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KORODED - Dantalion

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Artist KORODED
Title Dantalion
Homepage KORODED
Label NOIZGATE
Leserbewertung
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6.5/10 (4 Bewertungen)

Mit KORODED meldet sich eine der Dienstältesten Formationen des deutschen Metalcores zurück – und das gleich zwei Mal. Gegründet zu einer Zeit, in der wohl selbst CALIBAN und HEAVEN SHALL BURN noch nicht von dem heutigen Erfolg geträumt haben, und in der Namen wie DEADSOIL noch eine Bedeutung hatten, feierte das Quintett sein 15jähriges (!) Anfang des Jahres zunächst mit dem Re-Release der 2006er Scheibe „To have and to unhold“. Wenige Monate später folgt nun mit „Dantalion“ das erste neue Material nach ihrer Rückkehr aus der Abstinenz, die, so kurz sie dann letztendlich auch gewesen ist, anscheinend genau richtig gewählt wurde und die Jungs trotzdem alles andere als entspannt erscheinen lässt.

Denn „Dantalion“ beginnt als eine einzige Groove-Walze und endet nach rund 40 Minuten auch als solche. Wer sich nicht schon vom Cover überzeugen lässt, dass das Gewicht zu überwiegenden Teilen auf Metal gelegt wird und Core hier nur noch eine Randerscheinung darstellt, muss dieses spätestens beim monströs-verschleppten Intro anerkennen. Den verstörenden Aspekt auf die Spitze treibend, schiebt sich „Kill Buddha“ als mächtiger Opener hinterher, der tiefe Gitarrenhämmer mit dem Standard herrlich entrücktem Cleangesang konterkariert und seine Stärken mit gekonnter Dynamik richtig platziert. Die schon zuvor oft angeführten Vergleiche mit FEAR FACTORY erscheinen nun aktueller denn je, wo sich mit „Phobos“ doch gleich ein astrein maschineller Stampfer anschließt und Sänger Jan Röder sich stilistisch ohnehin sehr nah an Burton C. Bell befindet. Von dieser gut angelegten Grundlage geht es auf einen Kurztrip nach Schweden, (neo-) thrashige Gefilde werden ebenso erbarmungslos bewandert, bis „Jim Jones“ endgültig in düstere Sphären abtaucht. Die Melange aus dröhnenden Riffs, akkurat wie treibenden Drums und dem Titelkampf „erschütternde Growls gegen klagenden, aggressiven, nöligen Klargesang“ schafft eine eigene Atmosphäre, die sich vollends über die angebrochene zweite Etappe erstreckt. Und allein der Punkt „Atmosphäre“ scheint ja schon einigen der vermeintlichen Genreverwandten abhandengekommen zu sein. Auf dem unverändert technisch hohen, aber nicht exhibitionistisch zur Schau gestellten Niveau werden die letzten Meter also mit verdunkelter Miene in der Luft zerrissen, nicht ohne kleine Details einzustreuen, die den Hörer dann doch einmal von dem puristisch bösen, aber somit doch nie langweilenden Pfad weg zu führen. Und was für eine Klimax das finale „Leng Tch’e“ doch ist! In beinahe acht Minuten wechseln KORORDED von eigenartig eingängigem Death-Geholze zu bedrohlich, ja doomig verebbenden Gitarren und lassen das Ende der Platte in einem, rein vom Kontext her gesehen, bizarren, verletzlichen Piano-Part gipfeln. Damit sticht der Titel nicht nur vom Rest der Scheibe heraus – um den Kreis zu oben kurz erwähnten Anfängen deutschen Metalcores zu schließen, darf man sich hier gerne entfernt an die zu Karrierebeginn von HEAVEN SHALL BURN gerne verwendeten, träumerischen Arrangements von OLAFUR ARNALDS erinnert fühlen.

So schaffen KORODED aus dem Stand ein Comeback, mit dem man so sicherlich nicht hat rechnen können. Wie schon von den Vorgängern gewohnt, besinnen sich die Dürer stark auf die späten 90er des Metals, hierzulande als auch außerhalb, und klingen dabei auch 2013 in keiner Weise rückschrittlich. Da ein Brett wie „Dantalion“ so schnell keine weitere Pause in Aussicht stellt, bleibt letztlich nur zu hoffen, dass das wiederbelebte Gespann im zweiten Anlauf endlich die nach dieser Leistung verdiente Beachtung erhält. Tut euren Teil und greift zu!

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