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KOSHEEN - Independence

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Artist KOSHEEN
Title Independence
Homepage KOSHEEN
Label MEMBRAN
Leserbewertung
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5.5/10 (15 Bewertungen)

Es gibt immer wieder Musiker, die sich viel Zeit lassen mit einem neuen Album, dann aber Maßstäbe setzen. Dazu gehören zweifelsohne auch KOSHEEN. 5 Jahre sind schon wieder vergangen seit dem Vorgänger „Damage“, doch natürlich war das Trio in dieser Zeit nicht untätig. Markee Substance und Darren Decoder waren als DJs weltweit unterwegs und Sian Evans lieh so einigen Projekten ihre Stimme, zuletzt bei DJ Fresh und seinem Hit „Louder“.

Doch nun liegt endlich das vierte Studioalbum vor und das startet gleich mit dem vollen Hitbrett. Der Opener „Addict“ könnte besser nicht gewählt sein. Düster bahnt sich ein Bass-Beat seinen Weg aus dem Unterholz ans Licht, bis Sian mit ihrer unverwechselbaren Stimme einsetzt. Das lässt den Verlust von FAITHLESS auf der Stelle vergessen, birgt dem Titel entsprechend hohes Suchtpotential und wurde völlig zu Recht zur Single auserkoren. Mit „Get a new one“ und dem fluffigen „Tightly“ bleibt es tanzbar, Sian verzaubert mit wunderbaren Gesangslinien, die sich gleich in den Gehörgängen festsetzen, so dass auch diese Songs Singlequalitäten besitzen. Gerade „Get a new one“ sollte von Ravern bis zum aufgeschlossenen EBMler ein breites Publikum bei Fans treibender Beats finden. „Bella Donna“ erinnert mich da eher an die PET SHOP BOYS, auf jeden Fall sehr 80er zugewandt. Es folgt mit fast 7 Minuten das Instrumental „Dependency“, das den Hörer auf eine harte Probe stellt. Für meine Ohren zu noisy und überdreht, wie ADHS und dann noch drei Energydrinks obendrauf. Aber gut, das Album heißt nicht ohne Grund „Independence“, denn nach 10 Jahren haben KOSHEEN ihre Zusammenarbeit mit Major Labels aufgekündigt und veröffentlichen nun unter eigener Flagge. Da kann man sich dann auch mal Experimente fernab üblicher Songstrukturen leisten. Insofern sind für dieses Album auch viele alte Ideen aufgegriffen worden, die zu einem früheren Zeitpunkt sicherlich unter kommerziellen Gesichtspunkten verworfen werden mussten. Die folgende düstere Beschwörung „Maniac“ passt zum Beispiel zum Sound der „Damage“-Phase, während „Zone 8“ (wieder instrumental) eher an die Drum & Bass-lastigen Anfangstage erinnert. „Mannequin“ verwehrt sich mit über 6 Minuten Gesamtlänge und einem irre langen Instrumentalintro und –outro (wie manch anderer Track dieses Albums) gleich jeder Radiotauglichkeit. Wie man es aus früheren Veröffentlichungen kennt, wurde hier auch mal wieder stellenweise Sians Stimme mittels Vocoder manipuliert, was für den Moment wie ein weiteres Instrument wirkt. Ein weiteres Highlight folgt mit „Something new“, sehr apokalyptisch mit einer eiskalt schneidenden Stimme von Frau Evans. Was für ein Glück, dass solche Stücke nicht länger in der Schublade verstauben! Danach geht es erstmal gemächlicher weiter. Durchatmen kann man bei „Out there“ oder „Enter“, die beide sphärisch durch den Orbit wabbern, auch „You don’t own me“ genießt man lieber in der Chillout-Zone, ehe für die letzten beiden Tracks „Waste“ und “Spies“ das Tempo noch mal anzieht. „Waste“ besticht dabei durch seine härteren Dubstep-Ansätze im Refrain (ab wann man das dann Brostep nennt, überlasse ich den Freaks). Hier hat sich zwar gerade ALEX CLARE mit „Too close“ ein großes Feld erobert, aber Kosheen schaffen einen hörenswerten pop-lastigen Gegenentwurf. Auch „Spies“ setzt auf poppige Elemente, hier gemischt mit verspielten Elektronika.

Die Vorgängeralben habe ich immer ohne Abnutzungserscheinungen bis zum nächsten Output hören können, ob sich „Independence“ hier genauso einreihen wird, bleibt noch abzuwarten. Man hört dem Album deutlich an, dass es ohne Zwänge und Rücksichtnahmen entstanden ist. So braucht man auf jeden Fall etwas länger als sonst, um es zu erobern. Insgesamt betrachtet sind die 14 Tracks nicht unbedingt aus einem Guss, was die Durchhörbarkeit ein wenig beeinträchtigt, dafür gibt es aber eine Menge Neues zu entdecken. Kracher wie die Single „Addict“ oder „Something new“, die hoffentlich bald in einer Reihe mit „Catch“ oder „Hide U“ genannt werden, lassen die eher sperrigen Tracks jedoch verschmerzen.

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