Band Filter

KLEZ.E - Vom Feuer der Gaben

VN:F [1.9.22_1171]
Artist KLEZ.E
Title Vom Feuer der Gaben
Homepage KLEZ.E
Label LOOB MUSIK
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.5/10 (6 Bewertungen)

Klez.e (gesprochen „Kliesie“) ist irgendein fieser Computerwurm, aber auch der Name einer Berliner Indie-Band um den DELBO-Gitarristen Thomas Siebert, der bei KLEZ.E zudem noch am Mikro steht und die Elektronik bedient, wenn er nicht gerade die Thüringer Waldzither schlägt. Kein Scheiß, seit 2002 finden bei den Elektro-Indie-Rockern auch solche Instrumente wie Hackbrett oder Akkordeon Verwendung und liest man die Infos zur Instrumentierung der dritten Langrille, dann darf man davon ausgehen, dass der Fünfer so ziemlich alles ins Spiel gebracht hat, was irgendwie ein entfernt musikalisches Geräusch von sich gibt, um „Feuer der Gaben“ mit Leben zu erfüllen. Einschließlich Zeitungen, Reißverschlüssen, Didgeridoos, heidelberger Schnelldruckpressen und Schuhen.

Natürlich gibt es auch die „klassischen“ Rockband-Accessoires wie E-Gitarre, Drums und Bass, aber bei KLEZ.E gehört nicht erst seit gestern auch immer noch ein bisschen mehr zum speziellen Sound, der nicht selten mit Haken und Ösen daherkommt. Der Titeltrack ist dafür gleich das allerbeste Beispiel. Nach einem minimalistischen Einstieg tauchen plötzlich Akkordeon, Bläser und zu guter Letzt auch noch Streicher und der Cantus Domus Chor auf, um der Nummer eine gehörige Portion Dramatik einzuhauchen. Ein Übriges tut die da Falsett-Stimme des Fronters, die ein wenig an Felix Räuber von POLARKREIS 18 erinnert. Danach dominiert eine schleppende Orgel das sphärische „Im Raum mit Toten“, wobei zum sakralen Standing der Stücke die Themen, die vielfach um Tod und Vergänglichkeit kreisen, zweifelsohne passen. Bereits beim ebenso rhythmusbetonten wie federleichten Opener „Wir ziehen die Zeit“ spielt die Endgültigkeit mancher Dinge eine wesentliche Rolle, bevor „Der Saal“ Platz macht für schrammelige E- und verträumte A-Gitarren, die dem Song nach der Hälfte eine ganz neue, überraschend zwingende Richtung geben. Überhaupt muss man bei KLEZ.E immer wieder mit neuen Wendungen rechnen. Die Hauptstädter lassen sich nicht gern festnageln und verschwimmen auch schon mal die Grenzen zwischen E- und U-Musik. „Die große Einfachheit“ und „Hier, wo du strahlst“ sind noch am ehesten dem gitarrenorientierten Indie zuzuordnen, wohingegen „Madonna“ auf verstärkten Synthie-Einsatz und fast märchenhafte Vokalarrangements setzt. „Der Garten“ macht Tempo und „In Gold“ gefällt mit Post-Rock-Langäxte im gemächlichen Midtempo, während das verquere „Am Grund der tiefgrünen See“ Gefühl zeigt. Geradezu hymnisch kommt „Der Welt ein Ort“ daher, um erneut mit den vielfältigen instrumentalen Möglichkeiten zu spielen, dann beschließt „Gebet für mehr“ das Dutzend in dissonanter Slow Motion, bei der das Bläserensemble nochmals zum großen Schlag ausholt.

Anderthalb Jahre haben sich KLEZ.E Zeit gelassen, bis „Vom Feuer der Gaben“ so war, wie die Jungs sich ihre Platte vorgestellt haben. Etwas Zeit muss man auch mitbringen, um in die Gedankenwelt des Quintetts einzutauchen, die nicht unbedingt eingängig vertont wurde. Doch das etwas sperrige Ergebnis kann sich hören lassen und bringt zudem noch einen optischen Leckerbissen mit. Denn zu jedem Lied gibt es noch ein eigenes Bild, das von verschiedenen Künstlern gestaltet wurde, denen KLEZ.E jeweils einen Song an die Hand gaben, um diesen visuell umzusetzen.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

KLEZ.E - Weitere Rezensionen

Mehr zu KLEZ.E