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KIMI KÄRKI - The Bone Of My Bones

VN:F [1.9.22_1171]
Artist KIMI KÄRKI
Title The Bone Of My Bones
Homepage KIMI KÄRKI
Label SVART RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
9.3/10 (4 Bewertungen)

Völlig überraschend schiebt ein finnischer Kulturhistoriker kurz vor Silvester noch das schönste Singer-Songwriter-Album des Jahres 2013 rüber. KIMI KÄRKI hat als Gitarrist und Komponist in Finnland schon mit einer Reihe von Bands gearbeitet – darunter Doom-Metaller wie REVEREND BIZARRE. Jetzt geht er erstmals solo an den Start, nachdem er schon eine ganze Weile mit einem Liveprogramm unterwegs ist, das neben Eigenkompositionen auch Material von NEIL YOUNG, JOHNNY CASH und LEONARD COHEN enthielt. Gerade CASH- und COHEN-Fans wird „The Bone Of My Bones“ vermutlich gut gefallen: Zwar kann er stimmlich nicht dieselbe Kraft und Unverwechselbarkeit aufbieten, und gelegentlich liegt seine angenehm helle, aber insgesamt unaufdringliche Stimme auch mal einen kleinen Hauch neben der Spur, aber das tut der Gesamtwirkung dieser Platte keinen Abbruch. Die lebt von der dichten Atmosphäre, die KÄRKI überwiegend mit ganz schlichten Elementen erschafft, vornehmlich mit seiner facettenreichen Gitarre, komplexen Rhythmen, unberechenbaren Melodien und Texten mit Widerhaken.

Die Protagonisten seiner Songs leben in oberflächlich geordneten Verhältnissen, träumen aber von Zerstörung, Hunger und Pestilenz, während im Hintergrund weiche Frauenstimmen seufzen, sie sind „messengers of trouble“ oder sie heißen „free“ und sterben in Gefangenschaft: Nichts ist, wie es oberflächlich scheint. Das Herzstück von „The Bone Of My Bones“ ist „Young Goodman Brown“, dessen Titel einer düsteren Kurzgeschichte von Nathaniel Hawthorne entlehnt ist, während die Musik eine ähnlich angespannte, geheimnisvolle Atmosphäre atmet, wie sie LED ZEPPELIN in „No Quarter“ heraufbeschworen. Dafür genügt KÄRKI seine Akustikgitarre, die er fast wie ein Spinett klingen lässt, ein paar Effekte und die Unterstützung einer phantastischen Backgroundsängerin, deren raue Altstimme ein wenig an MARIANNE FAITHFULL erinnert (bedauerlich, dass auf dem Download nirgendwo geschrieben steht, ob diese gefühlvolle Performance Anna-Elena Pääkkölä oder Pirita Känkänen zuzuschreiben ist, und weder Produktinfo noch Internet hier Aufschluss geben wollen). Geschickte Rhythmuswechsel erhöhen die Spannung zusätzlich – „Young Goodman Brown“ ist ein Song wie ein ganzes Album, ein Monolith, der schon allein die Anschaffung dieser Platte rechtfertigen würde.

„Bone Of My Bones“ mag zurückhaltend produziert und überwiegend leise eingespielt sein (ähnlich wie die frühen Alben LEONARD COHENs kommt sie völlig ohne Schlagzeug aus), aber sie hat dennoch eine dunkel-gewaltige Unterströmung, die dem Doom Metal, mit dem KÄRKI sich früher beschäftigte, von der Stimmung her durchaus nahe kommt. Die dissonanten, gegeneinander laufenden Gitarrenfiguren von „Taxiarch“ (hier auch einmal elektrisch verstärkt) oder die hymnischen, mit Frauenchor verstärkten Melodiebögen von „Archipelago“ haben eine eigentümliche, leise Wucht, die KÄRKIS Album ein ganzes Stück aus den Genregrenzen von Folk und Singer-Songwriter hinausführt. Da klopft nicht nur Doom an oder die alten Weltuntergangspoeten MORRISON und COHEN, es ist auch ein kleiner Hauch der lyrischen Progressive-Rocker (frühe GENESIS oder VAN DER GRAAF GENERATOR) zu spüren, ohne dass auch nur einmal direkte Einflüsse auszumachen wären. Große Kunst, große Songs, guter Mann. Da hätte „Bone Of My Bones“ mit seinen nicht mal 40 Minuten Spielzeit auch gerne etwas länger sein dürfen.

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