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KIND KAPUTT - Zerfall

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Artist KIND KAPUTT
Title Zerfall
Homepage KIND KAPUTT
Label UNCLE M MUSIC
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

KIND KAPUTT ist eine deutschsprachige, 2016 gegründete Alternative-Rock -und Post-Hardcore-Kapelle, deren Mitglieder aus Leipzig, Eschwege, Nürnberg und Berlin stammen. Johannes Prautzsch (Gesang & Gitarre), Konstantin Cajkin (Gitarre) und Mathis Kerscher (Schlagzeug) spielen Songs, die ihren Platz irgendwo zwischen HEISSKALT, FJØRT, BRAND NEW und THRICE einnehmen. Das vierte Mitglied der Band, Fabian Willi Simon, zeichnet für die visuelle Arbeit in Form von Videos, Artwork und Fotos verantwortlich.

„Zerfall“ ist die erste Langrille von KIND KAPUTT und als Konzeptalbum angelegt. Der Aufbau ist an die literarische Form eines Bildungsromans angelehnt und stellt die Entwicklung eines Protagonisten dar, welcher an der Schwelle zur Reife steht und darüber hinausgeht. Zwischen Genre-Bezeichnungen wie Alternative Rock, Post Hardcore oder Emo-Core oszillierend, gelingt es der Band, ihre ganz eigene Version dieser Klangästhetik zu formulieren. Die Musik wirkt dunkel, schwer und erschlagend: darunter Gefühle wie Wut, Depression und Verzweiflung aber auch Sehnsucht und Hoffnung. Wie der Weg des Hauptdarstellers in den Texten, so verlaufen auch die Lieder in unbeständigen Bahnen: zerberstende Ausbrüche der Verzweiflung, fragile Melodien und apathisch gesprochene Worte verschmelzen zu einem Gefühl und zu einer Ahnung davon, wie sich Existenz anfühlt, wenn man sie hinterfragt.

Die Grundidee hinter „Zerfall” ist es, die Gefühlswelt junger Menschen in der heutigen Zeit am Scheideweg in Richtung Erwachsenenalter darzustellen. Stellvertretend für persönliche Erfahrungen der einzelnen Bandmitglieder durchlebt die zentrale Gestalt im Verlauf der Platte eine Reihe von Entwicklungen. Seine Reaktionen darauf spiegeln einen Teil des Verhaltens der aktuellen Generation zwischen 18 und 28 wider: Flucht, Verdrängung oder Kapitulation. Jeder der zwölf Tracks ist die musikalische Entsprechung eines bestimmten Aspekts dieser Entwicklung und trägt so seinen Teil zum Gesamtkonzept bei. Neben den hymnenhaften Melodien, die sich sowohl im Gesang als auch auf den Gitarren durch den Longplayer ziehen, sind es vor allem die Texte, die den eigenen Charakter der Platte unterstreichen. Der Sound ist wie auch die sprachlichen Bilder, bewusst düster und schwer gewählt und wurde von Jan Kerscher in den Ghost City Studios bei Nürnberg produziert.

In einer Welt, in der nichts mehr zählt, die aber ständig auseinanderfällt, beschreibt „Zerfall“ jene Hilflosigkeit, welche die junge Generation gerade zu verspüren in der Lage ist: unterfordert, desillusioniert und ohne Anleitung. Gott ist tot, wie auch der Sozialismus; und der Kapitalismus hat uns nur noch eine Sache übriggelassen: Ein langweiliges, von Konsum und Leistungsdruck zersetztes Leben, welches genau eine Sache vermissen lässt: das Gefühl von Kohärenz. Stattdessen herrscht das Gefühl hin- und hergerissen, getrieben zu sein vor. Das Warten auf das echte Leben, welches niemals kommen wird, das Warten auf das Glück, auf Godot und darauf, dass sich die Alten entschuldigen für den Scherbenhaufen, in den sie einen reingeboren haben. Aber nichts davon passiert, und es endet, wie es enden muss, mit der einzigen möglichen Reaktion auf diese Existenz: Akzeptanz.

Die visuelle Gestaltung des Albums folgt dem konzeptionellen Ansatz der Musik. Die jeweiligen Artworks der Songs untermalen die Stimmung dieser und erweitern jeden Titel um eine Interpretationsebene. Hierfür reisten Fabian und Sänger Johannes in ihre Vergangenheit als Post-Wende-Kinder und suchten nach Motiven, die zu ihrer persönlichen Desillusionierung beigetragen haben. Entstanden sind Fotomontagen, deren zwei Motive jeweils immer in Verbindung zueinanderstehen. So steht beispielsweise der Hintergrund des Covers für die Fänge der gesellschaftlichen Normen und Regeln, die bereits im Kindesalter nach einem greifen. Der Kaugummiautomat im Zentrum verdeutlicht dabei das Lockmittel, etwas Süßes, das jedoch nicht umsonst, sondern nur gegen Zahlung von Geld abrufbar ist. Der beigefarbene Grundton zieht sich durch das gesamte Album-Konzept. Die Farbe symbolisiert einerseits das unbehandelte, rohe, den Status der Charakterentwicklung, in dem sich der fiktive Protagonist der Platte befindet. Andererseits besitzt der Farbton auch eine gealterte Wirkung, steht damit also auch für den Prozess der Desillusionierung. Klingt nach starkem Tobak? Nun, weichgespülter Mainstream ist auf „Zerfall“ zweifellos nicht zu finden; so verkopft, wie sich das Konzept vielleicht anhört, ist die Umsetzung jedoch keinesfalls geraten. KIND KAPUTT wissen ihr Thema vielmehr eindringlich, abwechslungsreich und absolut hörenswert umzusetzen!

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