreiben? Dass sie wieder mal brutal, gnadenlos und komplett manisch geraten ist? Zwischen Genie und Wahnsinn balanciert? Genauso klingt wie alle anderen KILLING JOKE Alben? „The Joke“ haben sich im Laufe ihrer Karriere eingreifender verändert als MADONNA und sind doch immer gleich geblieben: Der Proto-Punk mit Discoanflügen aus der Frühphase, der tanzbare Proto-Gothic der 80er und der industrielle Proto-Metal mit Technobeats aus den 90ern, sie alle tragen ein komplett eigenes Gewand und bedecken damit doch immer wieder nur den selben narbenübersäten Körper und das immerwunde Organ von Jaz Coleman. Gegenüber den rüden und rudimentären Anfangstagen hat sich einiges getan, doch egal was für eine Hochglanzproduktion man sich auch leisten mochte, die Band klang immer wie eine Horde Neandertaler, die sich Gitarre und Bass umgeschnallt hatten. Und dass das patentierte indianische Klopfen auf den Toms des bei jedem Album neuen Drummers noch nicht zum Schlagzeugerwitz geworden ist, muss ein historisches Versehen sein. All das gibt es auch wieder bei der erst (oder „bereits“, je nach Blickwinkel) zweiten JOKE-Platte im neuen Jahrtausend und dennoch gelingt ihnen hier ein Überraschungscoup. Denn nachdem sie sich mit dem vorigen, eigenbenannten Werk selbst entdeckt hatten, wird nun wieder alles in Frage gestellt. „This Tribal Antidote“ eröffnet schwungvoll und untypisch, wie eine überdrehte Version von „White Wedding“, den Reigen aus neun wie immer viel zu langen Songs: Das auf orientalischen Harmonien fast schwerelos dahin gleitende „Invocation“: acht Minuten! Die mit Handclaps und metallischem Grummeln vorpreschende Überhymne „Walking with Gods“: achteinhalb Minuten! Der aggressiv hyperventilierende Veitstanz „Lightbringer“: Fast zehn Minuten! Die Strukturen und Arrangements sind diesmal komplett undurchschaubar, die Gitarren verwaschen und schwammig, flirrend und flüchtig. Ertragen kann man das kaum, unberührt lässt es einen ebenso wenig. Was vor allem daran liegt, dass die Songs mal wieder großartig geraten sind und die Jungs mit dem metallisch harten „Judas Goat“ und der überirdischen Betonballade „Gratitude“ ein atemberaubendes Finale hinlegen.

Der eingangs angesprochene Clip stammt übrigens aus einem Videointerview zur vorigen Platte, würde aber ganz wunderbar auch wieder in die Aktualität passen. Neu ist also wieder mal nichts – alles beim Alten geblieben in der Welt von KILLING JOKE. In den wirren Windungen von „Hosannas from the Basements of Hell“ zeigt sich aber auch, dass innerhalb des schmalen Rahmens, den sich die Band selbst gesteckt hat, noch einiges möglich ist. Und bei allem ewiggestrigen Gezeter sollte man den Mut, der hinter diesem Unterfangen steckt, niemals unterbewerten: Ein paar alte Männer als härteste Band der Welt – In Würde altern ist das gewiss nicht. Unentbehrlich aber sehr wohl.

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