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KILLING JOKE - s/t

VN:F [1.9.22_1171]
Artist KILLING JOKE
Title s/t
Label ZUMA RECORDINGS
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.0/10 (2 Bewertungen)

Der Kreis hat sich geschlossen. 25 Jahre nach ihrem Debüt bringen Coleman & Co. erneut ein titelloses Album auf den Markt und wieder schwadroniert Jaz in seinen Texten von Verschwörungen und dunklen Mächten, führt in Interviews lange Monologe und weiß zu berichten, dass er den ganzen Tag nur seine eigene neue Scheibe höre. Pflichtmäßig holt die Welt sie als Helden heim, doch es ist Respekt, den sie ihnen entbietet, nicht Liebe. Respekt, den die Band sich hart erkämpft hat – die 90’er waren bekanntermaßen gut zu KILLING JOKE und mit „Democracy“ konnten sie ihren Ruf zum ersten Mal wirklich längerfristig konsolidieren.

7 Jahre sind ins Land gezogen und haben die Fußspuren verwischt, von dem, was davon übrigblieb. Die ständige Dekonstruktion scheint zum Konzept dieser Band zu gehören, nicht im Sinne eines bewussten Überdenkens, sondern eher als Verschnaufpause. Es folgten Symphonien, Maorigesänge und Heather Nova und so erwartet man alles, außer den Granateneinschlag des Openers „The Death and Resurrection Show“. Zwei Minuten braucht es, ehe man sich bewusst wird, dass die Marschrichtung die selbe ist wie immer. Es folgen das harte, doch gleichzeitig melodische „Total Invasion“ und der blitzschnelle Kracher „Asteroid“. Die martialischen Drums, Geordies flimmernde Gitarre, Youths brachialer Bass und Colemans geiferndes Schreien und neuerdings röchelndes Flüstern – nichts ist neu, doch alles wirkt so roh und unverbraucht wie ein saftiges Steak beim Metzger. Elemente aus allen Alben kommen zusammen, präzise eingesetzt und nie als Selbstzitat. Die Refrains hauen wieder rein wie auf dem Meilenstein „Pandemonium“, doch es bedarf keiner Schützenhilfe von Goa-Trance Fricklern, um sie in Szene zu setzen. An Selbstbewusstsein hat es KILLING JOKE ja noch nie gefehlt, doch es ist erstaunlich, wie selbstverständlich sie einen versöhnlichen („You’ll never get to me“) und einen fast schon poppigen („Seeing Red“) Song einstreuen, bevor es zum großen Finale kommt: „The house that pain built“ ist ein fast 7-minütiges Brachialbrett mit Metal-Strophe, einer aberwitzigschnellen Punkbridge und einem apokalyptisch-wütenden Refrain. Die Teufelsaustreibung aus „Der Exorzist“? Ein Scherz dagegen.

Man kann die Platte in vielen Punkten hinterfragen: Sind die Texte nicht allzu plakativ oder ganz einfach banale Spinnerei? Muss das alles wirklich sein? Doch wirklich interessant ist die folgende: Würde dieses Album, wenn es ein Debüt wäre, von einer neuen Band, völlig unverdient, ohne Meriten und nur mit dem Hunger, die Welt zu erobern gesegnet, überhaupt Beachtung finden? Und die Antwort lautet: Ja! Ja! Ja! Es hätte die selbe umwerfende, überwältigende, alles hinwegfegende und niederbrennende Wirkung.
Der Kreis hat sich geschlossen, das Rad rollt weiter.

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