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KRAFTKLUB - In Schwarz

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Artist KRAFTKLUB
Title In Schwarz
Label VERTIGO/ UNIVERSAL
Leserbewertung
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7.5/10 (2 Bewertungen)

Ein Album von KRAFTKLUB zu hören, ist wie eine Folge Simpsons zu gucken, oder alle LADY GAGA-Musikvideos: lauter kleine Referenzen, die einen zum Schmunzeln bringen. Beachtlich ist, für wie viel Medienwirbel die Chemnitzer in ihrer kurzen Karriere selbst schon gesorgt haben. Da wären die Teilnahme am Bundesvision Song Contest, Chaos um die Nominierung mit FREI.WILD auf einer Liste, unangekündigte Konzerte auf Hausdächern oder jüngst mit der Konvoi-Tour, die #InSchwarz-Verschwörung mit ihrer Auflösung live bei Circus Halligalli – KRAFTKLUB brechen alle Konventionen. Mit ihrem Auftreten sprechen sie vor allem die junge, querdenkende Masse an. Ja, Masse. Nicht ausgewählte Indies, denn die Fans von KRAFTKLUB sind jetzt Mainstream…

„Unsere Fans“ ist der erste Song des Albums, das genau so heißt wie die vermeintliche Newcomer Band mit den Banküberfallmasken: In Schwarz. Nach dem (selbst so genannten) ‚weißen Album‘ Mit K folgt nun also ein ähnlich aussagekräftiger Titel, der jeden darüber informiert, dass man die Band nicht nur mit K schreibt, sondern dass sie jetzt schwarze Polohemden tragen statt weiße. Im Video zu „Unsere Fans“ geht es aber bunter zu. Jedes Bling Bling-Klischee wird ausgepackt, während sich die Bandjungs mit braungebrannten Schönheiten am Pool räkeln. Der vollkommen verdrehte Song ist eine Anspielung darauf, dass jeder Band, die ein wenig erfolgreicher wird, irgendwann vorgeworfen wird, sich an die Industrie zu verkaufen. Die Ironie ist schlichtweg genial. Lieblingssatz: „Um vom Bassisten der Band/ Nicht die Geschwister zu kennen!/ Ja ja, aber Hauptsache Fan…“

Diese Problematik dürfte sich bei KRAFTKLUB von selbst erledigen. Ob sie sich in einen ihrer billigen Fans verliebt haben? Wenn ja, hat er ihnen ganz schön den Kopf verdreht: „Wegen dir“ ist ein erfrischend anderes Liebeslied, das die bizarren Auswirkungen der rosaroten Brille besingt. „Wie ich“ ist meiner Meinung nach eher eine Schwachstelle des Albums. Es geht darum, nicht so bleiben zu wollen wie man ist, sondern sich weiterzuentwickeln. Gut gemeint, bleibt aber nicht hängen. Das Stück mit dem enigmatischsten Titel heißt „Zwei Dosen Sprite“. Das ist ja noch so eine KRAFTKLUB-Sache, dass man den Namen der Lieder nicht an prominentester Stelle platziert, sondern irgendwo im Text. Was es mit den Dosen auf sich hat? Nun, es geht darum, dass die Combo das einfache, studentisch wirkende Leben (mit nur zwei lächerlichen Dosen Sprite im Kühlschrank) dem Glamour der Entertainmentwelt vorzieht. Ist ja auch so, dass man sie nicht unbedingt als Band erkennen würde, wenn man ihnen auf der Straße begegnen würde. Bestes Beispiel dafür, dass sie nicht abgehoben sind und sich „verkauft“ haben (siehe „Unsere Fans“).

Ein politischer Kommentar darf bei KRAFTKLUB natürlich nicht fehlen („Schüsse in die Luft“), und ob das Single-Dasein nun gut oder schlecht ist, darüber sind sie sich selbst nicht einig: „Für immer“ hört sich für mich nicht ganz so überzeugt an. Da ist doch noch Wehmut drin, was meint ihr? Auch „Mein Rad“ ist natürlich nicht eins zu eins das, was es nach außen hin scheint. Klar ist es kacke, wenn man sein Fahrrad gestohlen bekommt und man hängt emotional da dran – aber hier geht es eher um ein Mädel, das dem lieben Protagonisten ausgespannt wurde. Ab der zweiten Hälfte beginnen die Experimente. Der Skit „Vorm Proberaum“ ist ein etwas zu langes aber waschechtes Gebabbel von betrunkenen Bauarbeitern, die der Band zuhörten und sie dann für ihre Arbeit lobten. „Blau“ ist eine akkurate Auslegung dessen, was im Durchschnittsgehirn vorgeht, sobald es etwas angetrunken ist. Die leichte Stimmverzerrung stellt dabei die veränderte Wahrnehmung dar.

Das zur #InSchwarz-Verschwörung gehörende Lied „Hand in Hand“ ist tatsächlich eins meiner Favoriten. Es wurde bewusst so gewählt, dass es nicht zu offensichtlich nach KRAFTKLUB klingt, eben um die Öffentlichkeit zu verwirren. Der typische Sound ist ehrlich gesagt der Grund, warum ich mich anfangs schwer getan habe mit der Band. Nach einer Weile klingt alles irgendwie gleich, damit man einen Track vom anderen unterscheiden kann, muss man sie alle kennen. Soll heißen Felix‘ Sprechgesang ist an sich zwar unverwechselbar, die Strophen der einzelnen Songs untereinander aber zu indifferent. Da kommt CASPERS Stimme gerade recht. Der darf nämlich bei „Schöner Tag“ ein bisschen mitmischen. Geil. Dann gibt es da noch „Meine Stadt ist zu laut“ (KRAFTKLUBs Antwort auf MARTERIAs „Kids“?) und das dreckig-rockige „Deine Gang“ als Abschluss des Albums.

Die Jungs sagen selbst, beim zweiten Album kann man es eigentlich nie richtig machen. Entweder ist es zu gleich oder es ist zu anders. Die Chemnitzer (nicht Berliner!) haben sich wirklich alle Mühe gegeben, den bekannten Stil zu behalten, sich aber inhaltlich so wenig wie möglich zu wiederholen und eben ein bisschen zu experimentieren mit ausgefallenen Ideen. Die Musik ist ausbaufähig – aber KRAFTKLUB ist und bleibt Kult. Mit K!

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