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KLIMT 1918 - Just in case we’ll never meet again

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Artist KLIMT 1918
Title Just in case we’ll never meet again
Homepage KLIMT 1918
Label PROPHECY
Leserbewertung
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9.5/10 (2 Bewertungen)

Ich könnte jetzt, um zur allgemeinen Bildung beizutragen, einen kurzen Abriss über das Leben und Wirken des österreichischen Malers Gustav Klimt niederschreiben, tue ich aber nicht. Stattdessen möchte ich den mir vorliegenden Promozettel zitieren, weil er einfach zu großartig ist, um ihn den Lesern vorzuenthalten.

Vorneweg muss ich noch sagen, dass „Just in case we´ll never meet again“ mit dem Zusatz „Music for the cassette generation“ versehen ist. Und im folgenden wird uns dann auch geschildert, woraus der „ungemütliche Soundtrack für alt- und unmodische Kassettenhörer“ besteht. Man nehme: Geschmack vom Ende/ Stille/ Klang und Wut/ Scheitern und Explosionen/ Speichel/ Zeitlupe/ herzzerreißende Zeiten/ Liebe wie im Stummfilm/ (Tag-) Träume der Kindheit/ berüchtigte Seelenbrüder der extremen Musik/ Salsatänzer in der Finsternis/ erfüllte Wünsche/ wahrer Sex, der der Welt durch die Offenbarung mystischer Wahrheiten hilft/ Binsenweisheit/ Vergewaltigungsszenen/ Melodien der Stalingrader Jugend/ Tundra-Einsamkeit/ verstrichene Freude/ Beweise, die dich vernichten können/ die Welt, die alle beherrschen wollen/ in Momente gebrannte Stunden/ Hymnen an das Himmelszelt/ Extension du domaine de la lutte/ Kondensspuren von Flugzeugen in der lautlosen Dämmerung/ was sterben sollte, es aber nicht tut/ der perfekte Tag, an dem du dachtest, ein anderer, ein guter Mensch zu sein/ atemberaubende Tage/ Nachkrieg/ X-Pro-Fragmente/ spanische Luft/ ewiger Sonnenschein/ makelloser Geist/ Straight-Edge-Entscheidung/ Kitano-Erlebnisse/ Tarkovskijs unausgesprochene Leidenschaften/ Eseljungen/ der Himmel zu dem wir aufblicken/ die Zeit, sich im Morast zu suhlen/ Schlafwandler/ Tape-Trader, die vom Meer vermählt wurden/ unsere dürren, wie Antennen gen Himmel gerichtete, Fäuste/ Kora White/ Lieder von Hass und Verschmutzung/ Porno-Trauer/ Jahrmärkte/ unsere ganz eigene Katatonie/ Wälder/ Schreie/ Wolken/ Wunden/ Leben.

Wem fallen da nicht die unzähligen Mixtapes ein, die man für die erste, zweite und dann auch die dritte große Liebe gemacht hat, die vielen Songs, die man akribisch aus dem Radio aufgenommen hat, um die perfekte Kassette zu erstellen, von der man nie genug bekommen konnte oder die vielen Tage, die man mit den Kopfhörern des Walkman auf den Ohren verbracht hat. Liebeskummer, Freude, große Gefühle. Aber ich schweife ab. Viele der oben genannten „Zutaten“ finden sich auch in der Musik von KLIMT 1918 wieder. „Just in case we’ll never meet again“ klingt wie ein warmer Sommer, der sich langsam dem Ende neigt, es klingt nach Abschied, aber nicht unbedingt nach einem Abschied für immer. Denn ist es an machen Stellen melancholisch oder wie bei „Ghost of a tape listener“ voller Sehnsucht, kommen wieder Stellen an denen es Hoffnung gibt, wie in „Atget“. Dieser Wechsel zwischen Melancholie und Optimismus zieht sich durch das ganze Album und teilweise wechselt die Stimmung sogar innerhalb eines einzelnen Liedes, was einer Achterbahn der Gefühle gleichkommt. Musikalisch erinnert KLIMT 1918 stellenweise an ANATHEMA mit weniger Depressionen oder auch an die Landsmänner von CANAAN ohne die unterschwellige Erotik. Dennoch ist das Album etwas ganz Eigenständiges und trotz der vorherrschenden Melancholie wirkt es sehr „leicht“ – es zieht einen nicht so runter, wie man es vielleicht erwarten würde. „Just in case we’ll never meet again“ berührt und bewegt einen dazu, in Erinnerungen zu schwelgen. Ganz gleich welcher Färbung. Und zum Titel braucht man eigentlich nichts mehr zu sagen. Einen so einfachen aber schönen „Aufreisser“ habe ich schon lange nicht mehr gehört. Auf jeden Fall eine Scheibe, die ich jedem wärmstens ans Herz legen möchte, der den oben genannten Bands nicht abgeneigt ist oder einfach nur mal gepflegt Erinnerungen heraufbeschwören möchte.

Und: Sollten wir uns nicht mehr begegnen, dann werden wir dieser Musik lauschen, bis wir bluten.

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